Ihr Plätzchen haben die Helden des 27. September gefunden - noch nicht in der Geschichte, doch am warmen Ofen. Gerhard Schröder und Joschka Fischer haben sich eingerichtet jenseits der aktiven Politik und verdienen prächtig. Vor zehn Jahren waren sie die Sieger einer Bundestagswahl, die frischen Wind durch die Republik blasen sollte.Nach 16 Jahren Helmut Kohl war das nötig, fanden die Bürger. Sogar in Ostdeutschland, bis dahin überwiegend Kohl-Region, wählten sie den Einheitskanzler ab und die SPD nach oben. Sozialdemokraten dürften da ganz wehmütig werden. Bundesweit wie auch im Osten stärkste Partei, das klingt heute wie ein ferner Traum. Weil zudem die Grünen nicht stark verloren, reichte es für das, was manche als Zukunftsprojekt und andere fast als Untergang des Abendlandes betrachteten: eine rot-grüne Koalition, die erste und vielleicht letzte auf Bundesebene.Das Bündnis hat Weichen gestellt. Außenpolitisch emanzipierte sich Deutschland von den USA, für Einwanderer und Homosexuelle fiel manche Hürde. Wofür Rot-Grün in der Gesellschaftspolitik stand, das gilt heute auch in der Metropolen-CDU als mehrheitsfähig. Der Atomausstieg hingegen, den selbst der damals skeptische Schröder heute als größten Erfolg darstellt, ist angesichts der Energieprobleme keineswegs gesichert. Und Fischer wirbt für Kohlekraftwerke, zum Missfallen seiner Partei.Die Euphorie des September 1998 verrauschte, was nicht zuletzt am Dritten im Bunde lag. Oskar Lafontaine, der einen Monat nach der Wahl mit Schröder und Fischer auf den Koalitionsvertrag anstieß, gründete bald eine Ich-AG. Als Rot-Grün dieses Modell nach dem knapperen Wahlsieg 2002 anderen Arbeitslosen anempfahl und Leistungen kürzte, war das der Anfang vom Ende für ein historisches Bündnis. Von den Hauptakteuren träumt nur noch Lafontaine von der Macht. Die Grünen haben nicht mal Lust, mit der SPD auf das Jubiläum anzustoßen.------------------------------Foto : Die drei von der 98er-Koalition. Nur Oskar Lafontaine macht noch Politik.
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