Malliß hat rund 1100 Einwohner und liegt im Landkreis Ludwigslust-Parchim, zwischen Elbe und Mecklenburgischer Seenplatte. Bekannt war der Ort bislang vor allem als Strecke, die man durchfährt.
Vor dem Süßwarengeschäft „Zur Holzkiste“ ragt nun eine Rutsche in Elefantenform auf. Sie funktioniert genau andersherum als gewohnt.
Man klettert über eine knallrote Treppe in das Maul des Tiers und kommt durch ein ebenfalls knallrotes Kunststoffrohr am Hinterteil wieder heraus.
Üblich ist die umgekehrte Route: hinten hoch, über den Rüssel nach unten. Rüsselrutsche hieß das Gerät in der DDR ganz offiziell.
Millionen Klicks bei Instagram – und der Süßwarenladen verdient mit
Betreiber ist Markus Tetzlaff, Gründer des Süßwarenherstellers Matebo. Der Laden in Malliß ist seine zweite Filiale und öffnete zu Ostern 2025, nach dem Stammhaus in Greven.
Die Rutsche wiegt nach seinen Angaben eine Tonne. Für sie musste eigens ein Fundament gegossen werden.
Der Ostsee-Zeitung sagte Tetzlaff: „Einen zweiten Elefanten dieser Art gibt es nicht.“ Seit dem viralen Video verzeichne er steigende Umsätze.
Radfahrer legen Zwischenstopps ein, Durchreisende halten für ein Foto und bleiben für Kaffee und Bonbons. In den Kommentaren finden manche die Konstruktion ausgesprochen logisch, andere reagieren empört, wieder andere sehen einen anatomischen Lerneffekt.
Rüsselrutsche: Warum die DDR den Elefanten 1962 in Dresden erfand
Im Osten hat der rutschende Dickhäuter eine lange Geschichte. Den Prototyp schufen 1962 die Bildhauer Johannes Peschel, Egmar Ponndorf und Vinzenz Wanitschke.
Der Betonelefant war kein Spielgerät von der Stange, sondern Kunst am Bau – die drei arbeiteten für die Dresdner Produktionsgenossenschaft dieses Namens.
Ab 1965 ging der Elefant in Serie und wurde DDR-weit aufgestellt, unter anderem in Leipzig, Neubrandenburg und Berlin-Friedrichsfelde. Das Eisenacher Exemplar von 1967 besteht aus 14 Einzelteilen.
Eltern fürchteten das Ding, weil der raue Beton auf Hosenböden wirkte wie Schmirgelpapier. Kinder liebten es trotzdem.
Von den DDR-Betonelefanten haben nur wenige überlebt
Erhalten sind heute nur noch einzelne Originale, darunter Dresden, der Leipziger Palmengarten und Eisenach. Der Eisenacher Elefant wurde 2018 wegen Betonschäden abgesperrt, er entsprach den Sicherheitsanforderungen für Spielgeräte nicht mehr.
Der Dresdner Prototyp steht bis heute im Hof der Wilsdruffer Straße 13 in der Altstadt. Zehntklässler der 32. Oberschule erforschten seine Geschichte und bekamen dafür 2022 den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis.
Bristol war schneller: Den Elefanten-Po gab es schon 2022
Tetzlaffs Satz vom einzigartigen Elefanten stimmt allerdings nicht ganz. Auf der Noah's Ark Zoo Farm bei Bristol führt seit Jahren eine Rutsche aus dem Hinterteil einer Elefantenfigur.
Ein Foto davon verbreitete sich Ende 2022 über den Account „No Context Brits“ und löste dieselbe Debatte aus, die nun in Mecklenburg läuft.
Einen Standortvorteil hat Malliß trotzdem. Die B191 ist zu Urlaubszeiten chronisch verstopft – wer dort im Stau steht, hat Zeit, sich einen Elefanten anzusehen.
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