Ein Ultimatum des Betriebsrats an VW-Vorstandschef Oliver Blume ist verstrichen, ohne dass die Beschäftigten Klarheit über den geplanten Sparkurs erhalten haben. Besonders im sächsischen Zwickau wächst die Sorge um den Standort.
Der Konzernbetriebsrat von Volkswagen hat der Unternehmensspitze einen schweren Vertrauensverlust in der Belegschaft vorgeworfen. Vorstandschef Oliver Blume habe am Freitag zwar das Management über Details zu einem möglichen Aus für deutsche Fabriken und einen ausgeweiteten Stellenabbau informiert, den zehntausenden betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements aber weiterhin Informationen vorenthalten, teilte der Betriebsrat am Samstag mit. Ein zuvor gesetztes Ultimatum an Blume, sich gegenüber der Belegschaft zu äußern, war verstrichen.
Zu den vier von einer Schließung bedrohten Werken zählt nach Medienberichten auch das sächsische Werk in Zwickau, das 2019 als konzernweit erster Standort vollständig auf die Produktion von Elektroautos umgestellt worden war. Volkswagen hatte dafür nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden Euro investiert. Rund 8000 Menschen sind dort derzeit beschäftigt. Laut einem Bericht des Spiegel soll die Produktion in Zwickau und im niedersächsischen Emden in fünf Jahren auslaufen, es wären die ersten beiden von den Schließungen betroffenen Standorte.
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Proteste in Sachsen und bundesweit
Bereits am Donnerstag hatten sich Beschäftigte an mehr als einem Dutzend Standorten an Protestaktionen der IG Metall beteiligt, darunter in Zwickau, Chemnitz, Dresden und beim Porsche-Werk in Leipzig. „Dieser Standort wird nicht geschlossen, nicht gegen unseren Willen. Wir werden diesen Standort verteidigen“, sagte Thomas Knabel, erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, laut Bericht vor den versammelten Beschäftigten. An der Aktion beteiligten sich auch Mitarbeiter umliegender Zulieferer sowie des Opel-Werks im thüringischen Eisenach.
Konkrete Zahlen zum Sparpaket, das nach Berichten zuletzt vom Aufsichtsrat abgelehnt wurde, sind bislang nur aus Medienberichten bekannt. Das Manager Magazin berichtete von bis zu 100.000 Stellen, die weltweit wegfallen könnten – doppelt so viele wie bisher geplant. Neben Zwickau und Emden gelten das Nutzfahrzeugwerk Hannover sowie das Audi-Werk Neckarsulm als von einer Schließung bedroht. In den vier Werken arbeiten insgesamt rund 40.000 Menschen.
Bericht: Aufsichtsrat lehnte Blumes Paket ab
Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen im Aufsichtsrat gegen das Paket. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte im Vorfeld erklärt, das Land werde keiner Entwicklung zustimmen, „die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt“. VW äußerte sich nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat.
Der Betriebsrat kündigte an, Blume werde nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Beschäftigten Rede und Antwort stehen müssen. Dabei werde das Hauptaugenmerk darauf liegen, „ob der Vorstand diese Krise mit notwendigen Maßnahmen überhaupt gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie“.
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