Die spanische Regierung hat wegen mehrerer Waldbrände westlich von Madrid und in der angrenzenden Provinz Ávila Notstände mit nationaler Reichweite ausgerufen. Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte am Donnerstagabend die höchste Alarmstufe.
Damit übernimmt die Zentralregierung erstmals in einem Waldbrandfall die direkte Koordinierung der Löscharbeiten. Die entsprechende Verordnung wurde am Freitag im spanischen Amtsblatt Boletín Oficial del Estado veröffentlicht.
Betroffen sind vor allem die Gemeinden Villa del Prado und San Martín de Valdeiglesias in der Region Madrid sowie Burgohondo in der Provinz Ávila. Nach Angaben der Regionalregierung von Madrid mussten mehr als 10.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Regionalregierung hatte die Lage als „extrem ernst“ eingestuft und den Zentralstaat um Unterstützung ersucht.
Militär übernimmt Einsatzleitung
Das spanische Innenministerium begründete die Notstandserklärung mit dem gleichzeitigen Ausbruch mehrerer Brände, ungünstigen Wetterbedingungen und dem Einsatz zahlreicher Kräfte verschiedener Behörden. Die operative Einsatzleitung übernimmt die Militärkatastrophenschutzeinheit UME.
Nach offiziellen Angaben sind mehr als 270 Einsatzkräfte und 40 Fahrzeuge im Einsatz. Ein Feuer im nahe gelegenen Almorox in der Region Kastilien-La Mancha könnte sich nach Einschätzung der Behörden auf die Region Madrid ausbreiten.
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Bislang sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in Spanien in diesem Jahr rund 100.000 Hektar verbrannt – eine Fläche etwa so groß wie Berlin und München zusammen. 13 Menschen kamen ums Leben.
Wissenschaftler führen die zunehmende Heftigkeit der Brände auf den Klimawandel zurück: Nach ungewöhnlich starken Frühjahrsregen habe sich viel Vegetation gebildet, die in der Sommerhitze austrocknet.
Auch Frankreich und Italien betroffen
Auch in anderen europäischen Urlaubsregionen brennt es. In Frankreich ordneten die Behörden nach eigenen Angaben die vollständige Räumung der Halbinsel Cap Ferret an der Atlantikküste an. Nach Angaben der Präfektur Nouvelle-Aquitaine sollen Menschen mit Booten und über die einzige Landverbindung in Sicherheit gebracht werden. Das Feuer hat nach amtlichen Angaben bereits 8700 Hektar zerstört.
Rund 40 Kilometer weiter südlich, bei Biscarrosse, brennt ein weiteres Feuer auf 2500 Hektar. Nach Angaben der Präfektur mussten mehr als 23.000 Menschen evakuiert werden, unter anderem aus Campingplätzen, einem Kinderferienlager und einem Pflegeheim.
Präsident Emmanuel Macron teilte auf X mit, Frankreich habe den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert und erwarte Verstärkung aus Kroatien, Portugal, Tschechien und der Slowakei.
Für Italien melden die Nachrichtenagenturen Ansa und AP weiterhin zahlreiche Brände auf Sizilien. In San Cataldo bei Caltanissetta starb ein Feuerwehrmann, bei Santo Stefano di Quisquina nahe Agrigent mussten mehr als 100 Menschen vorsorglich ihre Häuser verlassen.
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