Auf der Fensterbank sitzt ein kleines, schildförmiges Insekt, und im Kopf taucht sofort ein Wort auf: Stinkwanze. Ziemlich oft liegt man damit falsch.
Denn an Fenstern und Hauswänden sind gerade viele verschiedene Wanzenarten unterwegs. Sie alle haben dasselbe Ziel: einen warmen Platz für den Winter.
Welche Wanzen jetzt an Fenstern sitzen
In Deutschland leben laut Umweltbundesamt (UBA) rund 900 Wanzenarten. Die echte Grüne Stinkwanze gehört zu den bekanntesten. Sie trägt im Sommer Hellgrün und färbt sich zum Herbst bräunlich. Eine braune Wanze kann also durchaus eine grüne sein.
Auffällig sind in diesem Jahr außerdem Ulmen- und Lindenwanzen. Das Pflanzenschutzamt Berlin etwa meldete bereits im Juli, dass sie teils zu Hunderten an Baumstämmen und Hauswänden sitzen.
Lindenwanzen werden bis zu sechs Millimeter lang und haben einen schwarzen Kopf mit rötlichen Flügeln. Die Art stammt aus dem Mittelmeerraum und ist laut UBA infolge des Klimawandels inzwischen auch in Deutschland zu finden.
Warum gerade jetzt so viele Wanzen ins Haus kommen
Bei uns überwintern vor allem die erwachsenen Tiere. Werden die Nächte kalt und die Tage kurz, suchen sie frostfreie Verstecke. Angelockt werden sie von Wärme und Licht.
Wie groß der Ansturm ausfällt, hängt vom Wetter ab. In warmen Jahren leben laut UBA besonders viele Wanzen im Garten, entsprechend mehr verirren sich im Herbst ins Haus.
2026 waren die Tiere zudem früh dran. Die günstige Witterung habe ihre Entwicklung deutlich beschleunigt, schreibt das Berliner Pflanzenschutzamt. Wegen kühler Nächte zogen viele schon im Sommer in Wohnungen und Hausflure.
Sind Stinkwanzen gefährlich?
Nein. Grüne Stinkwanzen sind laut UBA keine Parasiten des Menschen und übertragen keine Krankheiten. Linden- und Ulmenwanzen schaden nach Angaben des Pflanzenschutzamts weder Menschen noch Pflanzen.
Anfassen sollte man sie trotzdem nicht. Alle Wanzen besitzen Stinkdrüsen, ihr Sekret riecht süßlich und unangenehm.
Marmorierte Baumwanze: die Ausnahme
Einen echten Schädling gibt es doch. Die Marmorierte Baumwanze stammt aus Asien und breitet sich seit Jahren in Mitteleuropa aus. Wo sie saugt, wachsen verkrüppelte, verhärtete Früchte.
Sie sieht der heimischen Grauen Gartenwanze zum Verwechseln ähnlich. Laut Pflanzenschutzamt verrät sie sich durch einen weißen Bauch ohne Dornen und fünf weiße Punkte am Halsschild.
Was hilft gegen Wanzen in der Wohnung?
Das Insektenspray ist die schlechteste Idee. Das UBA rät ausdrücklich davon ab, harmlose Wanzen mit Insektiziden zu bekämpfen, im Haus ebenso wie draußen.
Die Behörde empfiehlt eine Methode, die jedes Kind kennt: ein Glas über die Wanze stülpen und ein Stück Pappe darunterschieben. Dann darf das Tier zurück nach draußen.
Absaugen hält das Pflanzenschutzamt ebenfalls für möglich. Setzt die Wanze im Beutel allerdings ihr Sekret frei, riecht danach der ganze Staubsauger, warnt Öko-Test. Wer die Tiere anfasst, trägt besser Handschuhe.
So bleiben Wanzen draußen
Wirksamer als jedes Einfangen sind Insektenschutznetze an den Fenstern. Das Amt rät außerdem, Haustüren nicht lange offen stehen zu lassen und rund um Fenster und Türen auf Kübelpflanzen zu verzichten, von denen Wanzen leben.
Wer mit Holz heizt, sollte die Scheite vor dem Hereintragen kurz ansehen. Mit Brennholz gelangt laut UBA gelegentlich die Gemeine Bodenwanze ins Haus.
Und wer eine übersieht, muss nicht verzweifeln. Sobald es im Frühjahr wärmer wird, zieht es die Tiere ohnehin wieder nach draußen.
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