Warnung vor Veräußerung einzelner Häuser - weitere Investoren signalisieren Interesse

Metro drängt Karstadt zu Komplettverkauf

BLZ
3 Min

BERLIN. In den festgefahrenen Warenhaus-Gesprächen mit Arcandor drängt Konkurrent Metro auf schnelle Entscheidungen. Der Chef der zu Metro gehörenden Kaufhof-Warenhauskette, Lovro Mandac, warb am Wochenende in Interviews für die zügige Bildung der Deutschen Warenhaus AG, in der Kaufhof und Karstadt verschmelzen sollen. Nach Ansicht von Mandac sei Kaufhof das einzige Unternehmen, das ein Gesamtkonzept für die Übernahme von etwa 60 Karstadt-Häusern und damit zur Rettung von 20 000 Karstadt-Mitarbeitern vorgelegt habe. Zugleich warnte Mandac vor einem Verkauf von einzelnen Häusern oder "kleinen Paketen von Standorten".Hohe GarantiemietenHintergrund der Äußerungen ist offenbar das Interesse einer Investorengruppe aus fünf erfahrenen Einzelhandelsmanagern und einem neuen chinesischen Finanzpartner an einzelnen Karstadt-Häusern. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, aus der insolventen Hertie-Gruppe und Teilen von Karstadt eine Kaufhaus-Kette zu schmieden. Diese soll vor allem in Klein- und Mittelstädten ihren Platz haben. Der Mittler der Investoren, Rolf Schuchardt, sagte, man wolle nicht wahllos Häuser hinzunehmen, "sondern nur Standorte, die genau zu unserem Konzept passen". Das würde aber bedeuten, dass Karstadt in Einzelteile zerfällt, was wiederum Metro nicht ins Konzept passt.Es ist aber auch erklärtes Ziel von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick, den Konzern mit seinen Säulen Warenhaus, Versandhandel und Touristik als Ganzes zu erhalten. Grundlage der Rettungsbemühungen soll der Sanierungsplan sein, den Eick schon Mitte April vorgestellt hat. Das Konzept sah damals unter anderem vor, Premium-Warenhäuser wie das Berliner KaDeWe auszugliedern, sich auf das mittlere Preissegment zu konzentrieren und den Einkauf von Warenhäusern und Versandhandel zu bündeln.Arcandor hatte vergangene Woche Insolvenzantrag gestellt, nachdem die Bundesregierung Staatshilfen verweigert hatte. Außerordentlich belastend hatten sich zuletzt die Mieten ausgewirkt, die das Unternehmen für die Immobilien der Karstadt-Häuser zahlen musste.Von den Fonds, die der Troisdorfer Projektentwickler Josef Esch mit der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim für die Vermietung solcher Immobilien aufgelegt hat, profitierte laut Spiegel nur eine handverlesene Gruppe von Angehörigen des deutschen Geldadels. Mit dabei gewesen seien beim Start der Fonds - neben Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und seiner Frau - die Kunstsammlerin Claudia Oetker, der Bofrost-Gründer Josef Boquoi und Maxdata-Gründer Holger Lampatz, der 2006 und 2007 im Aufsichtsrat von KarstadtQuelle saß. Auch Münchner Sal. Oppenheim-Konkurrenten, die Privatbankiers Wilhelm von Finck Junior und Senior, hätten Anteile gezeichnet.In München betrug die Garantiemiete laut Spiegel 23,2 Prozent vom Umsatz, in Leipzig 19,6 Prozent, in Potsdam 16,4 Prozent und in Karlsruhe 14,5. Schon bei einem Verhältnis Umsatz zu Miete von zehn Prozent beginne laut Experten die sogenannte Todeszone, in der ein Warenhaus die Miete gemeinhin nicht mehr erwirtschaften könne. (BLZ)------------------------------Doch StaatshilfeKredit: Die insolvente Karstadt-Mutter Arcandor prüft, ob sie einen so- genannten Massekredit beantragt. Offenbar ist die Bundesregierung bereit, einen solchen Kredit wohlwollend zu prüfen und wenn möglich zu gewähren. Ein Massekredit ist ein Instrument, um den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang zu erhalten. Dabei steht der Kreditgeber in der Liste der Gläubiger ganz weit oben.------------------------------Grafik: Arcandor Netto-Ertrag------------------------------Foto: Verhängtes Schaufenster von Karstadt: Was wird aus den Warenhäusern?

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