Warum sich die Umfragewerte für die Partei verschlechtern

Die SPD hat Vertrauen verloren

Manfred Güllner
3 Min

In der jüngsten Forsa-Umfrage liegt die Berliner SPD nur noch bei 25 Prozent - fünf Prozent unter ihrem Ergebnis bei der Abgeordnetenhauswahl. Für diese Entwicklung gibt es mehrere Erklärungen:Der Wählerschwund der Berliner SPD begann im ehemaligen West-Teil bereits in den 70er- und 80er- Jahren des vorigen Jahrhunderts. In zwei Jahrzehnten verlor die SPD mehr als die Hälfte ihrer Wähler. Diese Verluste setzten sich im West-Teil auch nach der Wiedervereinigung fort: 1995 wählten noch 270 000, 2001 nur noch 243 000 Wahlberechtigte die SPD.Nach dem Bankenskandal, der von den meisten Berlinern der CDU und nicht der SPD angelastet wurde, wurde die SPD im Westen Berlins mit einem nach langer Zeit wieder populären Bürgermeisterkandidaten Klaus Wowereit zunächst wieder von mehr, nämlich von 337 000 Wahlberechtigten gewählt. Doch trotz der Popularität Wowereits verlor die SPD zwischen 2001 und 2006 in West-Berlin fast 72 000 Wähler. Und auch im Ostteil, wo die SPD 1990 über 230 000 Stimmen erhalten hatte, verlor die SPD Vertrauen: Nur 160 000 Ost-Berliner gaben ihr 2006 die Stimme. Anders ausgedrückt: In Berlin wählten nur 18 von 100 Wahlberechtigten die SPD. Diese Stimmenverluste waren im Vergleich zu den anderen Parteien ungewöhnlich hoch und spiegeln sich auch im Wahlergebnis nieder.Der Vertrauensverlust für die Berliner SPD hat sich in den Monaten seit der letzten Abgeordnetenhauswahl weiter fortgesetzt. Trauten zum Zeitpunkt der Wahl noch 26 Prozent aller Berliner der SPD zu, die Probleme in der Stadt lösen zu können, ist dieser Wert bis April auf 19 Prozent gesunken. An Sympathie verloren hat in den letzten Monaten auch der Regierende Bürgermeister. Sein Popularitätswert sank von 1,6 im letzten Herbst auf 1,0 im April.Dieser Vertrauensverlust der Berliner SPD zeigt sich auch darin, dass derzeit mehr als 30 Prozent der SPD-Wähler vom September ihre Stimme nicht mehr der SPD geben würden: Sieben Prozent würden die Grünen, vier Prozent die CDU, zwei Prozent die Linkspartei und weitere zwei Prozent die FDP oder andere Parteien wählen. 16 von 100 SPD-Wählern würden heute nicht zur Wahl gehen.Berücksichtigt man noch die für die SPD im Frühjahr 2007 auch bundesweit eher schlechte Großwetterlage, dann wird klar, dass die SPD - würde jetzt das Abgeordnetenhaus neu gewählt - nicht mehr, sondern weniger Stimmen erhalten würde als im September.Wenn - wie gerade von infratest-dimap - für die Berliner SPD Werte von 32 oder 33 Prozent ausgewiesen werden (also ein höherer Anteil als bei der letzten Abgeordnetenhauswahl, als die SPD 30,8 Prozent der Stimmen erhielt), dann dürfte das mit der Realität wenig zu tun haben.Und noch ein Hinweis ist wichtig: Bei allen Abgeordnetenhauswahlen seit 1994 lag das jeweilige Wahlergebnis klar unter dem der vorausgegangenen oder der nachfolgenden Bundestagswahl. Wenn die SPD derzeit bundesweit und in Berlin deutlich unter dem Ergebnis der Neuwahl des Bundestags im Herbst 2005 liegt, dann müsste es in den letzten Wochen in Berlin einen dem Bundestrend völlig entgegenlaufenden positiven Trend für die Berliner SPD gegeben haben, um bei der Sonntagsfrage auf Werte über 30 Prozent zu kommen. Das aber ist - wie alle politischen Indikatoren zeigen - nicht der Fall.------------------------------Foto : Manfred Güllner, Autor des Beitrags, ist Chef von Forsa. Einmal im Monat ermittelt das Institut im Auftrag der Berliner Zeitung die politische Stimmung in der Hauptstadt.

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