Rund drei Millionen Kubanerinnen und Kubaner leiden täglich unter Wasserknappheit, weil dem staatlichen Versorgungssystem der Treibstoff ausgeht. Das berichtete Antonio Rodríguez, Präsident des staatlichen Nationalen Instituts für Wasserressourcen, bei einer Gesprächsrunde am Mittwochabend in Havanna, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Die Regierung mache das US-amerikanisches Energieembargo für die Lage verantwortlich.
Laut Rodríguez arbeitet das Wassersystem derzeit mit lediglich 37 Prozent des benötigten Treibstoffs. Der Sektor sei einer der größten Energieverbraucher des Landes und damit besonders von der Krise betroffen. Nicht nur die Wasserpumpen benötigten Strom, auch das Freilegen verstopfter Leitungen, die Reinigung von Klärgruben und die Reparatur von Lecks erforderten Kraftstoff. Zudem sei der Import notwendiger Chemikalien zum Erliegen gekommen.
Die Behörde kauft nach Angaben Rodríguez' nur noch Ersatzteile und Material im Wert von rund zehn Millionen US-Dollar pro Jahr ein – zuvor seien es etwa 100 Millionen Dollar gewesen. Grund sei eine vollständige Aussetzung von Krediten. Viele Zulieferer hielten Verträge zurück, weil sie unsicher seien über Zahlungsabwicklungen und Lieferwege nach Kuba.
Hinzu kommen laut der Nachrichtenagentur AP marode Infrastruktur und überlastete Pumpstationen, vor allem in Havanna, Santiago de Cuba und Matanzas. Viele Hochhäuser benötigten zusätzlich Strom, um Wasser in die Dachtanks zu befördern.
Anwohnerin: „Es ist fünf Tage her, dass Wasser kam“
Seit Januar hat die US-Regierung unter Präsident Donald Trump die bestehenden Sanktionen verschärft, um einen politischen Kurswechsel auf der Insel zu erzwingen. Trump drohte zudem mit Zöllen gegen Staaten, die Kuba mit Öl beliefern. Das Land produziert nur 40 Prozent seines Treibstoffbedarfs selbst. Stromausfälle von bis zu 20 Stunden täglich sind Alltag.
In vielen Vierteln Havannas werden Bewohner durch Tankwagen, sogenannte „pipas“, versorgt – allerdings unregelmäßig. „Es ist fünf Tage her, dass Wasser kam“, sagte die 60-jährige Lehrerin Magaly Ribial laut AP, während sie an einem Tankwagen in Alt-Havanna Wasser holte. Die 95-jährige Dayse Izquierdo ist auf die Hilfe von Nachbarn angewiesen. Der 55-jährige Carlos Molina berichtete, er reise aus einem anderen Stadtbezirk an: „Die Wassersituation ist flächendeckend.“
Nur ein kleiner Teil der Anlagen werde bislang mit Solarenergie betrieben, so Rodríguez. Ein beschleunigtes Solarprogramm sei in Vorbereitung, erfordere jedoch hohe Investitionen.
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