Boykott

Wegen Gaza: Irland kündigt Boykott von Eurovision Song Contest 2027 an

Der Sender RTÉ wird im Jahr 2027 weder einen Beitrag entsenden noch den Wettbewerb übertragen. Grund ist die humanitäre Krise im Gazastreifen.

3 Min
Siegerin Dara aus Bulgarien gewann 70. Eurovision Song Contest (ESC) in der Wiener Stadthalle. Im kommenden Jahr, wenn der ESC in Bulgarien ist, wird Irland erneut nicht teilnehmen.

Siegerin Dara aus Bulgarien gewann 70. Eurovision Song Contest (ESC) in der Wiener Stadthalle. Im kommenden Jahr, wenn der ESC in Bulgarien ist, wird Irland erneut nicht teilnehmen.

© Jens Büttner/dpa

Irland wird im Jahr 2027 zum zweiten Mal in Folge nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen. Der öffentlich-rechtliche Sender RTÉ werde weder einen Beitrag entsenden noch den Wettbewerb übertragen, teilte die Rundfunkanstalt am Donnerstag mit.

„RTÉ ist der Auffassung, dass eine Teilnahme Irlands angesichts des entsetzlichen und anhaltenden Verlusts von Menschenleben in Gaza und der dortigen humanitären Krise nicht gerechtfertigt werden kann“, erklärte der Sender. Die Krise bringe weiterhin das Leben zahlreicher Zivilisten in Gefahr.

Mehrere Länder boykottierten ESC im Jahr 2026

Irland hatte bereits den ESC im Jahr 2026 wegen der Teilnahme Israels boykottiert. Auch Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien zogen sich damals aus dem Wettbewerb zurück. Die Europäische Rundfunkunion EBU hatte Israel trotz der Proteste zugelassen und stattdessen unter anderem die Abstimmungsregeln verschärft.

RTÉ hatte nach Angaben des Senders noch im August erklärt, die Auswirkungen der von der EBU angekündigten Änderungen prüfen zu wollen. Diese konnten die Bedenken der irischen Rundfunkanstalt offenbar nicht ausräumen. Eine aktuelle Reaktion der EBU auf die Entscheidung lag zunächst nicht vor.

Irland gehört mit sieben Erfolgen gemeinsam mit Schweden zu den erfolgreichsten Ländern in der Geschichte des seit dem Jahr 1956 ausgetragenen Wettbewerbs. Zuletzt gewann das Land im Jahr 1996.

Niederlande ebenfalls nicht dabei

Auch der niederländische Sender Avrotros kündigte bereits im August an, sich erneut nicht am ESC zu beteiligen. Der Wettbewerb habe sich infolge geopolitischer Spannungen zu einer „Plattform der Spaltung“ entwickelt, erklärte der Sender laut AP. Die Reformen der EBU reichten demnach nicht aus, um den unabhängigen und neutralen Charakter der Veranstaltung wiederherzustellen.

Die endgültige Entscheidung über eine niederländische Teilnahme liegt allerdings beim öffentlich-rechtlichen Dachverband NPO. Dieser könnte theoretisch einen anderen Sender mit der Auswahl eines Beitrags und der Übertragung beauftragen.

Der Eurovision Song Contest 2027 soll im bulgarischen Burgas stattfinden. Bulgarien richtet den Wettbewerb nach dem Sieg der Sängerin Dara im Jahr 2026 aus.

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