Eishockey

Wegen Russland: DEB erwägt Rückgabe der Eishockey-WM – Ukraine bangt um Platz

Nach dem CAS-Urteil darf Russland zur Eishockey-WM 2027. DEB-Chef Lutz schließt eine Rückgabe nicht aus – und sucht in Berlin Hilfe. Was jetzt droht.

4 Min
Muss eine Heim-WM mit Russland stemmen – oder zurückgeben: DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz.

Muss eine Heim-WM mit Russland stemmen – oder zurückgeben: DEB-Vorstandschef Frank H. Lutz.

© Beautiful Sport/Goldberg/Imago

Sechseinhalb Monate vor dem ersten Bully auf Schalke steht die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland plötzlich zur Disposition. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) spielt ein Szenario durch, das lange nur als Gedankenspiel galt: die Rückgabe des Turniers.

Frank H. Lutz, Vorstandsvorsitzender des DEB, sagte am Samstagabend bei MagentaSport, der Verband müsse sich auch mit der Möglichkeit befassen, „dass wir diese WM zurückgeben“. Schwarzmalen wolle er nicht. Ein finanzielles Risiko, das den Verband überfordert, komme aber nicht infrage.

CAS-Urteil: Russland darf zur Eishockey-WM 2027

Auslöser ist ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS vom Freitag. Die Richter in Lausanne gaben der Berufung des russischen Verbands statt. Die Sicherheitsbedenken, mit denen der Weltverband IIHF den Ausschluss begründet hatte, hielten sie für nicht ausreichend belegt.

Russland ist damit ab sofort wieder für IIHF-Turniere zugelassen – auch für die WM vom 13. bis 30. Mai 2027 in Gelsenkirchen, Mannheim und Düsseldorf. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 waren russische Teams ausgeschlossen. Noch im Sommer hatte die IIHF den Bann für die WM in Deutschland ausdrücklich verlängert.

Warum die Heim-WM für den DEB zum Risiko wird

Lutz' Hauptargument ist das Geld. Mit einer russischen Mannschaft im Turnier bekomme die Sicherheit ein völlig anderes Gewicht – und damit auch die Kosten. Wer sie trägt, müsse mit der Bundesregierung und der IIHF geklärt werden.

Deshalb will der DEB-Chef in dieser Woche nach Berlin reisen. Die Gesprächskanäle zur Politik und zum DOSB seien bereits aktiviert, berichtete Lutz laut Eishockey News. Wie weit die Bundesregierung zu gehen bereit sei, könne er noch nicht einschätzen. Es sei eben auch eine politische Entscheidung.

Trotzdem gibt sich Lutz optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird. Garantieren, dass die WM wie geplant stattfindet, wollte er am Samstag aber nicht.

Keine Visa für Russland? Kanada als mögliches Vorbild

Ein denkbarer Ausweg liegt in Kanada. Dort steigt zum Jahreswechsel die U20-WM, und die kanadische Regierung hatte schon vorher klargemacht, russische Mannschaften nicht einreisen zu lassen. Einzelne Sportler ja, Teams nein, schilderte IIHF-Präsident Franz Reindl im Interview mit ran.

Ob die Bundesregierung diesen Weg gehen könnte, ließ Lutz offen. Dafür habe er noch kein Gefühl.

Ukraine raus, Russland rein? Die Szenarien für die Eishockey-WM

Kompliziert ist die Lage auch sportlich. Teilnehmerfeld und Spielplan stehen längst. Im Raum stehen eine Aufstockung auf 17 Nationen oder der Rauswurf eines Aufsteigers – Kasachstan oder ausgerechnet die Ukraine. Die Ukraine ist hinter Kasachstan der schlechter platzierte Aufsteiger.

Lutz wollte darüber nicht spekulieren, warnte aber eindringlich vor dieser Lösung: „Das nutzt keinem, insbesondere nicht den Sportlern“, sagte er.

Deutlicher wurde Stefan Ustorf. Der frühere NHL-Profi will sich nicht ausmalen, dass Russland und die Ukraine im Turnier aufeinandertreffen und so tun, als sei nichts. Sein Urteil: „Das geht nicht.“

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

IIHF-Council entscheidet am Montag und Dienstag

Die nächste Weichenstellung liegt beim Weltverband. Reindl, früher selbst DEB-Präsident, zeigte sich überrascht, wie deutlich das Urteil ausfiel und wie schnell es umgesetzt werden muss – es sei „in der Deutlichkeit schon überraschend“ gewesen. Die Rechtsabteilung prüft die Begründung, am Montag und Dienstag tagt das IIHF-Council.

In Moskau wird das Urteil gefeiert. Roman Rotenberg, Erster Vizepräsident des russischen Verbands, sprach auf Telegram von einem wichtigen Fortschritt und kündigte an, die Teams auf die Rückkehr vorzubereiten (Sport1).

Was für das DEB-Team auf dem Spiel steht

Für das Nationalteam von Bundestrainer Andre Rankel, dem früheren Kapitän der Eisbären Berlin, ist die Heim-WM das große Ziel. Zum Auftakt am 13. Mai trifft Deutschland in der Schalker Fußball-Arena auf Vize-Weltmeister Schweiz, mehr als 60.000 Fans werden erwartet.

Ob dieses Fest stattfindet, entscheidet sich nun beim Weltverband und in Berlin. Lutz' Forderung an alle Beteiligten: schnell Klarheit schaffen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner