Bereits im Oktober 2026 hat die Steiner Plüsch GmbH beim Amtsgericht Erfurt Insolvenz angemeldet. Der Geschäftsbetrieb läuft aber normal weiter, sagt Geschäftsführer André Simon. Die Nähmaschinen rattern und die 19 Beschäftigten arbeiten ab, was im Auftragsbuch steht. Dort aber stand zuletzt immer weniger, so Simon. Es seien vor allem die gewerblichen Kunden gewesen, die ihre Bestellungen zurückgefahren hätten.
Besonders schmerzlich war der Verlust eines Großkunden, der Plüschtiere in Georgenthal fertigen ließ, um sie in die USA zu liefern. Die Zollpolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump habe den Unternehmer so verunsichert, dass er sein Geschäft schließlich aufgab. Für die Steiner GmbH bedeutete das eine große Umsatzlücke.
Auf der anderen Seite wuchsen die Kosten, unter anderem durch den stetigen Anstieg des Mindestlohns. „Wir fertigen hier alles in Handarbeit“, sagt Simon. 80 Prozent der im Unternehmen anfallenden Kosten seien Lohnkosten.
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MehrHistorie: Von Puppen zu Plüschtieren
Die Steiner Plüsch GmbH hat eine lange Tradition. Das Unternehmen wurde ursprünglich als Puppenfabrik Franz Schmidt & Co. gegründet. Die Porzellanfabriken der Region lieferten die Köpfe, die in den Kugelgelenkpuppen verbaut wurden. Im Winter 1955 wurde die Fabrik bei einem Großbrand fast vollständig zerstört. Harald Steiner, ein Enkel des Gründers, übernahm den Wiederaufbau. Er wollte modernisieren und die Puppen aus robusterem Plastik herstellen. Er scheiterte mit seiner Idee an den politisch Verantwortlichen und entschied deshalb mit seiner Frau, auf die Produktion von Plüschtieren umzuschwenken.
1972 wurde das Unternehmen im Zuge der Zwangsverstaatlichung enteignet. Es wechselte den Namen, hieß fortan VEB Plüschspielwaren Georgenthal und wurde letztlich 1981 in das Kombinat Spielwaren Sonneberg eingegliedert. Nach der Wiedervereinigung holte sich die Familie den Betrieb zurück. Am 1. Oktober 1990 gründeten Helga und Harald Steiner die Steiner GmbH neu und errichteten eine moderne Fertigungsstätte inklusive Werksverkauf. Ab 2004 führte Tochter Susanne Bier den Betrieb in vierter Generation, bevor sie die Leitung 2020 an die Chefdesignerin Antje Zahl und André Simon übergab.
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Viele bekannte Maskottchen kommen aus Thüringen
Um gegenüber den Mitbewerbern aus Asien bestehen zu können, habe man sich auf hochwertige, handgefertigte Kuscheltiere und maßgeschneiderte Maskottchen spezialisiert. Bekannt wurde das Thüringer Unternehmen durch Großplüsch-Modelle wie das Faultier Sid aus „Ice Age“. In der deutschen Netflix-Produktion „Liebes-Kind“ waren die Plüschtierhersteller mit ihrer Katze Kira präsent. Auch die bekannten ARD-Maskottchen von Maus und Elefant sowie der Linux-Pinguin Tux stammen aus den Händen der thüringischen Näherinnen.
Zum Insolvenzverwalter für das Unternehmen wurde André Rombach aus Erfurt bestellt. „Wir hoffen auf eine Fortführung“, so Geschäftsführer Simon. Er sei optimistisch, dass sich ein Investor findet, möglicherweise auch ein Branchenfremder, der sich mit der Manufaktur ein weiteres Standbein schaffen möchte. Das Interesse der Privatkunden ist jedenfalls hoch. Der Onlineshop ist in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut worden und verzeichnet steigende Umsatzzahlen.
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