Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt vor einer aktuell häufiger vorkommenden Betrugsmasche, bei der sich Kriminelle am Telefon als Angehörige ausgeben. Dabei suggerieren die Täter, dass es sich um eine akute finanzielle Notlage handele, um schnell Geld für eine angebliche „Kaution“ oder „Entschädigung“ zu erpressen. Ziel der sogenannten „Schockanrufe“ sei demnach, das Opfer zu überrumpeln und durch den Schockmoment zu einer vorschnellen Handlung zu drängen.
Bemerkenswert ist der enorme Aufwand, den die Täter betreiben, um dem Opfer eine vermeintlich reale Situation in Echtzeit vorzuspielen. Oft gehe es um Verkehrsunfälle oder Straftaten, die ein Angehöriger angeblich verübt haben soll, wie das BKA am Mittwoch mitteilte. Anschließend fordern die Betrüger demnach Geldsummen von bis zu 100.000 Euro, die von den Opfern persönlich an einen Übergabeort gebracht werden sollen.
Trickbetrug in Berlin: Polizei nimmt falsche Handwerker fest
BKA: „Lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln“
„Täterseitig agieren oft mehrere Anrufende“, erklärt das BKA. „Zu Beginn führt oft ein vermeintliches Familienmitglied mit weinerlicher Stimme das Gespräch, um im Anschluss das Telefonat an einen weiteren Täter zu übergeben, der sich beispielweise als Polizeibeamter oder Staatsanwalt ausgibt.“
Die Ermittler raten dazu, gar nicht erst auf Fragen oder Aufforderungen der Täter einzugehen. „Lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln oder unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.“ Oft kann auch ein kurzer Anruf bei den tatsächlichen Angehörigen helfen, die Situation aufzuklären. Und: „Die Polizei oder vergleichbare Amtspersonen werden Sie niemals telefonisch um die Aushändigung von Bargeldbeträgen oder Wertsachen bitten.“ Wer einen solchen Anruf erhalten hat, sollte dies in jedem Fall bei der örtlichen Polizeidienststelle zur Anzeige bringen.
Betrug mit Polizistentrick: Berliner bringt viele Rentner um ihr Erspartes
Corona-Hilfen: Die meisten Betrüger leben in Berlin
Hilfsstelle: „Opfer erleiden einen massiven Vertrauensverlust“
Häufig empfinden Betroffene von Betrugsmaschen große Scham und gehen gerade deshalb nicht zur Polizei. In solchen Fällen kann auch ein Gespräch mit einer Beratungsstelle helfen. „Materielle Verluste sind meistens nicht die schwerwiegendsten Folgen“, erklärt die Hilfsorganisation Weisser Ring. „Vielmehr leiden Opfer unter physischen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen, die tiefergehende Einschnitte verursachen. Betroffene zweifeln an sich selbst (...) und erleiden einen massiven Vertrauensverlust gegenüber den Mitmenschen und der Gesellschaft.“
Gerade ältere Menschen können sich nach einem Betrugsvorfall sozial isoliert fühlen. Hier hilft es, bewusst das Gespräch mit Familie, Freunden oder in der Nachbarschaft zu suchen – auch um andere vor weiteren Übergriffen zu schützen.
Das Opfer-Telefon Weisser Ring ist täglich von 7 Uhr bis 22 Uhr unter der Telefonnummer 116 006 erreichbar.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]