Das Land Berlin sucht einen neuen Betreiber für die Tiersammelstelle in Falkenberg. "Wer das günstigste Angebot abgibt, Sach- und Fachkunde für Transport, Un- terbringung und Betreuung der Tiere nachweist, bekommt den Zuschlag", sagt der Lichtenberger Stadtrat für Umwelt und Soziales, Andreas Geisel (SPD). Der bisherige Betreiber, das Tierheim, hat den Vertrag gekündigt, weil das Amt das Budget nicht erhöhen wollte. Vertrag gekündigtDas bezirkliche Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben sorgt im Auftrag des Landes dafür, dass Tiere, die in Berlin entlaufen sind oder ihren Haltern weggenommen worden sind, in die Tiersammelstelle am Hausvaterweg in Falkenberg transportiert werden. Nach fünf Tagen in der Sammelstelle kommen die Tiere ins benachbarte Tierheim. Jährlich stellt das Land Berlin der Sammelstelle 388 000 Euro zur Verfügung. Allein im Vorjahr wurden 4 097 Tiere dorthin gebracht. Es waren vor allem Hunde und Katzen. Doch weil die Kosten in den vergangenen Jahren nach Aussage von Tierheim-Chefin Carola Ruff enorm angewachsen sind, forderte sie im vergangenen Jahr weitere 58 000 Euro vom Land. "Die Preise für Wasser, Energie und Verpflegung sind enorm gestiegen", sagt Carola Ruff. Die meisten zusätzlichen Kosten verursachten allerdings die Kampfhunde, deren Halter seit 2000 schärfere Auflagen erfüllen müssen. "Seit die Hundeverordnung verschärft wurde, ist es für uns besonders schwer, einen neuen Besitzer für diese Tiere zu finden", sagt die Tierheim-Chefin. Während andere Rassen meistens nach einem Monat vermittelt werden können, bleiben als gefährlich eingestufte Hunde nach Angaben Ruffs durchschnittlich 240 Tage im Heim oder in einer Tierpension. Das kostet das Tierheim mehr Geld, als im Etat vorgesehen ist. Als Tierheim-Chefin Ruff keine Antwort auf ihre Forderungen bekam, kündigte sie den Vertrag mit dem Land Berlin. Das Lichtenberger Amt muss einen neuen Betreiber finden. Stadtrat Geisel sagt: "Wir hätten im Vertrag mit dem Tierheim eine Ausnahmeregelung für die Kampfhunde finden können." Carola Ruff ist trotz Kündigung aber weiterhin daran interessiert, die Sammelstelle zu betreiben. Denn ohne sie würde ein großer Aufgabenbereich wegfallen. "Wir wären dann nur noch für die Tiere zuständig, die die Besitzer zu uns bringen." 15 der 66 Mitarbeiter müssten entlassen werden. Da aber öffentliche Aufträge, die einen Betrag von 200 000 Euro übersteigen, europaweit ausgeschrieben werden müssen, kann sich jetzt auch ein polnisches oder portugiesisches Tierheim um die Berliner Sammelstelle bewerben. Diese müsste auch nicht mehr in Berlin, sondern kann auch im "berlinnahen Umland" angesiedelt sein, heißt es in der 41-seitigen Ausschreibung. Im Oktober wird der neue Betreiber feststehen, der Vertrag gilt ab 1. Januar 2005. Gesundheitsstadtrat Geisel lobt das Ausschreibungsverfahren. "Endlich zieht Wettbewerb auf diesem Gebiet ein", sagt er. Ganz anderer Meinung ist Tierheim-Chefin Ruff. Sie kritisiert die Ausschreibung als "unfaires Verfahren". Sie beteiligt sich trotzdem.------------------------------Pension für Kampfhunde // Um Kampfhunde hatte es schon vor zwei Jahren Streit im Tierheim gegeben. Der damalige Chef Volker Wenk schloss die Sammelstelle kurzzeitig aus Protest gegen den Senat, der gefährliche Hunde im Tierheim "ablade". Das Tierheim muss zurzeit für die Versorgung und Unterbringung von 62 Kampfhunden aufkommen. 38 Tiere leben im Tierheim, 24 Tiere sind in Pensionen in ganz Deutschland un- tergebracht, weil das Berliner Tierheim keine freien Plätze mehr hat. Ein Platz in der Tierpension kostet bis zu 18 Euro am Tag. 3,1 Millionen Euro hat das Tierheim eigenen Angaben zufolge bisher für die Versorgung von Kampfhunden ausgegeben. Der Großteil dieser Kosten wird durch Spenden finanziert. Am häufigsten werden Kampfhunde der Rassen Pitbull-Terrier und American-Staffordshire-Terrier eingeliefert. ------------------------------Grafik: Kostenfaktor Kampfhund 2002-2004. Zwar werden weniger Kampfhunde abgegeben, aber auch weniger Hunde abgeholt. Das treibt die Kosten hoch. ------------------------------Foto: Auch American-Staffordshire-Terrier gelten seit 2000 als gefährlich. Etliche landeten im Tierheim.
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