Seit gestern kann der Rückbau des früheren Palastes der Republik von einer Aussichtplattform beobachtet werden - und zwar rund um die Uhr. Die sieben mal sieben Meter große und drei Meter hohe Plattform sieht, wie sie da auf dem matschigen Rasen des Schlossplatzes in Mitte steht, auf den ersten Blick wie ein Baucontainer aus. Hinter einer Holztreppe öffnet sich oben jedoch der Blick über den Bauzaun hinweg auf die Demontage-Arbeiten. Von hier aus ist durch die demontierten oberen Etagen auch schon die Kugel des Fernsehturms zu sehen. In einem Jahr soll es freie Sicht auf die Spree geben.Die rot angestrichene Aussichtsplattform auf dem Schlossplatz eröffnet also neue Blickwinkel. Die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), sprach von "einem neuen Ort, einer neuen Weite und neuen Sichtbeziehungen" im Zentrum Berlins.Um die Mittagszeit schlenderten viele Besucher an der Bauzaun-Ausstellung entlang, die in sechs Kapiteln auf 37 Tafeln die Geschichte dieses Ortes darstellt. Sie informiert über das Schloss aus dem 17. Jahrhundert, den Schlossplatz, den zu DDR-Zeiten gebauten Palast der Republik, die Entscheidung des Bundestages über dessen Abriss und das nun geplante Humboldt-Forum. Die Kosten der damit entstandenen Palastschaustelle belaufen sich auf 150 000 Euro. Sie werden vom Bund und dem Land gezahlt."Mit ihr soll die Geschichte erlebbar werden", sagte die Stadtentwicklungssenatorin. "Zumal der Palast der Republik für viele auch ein Stück Lebensgeschichte ist." Zum Beispiel für Klaus Weidner. In dem Prunkbau der DDR hat der 63-Jährige aus Berlin-Mitte zahlreiche Abende in den Bierstuben, an der Bowlingbahn und im Restaurant verbracht. Es sind schöne Erinnerungen. Er steht am äußersten Rand des Schlossplatzes, betrachtet von weitem die Baustelle und sagt: "Wird Zeit, dass es abgerissen wird, dann ist endlich Schluss mit dem ganzen Hin und Her."Während Klaus Weidner ein bisschen wehmütig zu dem Gerippe aus Stahl und Beton hinüberschaut, tummeln sich auf der Aussichtsplattform schon die ersten Besucher. Es werden Trinkflaschen und Stadtpläne aus Rucksäcken geholt, für Fotos posiert. Die Schau hat begonnen.------------------------------Foto: Sieht aus wie ein Baucontainer, ist aber eine Aussichtsplattform: die neue Palastschaustelle auf dem Schlossplatz.
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