Energiemarkt

Benzin teurer, Gewinne explodieren: Wer am Iran-Krieg am meisten verdient

Der Iran-Krieg treibt die Preise für Energie und Sprit nach oben. Ölkonzerne, Banken und Rüstungsfirmen verdienen daran Milliarden. US-Behörden prüfen inzwischen verdächtige Ölgeschäfte.

6 Min
Hohe Spritpreise belasten Verbraucher weltweit. Der Krieg im Nahen Osten sorgt weiter für heftige Ausschläge auf den Energiemärkten.

Hohe Spritpreise belasten Verbraucher weltweit. Der Krieg im Nahen Osten sorgt weiter für heftige Ausschläge auf den Energiemärkten.

© Sebastian Kahnert/dpa

Seit Wochen belasten hohe Benzinpreise, teure Energie und steigende Transportkosten Verbraucher und Mittelstand weltweit. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hält die Energiepreise auf hohem Niveau und sorgt immer wieder für heftige Ausschläge an den Märkten. Während viele Menschen weltweit unter den Folgen der Krise leiden, verdienen einige Großkonzerne Milliarden an den Turbulenzen.

Zu den größten Gewinnern der Krise zählen derzeit Ölkonzerne, Banken und Rüstungsfirmen. Besonders die Kämpfe rund um die Straße von Hormus sorgen für Nervosität an den Märkten. Durch die Meerenge läuft normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Angriffe, Drohungen und Einschränkungen der Schifffahrt lassen die Energiepreise immer wieder stark schwanken — ein Umfeld, an dem große Handelskonzerne prächtig verdienen.

Ölriesen profitieren von extremer Nervosität

Besonders stark profitieren derzeit die großen Öl- und Gaskonzerne. Der britische Energieriese Shell meldete für das erste Quartal einen bereinigten Gewinn von 6,9 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen übertraf damit die Erwartungen der Analysten deutlich. Shell erklärte, vor allem das Handelsgeschäft habe außergewöhnlich stark abgeschnitten.

Auch BP verdiente deutlich mehr als erwartet. Der britische Konzern meldete laut BBC einen Gewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar – mehr als doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der französische Konzern TotalEnergies steigerte seinen Gewinn im ersten Quartal laut BBC um fast ein Drittel auf 5,4 Milliarden US-Dollar. Auch dafür seien die extremen Ausschläge an den Öl- und Gasmärkten verantwortlich, heißt in dem Bericht.

Selbst die US-Giganten ExxonMobil und Chevron, deren Gewinne im Jahresvergleich leicht zurückgingen, übertrafen noch die Erwartungen der Analysten und rechnen mit weiter steigenden Einnahmen, solange der Ölpreis hoch bleibt.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Philippinen, Quezon City: Ein Demonstrant hält einen Pappe mit der Aufschrift „Ölkartell, gierig nach Profit“ in die Höhe.

Philippinen, Quezon City: Ein Demonstrant hält einen Pappe mit der Aufschrift „Ölkartell, gierig nach Profit“ in die Höhe.

© Aaron Favila/dpa

Für Verbraucher macht sich die Entwicklung längst bemerkbar. Nach Angaben des US-Automobilclubs AAA kostet eine Gallone Normalbenzin in den USA inzwischen durchschnittlich mehr als vier US-Dollar. Die Nachrichtenagentur AP berichtete zuletzt, die Preise lägen damit rund 50 Prozent höher als vor Beginn des Iran-Kriegs.

Banken verdienen an hektischem Handel

Nicht nur Energiekonzerne profitieren von der Krise. Auch große Banken melden außergewöhnlich starke Geschäfte. Die US-Bank JPMorgan erzielte laut BBC allein mit ihrem Handelsgeschäft im ersten Quartal Einnahmen von 11,6 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Insgesamt verdienten die sechs größten US-Banken in den ersten drei Monaten des Jahres demnach zusammen 47,7 Milliarden US-Dollar.

Grund dafür seien die heftigen Bewegungen an den Finanzmärkten. Anleger verkaufen riskante Anlagen, kaufen Öl, Gold oder andere als sicher geltende Werte und reagieren nervös auf jede neue Eskalation im Nahen Osten. An nahezu jeder dieser Transaktionen verdienen die Banken mit.

Die Investmentstrategin Susannah Streeter erklärte der BBC, die extreme Volatilität habe einen regelrechten Handelsboom ausgelöst. Manche Investoren hätten panisch verkauft, andere wiederum Kursstürze genutzt, um günstig einzusteigen.

Rüstungsfirmen erwarten neue Milliardenaufträge

Auch die Rüstungsindustrie rechnet mit langfristig steigenden Einnahmen. Der britische Konzern BAE Systems erklärte in einem aktuellen Handelsupdate, die weltweiten Sicherheitsbedrohungen sorgten für eine „unterstützende Lage“ für das Unternehmen. Vor allem Luftabwehrsysteme, Raketenabwehr und Drohnentechnik gelten derzeit als stark gefragt. Der Krieg habe viele Staaten daran erinnert, wie schnell moderne Waffenbestände aufgebraucht werden können, sagte die Analystin Emily Sawicz von RSM UK der BBC.

Auch die US-Rüstungskonzerne Lockheed Martin, Boeing und Northrop Grumman meldeten zuletzt rekordhohe Auftragsbestände.

Auch deutsche Rüstungskonzerne zählen zu den Gewinnern der weltweiten Aufrüstung. Besonders Rheinmetall profitiert von den steigenden Verteidigungsausgaben und der wachsenden Nachfrage nach Luftabwehr, Munition und Drohnentechnik. Der Düsseldorfer Konzern meldete zuletzt einen Auftragsbestand von rund 73 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Rheinmetall rechnet für 2026 mit einem weiteren kräftigen Wachstum.

Das Unternehmen baut seine Produktion derzeit massiv aus und will künftig unter anderem auch Marschflugkörper herstellen. Vorstandschef Armin Papperger spricht inzwischen von Wachstumsraten, „die wir so noch nie erlebt haben“. Der Boom der Rüstungsindustrie begann bereits mit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Der Iran-Krieg verschärft die Entwicklung nun zusätzlich. Vor allem Luftabwehrsysteme, Raketen und Drohnentechnik gelten derzeit als stark gefragt.

Selbst Solarbranche profitiert vom Krieg

Die Angst vor dauerhaft hohen Energiepreisen treibt inzwischen auch die Nachfrage nach erneuerbaren Energien an. Viele Verbraucher und Unternehmen versuchen, sich gegen dauerhaft hohe Öl- und Gaspreise abzusichern. Laut einer BBC-Recherche profitiert unter anderem der US-Energiekonzern NextEra Energy von der Entwicklung.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung auch in Deutschland. Der Energiekonzern Eon meldete nach eigenen Angaben eine Verdopplung der Anfragen nach Solaranlagen. Auch das Interesse an Wärmepumpen und Wallboxen sei deutlich gestiegen. „Die Haushalte in Deutschland wollen sich stärker absichern – preislich und physisch“, sagte Eon-Deutschlandchef Filip Thon laut Reuters.

Das Berliner Solarunternehmen Enpal verzeichnete laut Reuters und Handelsblatt im März einen Auftragsanstieg von rund 30 Prozent auf etwa 130 Millionen Euro. Der Großhändler Solarhandel24 verdreifachte seinen Nettoumsatz zeitweise auf fast 70 Millionen Euro. Auch die dänischen Windkraftunternehmen Vestas und Orsted meldeten steigende Gewinne.

Verdächtige Ölwetten im Milliardenwert

Inzwischen geraten auch verdächtige Ölgeschäfte rund um den Iran-Krieg in den Fokus der Behörden. Reuters berichtete am Freitag unter Berufung auf Handelsdaten und Marktanalysen, dass Investoren kurz vor wichtigen Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump offenbar milliardenschwere Wetten auf fallende Ölpreise platzierten.

Laut Reuters summierten sich die Geschäfte im März und April auf insgesamt rund sieben Milliarden US-Dollar. Die Trades fanden demnach jeweils wenige Minuten vor wichtigen politischen Ankündigungen statt – etwa vor Waffenruhe-Erklärungen oder Aussagen zur Straße von Hormus. Die US-Börsenaufsicht CFTC untersucht die Vorgänge nach Reuters-Informationen bereits.

Reuters konnte allerdings nicht klären, wer hinter den Geschäften steckt oder ob tatsächlich Insiderwissen genutzt wurde. Rechtsexperten und Händler bezeichneten die Transaktionen gegenüber Reuters als „hochgradig ungewöhnlich“. Der ehemalige Öl-Händler Adi Imsirovic erklärte, die Geschäfte wirkten „sehr gut informiert“.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner