Wichtige Rennen in Hoppegarten abgesagt - Bund gibt kein Darlehen mehr

Galopprennbahn steht vor der Insolvenz

Martin Klesmann
4 Min

HOPPEGARTEN. Auf der Galopprennbahn Hoppegarten östlich von Berlin sollten große gesellschaftliche Ereignisse stattfinden. Gutsituierte und gutgekleidete Herren wie Karl-Wilhelm Prinz von Preußen hatten sich der Traditionsanlage angenommen und wollten sie zu einem Treffpunkt der "Berliner Republik" machen. Doch aus den hochfliegenden Plänen wurde bisher nichts. Stattdessen wird das Programm immer weiter zusammengestrichen - jetzt droht die Insolvenz.Keine SponsorenAn diesem Wochenende fällt nun auch das wichtigste Rennen der Saison, die Berlin-Brandenburg-Trophy, aus. Und der Große Preis von Berlin, für den 14. August fest eingeplant, wurde ebenfalls abgesagt. Der Union-Klub, Betreiber der traditionsreichen Anlage in Hoppegarten, hat kein Geld mehr, um die hohen Preisgelder zu zahlen. Sponsoren bleiben aus. Schlimmer noch: Der 1867 gegründete Klub steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. "Wenn sich nichts tut, droht dem Verein in wenigen Wochen die Insolvenz", sagte Hauke Wilkens, Geschäftsführer des Union-Klubs, am Freitag der Berliner Zeitung. Wilkens musste einräumen, dass der Eigentümer der Rennbahn - die bundeseigene Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH (BVVG) - dem Union-Klub keine Darlehen mehr ausreichen wird.In den vergangenen Jahren hatte die Treuhand-Nachfolgerin langfristige Darlehen an die Hoppegarten-Betreiber gegeben. "Insgesamt ein hoher sechsstelliger Betrag", sagte Geschäftsführer Wilkens. Die BVVG hatte die Anlage in Hoppegarten vor Jahren in Erbbaupacht an den Union-Klub vermietet. Der Klub mit seinen 180, teilweise recht vermögenden Mitgliedern bringt nach eigenen Angaben jährlich rund 500 000 Euro auf, um die denkmalgeschützte Anlage zu erhalten.Doch Geschäftsführer Wilkens kündigte nun an, dass die Mitglieder diese Summe im kommenden Jahr wohl nicht mehr zu zahlen bereit sind. "Die Mitglieder haben derzeit nicht das Gefühl, dass es mit der Rennbahn vorangeht", sagte er. Und für diese Misere ist seiner Meinung naganz klar das Land Brandenburg verantwortlich. Die Landesregierung hat bis heute offen gelassen, ob sie sich an einer Stiftung beteiligt, die der Rennbahn auf Dauer das Überleben sichern soll.Die Idee zur Stiftung hatte der Bund, der Hoppegarten wohl auch nicht mehr alleine haben will. Die BVVG sollte dort eine Million Euro einbringen, Brandenburg 500 000 Euro und die beiden Gemeinden Neuenhagen und Hoppegarten jeweils 100 000 Euro. Sogar die Sparkasse Märkisch-Oderland will sich nun mit 100 000 Euro beteiligen. Doch Finanzminister Rainer Speer (SPD) lehnt eine neue Landesbeteiligung strikt ab. Im Gegensatz dazu macht sich Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) für die Stiftungslösung stark. Er ist Mitgliedern des Union-Klubs persönlich verbunden. Nun führt Staatskanzlei-Chef Clemens Appel (SPD) die Verhandlungen. "Eine Stiftung nur, wenn diese kein dauerhaftes Zuschussgeschäft wird", sagt er.Derzeit läuft eine Anfrage des Potsdamer Wirtschaftsministeriums in Brüssel, ob Hoppegarten mit EU-Mitteln modernisiert werden kann. Denn die Betreiber wollen die Haupttribüne von 1922 wetterfest machen und auf einen Fünf-Sterne-Standard des Hotelgewerbes bringen. Mindestens sechs Millionen Euro soll das kosten. Hoppegarten hat wohl nur eine Überlebenschance, wenn Brüssel positiv entscheidet und Brandenburg sich dann doch noch an der Stiftung beteiligt. Dem Vernehmen nach gibt es allerdings ein Problem: Eine Unterstützung für Hoppegarten wäre womöglich eher eine gewerbliche als eine touristische Förderung. Dann aber fiele die Förderung geringer aus.Kanzler als WerbeträgerBVVG-Geschäftsführer Wolfgang Horstmann forderte Brandenburg am Freitag erneut auf, sich an der Stiftung zu beteiligen. Im September sei wohl klar, ob EU-Mittel aus Brüssel fließen werden. Den Darlehensstopp für die Hoppegarten-Betreiber begründete Horstmann damit, dass er eine künftige Stiftung nicht finanziell belasten wolle. Es soll um ein Darlehen in Höhe von 800 000 Euro gegangen sein.Unterdessen wirbt der Union-Klub für die Rennbahn mit Kanzler Gerhard Schröder. Ein TV-Mitschnitt zeigt ihn im Juli 2003 beim Besuch in Hoppegarten. Der Kanzler damals: "Ich denke, diese wunderbare Anlage hat es verdient, dass in ihr Leben ist."------------------------------Tradition mit KaiserTradition: 1868 organisierte der Union-Klub auf der Galopprennbahn den ersten Renntag. Für den Kaiser wurde sogar ein eigener Bahnhof gebaut. In den 20er-Jahren wird Hoppegarten richtig populär. Nach 1945 wird der Union-Klub im Zuge der Bodenreform enteignet und erhält den Besitz nach der Wende nicht zurück.Rechtsstreit: Bund und Land Brandenburg führen einen jahrelangen Rechtsstreit, wem die rund 640 Hektar große "Rennbahn im Grünen" gehört. 1998 verpachtet die Treuhand-Nachfolgerin BVVG das Areal für 99 Jahre an den Union-Klub.Krise: Der Pferdesport steckt wegen der angespannten Wirtschaftslage in einer Krise. Die Zahl der in Deutschland gezüchteten Spitzenpferde geht ebenso zurück wie die Zahl der Wetteinsätze. Der Wettbewerb zwischen den Rennbahnen wird härter. Die Galopprennbahn Hoppegarten kann sich Preisgelder von 105 000 Euro für die Berlin-Brandenburg-Trophy nicht mehr leisten.------------------------------Foto : Das Bild galoppierender Pferde in Hoppegarten könnte schon bald der Vergangenheit angehören.

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