Fast jeder zweite Wähler in Sachsen-Anhalt hat für die AfD gestimmt. Mit 43,8 Prozent feiert die Partei ihren bislang größten Erfolg bei einer Landtagswahl. Doch der Wahlsieg hat nicht nur Bedeutung für Sachsen-Anhalt. Auch in Berlin sorgt das Ergebnis für Unruhe – und wirft die Frage auf: Welchen Einfluss hat das Ergebnis auf die Berlin-Wahl am 20. September?
Wir haben uns in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg bei einigen Berlinern umgehört, um die derzeitige Stimmung herauszufinden.
„Ich würde die AfD niemals wählen“
Die 41-jährige Hannah P. empfindet den Wahlsieg als „beängstigend“ und gibt an, derzeit auch sehr besorgt aufgrund des Wahlergebnisses zu sein. Sie empfindet die Migrationspolitik der Bundesregierung als „unmenschlich und nicht zeitgemäß“. Und deshalb würde sie erst recht nicht die AfD wählen. Dennoch könne sie es nachvollziehen, dass die AfD es jetzt zum ersten Mal geschafft hat, ein so gutes Ergebnis zu erzielen, sagt sie.
Laut Hannah P. spreche die AfD genau die Probleme an, bei denen andere Parteien wegschauten. Das Ergebnis in Sachsen-Anhalt werde bestimmt einige Bürgerinnen und Bürger in Berlin beeinflussen – vor allem die Boomer-Generation, betont Hannah P.
Ein Mann, der anonym bleiben möchte, erzählt, er habe keine Angst. Grundsätzlich befürworte er keine der derzeitigen Parteien und nennt diese alle „doof“, wodurch es für ihn keinen Unterschied machen würde. Er betont aber, dass er dennoch kein Sympathisant der AfD sei und dass er seine Stimme als ungültig ankreuzen wolle.
Unzufriedenheit mit Diversität
Eine 20-jährige Frau aus Lichtenberg berichtet ebenfalls, sie finde das Wahlergebnis „überhaupt nicht gut“. Vor allem mache sie sich als eingebürgerte Deutsche mit Migrationshintergrund deswegen große Sorgen.
Sie unterstütze die Politik der AfD überhaupt nicht, da sie das Gefühl habe, dass diese Partei die Gesellschaft mehr spalte und die Mittelschicht dadurch immer kleiner werden könnte. Die Unzufriedenheit mit Ausländern könnte in ihren Augen ein Grund dafür sein, weshalb die AfD diesmal so erfolgreich war.
Der 27-jährige Erik L. möchte sich allerdings nicht von dieser Situation emotional beeinflussen lassen. Er sagt, dass Berlin in seinen Augen sozial genug sei, um zu verstehen, „dass es schön ist, weltoffen und kultiviert“ zu sein. Berlin hat laut dem 27-Jährigen eine ganz andere Darstellungskraft, was die unterschiedlichen Kulturen betrifft. Er selbst hat deshalb auch keine Angst davor, dass es in Berlin zu ähnlichen Ergebnissen kommen könnte. Dennoch werde das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt manche Berliner dazu animieren, auch ihre Stimme für die AfD abzugeben, sagt der Grundschullehrer.
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