Die Jahresinflation im Iran hat im Mai mit 77,2 Prozent einen Wert erreicht, wie ihn das Land seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr verzeichnet hat. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der iranischen Zentralbank hervor. Im Vergleich zum April stieg die Teuerungsrate demnach um 8,5 Prozentpunkte. Bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Medikamenten, Taxifahrten, Tabak und Telekommunikation lag die Inflation sogar bei 113,8 Prozent.
Höhere Werte hatte der Iran laut der Nachrichtenagentur AP zuletzt im Jahr 1942 erlebt, als britische und sowjetische Truppen das Land besetzten und die Eisenbahn übernahmen. Damals führten Versorgungsengpässe und eine schlechte Ernte zu Hyperinflation und einer Hungersnot. Das private Forschungsinstitut Bamdad sprach von einer „seit dem Zweiten Weltkrieg beispiellosen Rate“, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Die Zentralbank selbst ging auf diese Einordnung nicht ein.
Hintergrund sind nach AP Angaben die Folgen des Krieges mit Israel und den USA sowie die anhaltende US-Marineblockade gegen iranische Ölexporte. Luftangriffe hätten Industrie und Ölsektor erheblich beschädigt, berichtet AP. Der Rial, der 2015 bei 32.000 pro US-Dollar notierte, wird inzwischen mit über 1,7 Millionen pro Dollar gehandelt. Präsident Massud Peseschkian räumte im Mai ein: „Wir werden definitiv höhere Preise haben. Wir kämpfen und müssen diese Härte akzeptieren.“
Neue Proteste befürchtet
Der in Teheran ansässige Ökonom Saeed Leilaz sagte der AP, die Jahresinflation könne 80 Prozent erreichen. Die iranische Gesellschaft könne jedoch keine Werte über 25 Prozent ertragen. Analyst Mohsen Jalilvand warnte laut der privaten, iranischen Nachrichtenagentur Fararu vor neuen Protesten bis Ende des Sommers, sollte US-Präsident Donald Trump das Land ohne formelles Friedensabkommen verlassen.
Im Januar waren laut Aktivisten bei einem Vorgehen gegen Demonstrierende mehr als 7000 Menschen getötet worden. Auch frühere Preiserhöhungen bei Lebensmitteln in den Jahren 2017/18 sowie eine spätere Anhebung der Benzinpreise im Jahr 2019 hatten Proteste mit zahlreichen Toten ausgelöst.
Global fallen die Auswirkungen des Konflikts laut einer Analyse der Financial Times deutlich geringer aus als nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine 2022. Zwar seien die Ölpreise wegen Sorgen um Lieferwege im Nahen Osten gestiegen, doch lägen die Erdgaspreise weit unter den damaligen Höchstständen. Zentralbanken agierten zudem aus einer strafferen geldpolitischen Position heraus. Hoffnungen auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran sowie die Wiederöffnung der Straße von Hormus hätten die schlimmsten Befürchtungen für die Energiemärkte gedämpft.
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