MITTE. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) schlägt gegen Mieter im Nikolaiviertel den ganz harten Kurs ein. Per Klage beim Amtsgericht Mitte will sie bei etwa 70 Betroffenen teils drastische Mieterhöhungen durchsetzen, die weit über den zulässigen Werten im Berliner Mietspiegel liegen. Die Klagewelle ist auch ein Affront gegen Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Diese hatte im Frühjahr alle städtischen Gesellschaften aufgefordert, sich am Mietspiegel zu orientieren und keine Gutachten für Mieterhöhungen heranzuziehen.Genau das aber hatte die WBM am Jahresbeginn getan, als sie an 200 der 800 Mieter im Nikolaiviertel Bescheide über Mieterhöhungen schickte, die über dem damals gültigen Mietspiegel lagen. Sie begründete das mit der exponierten Lage des Gebiets und dem Gutachten eines Sachverständigen, der für das Nikolaiviertel je nach Wohnungsgröße Kaltmieten zwischen 6,41 und 7,30 Euro je Quadratmeter ermittelt hatte. Im Mietspiegel ist das Nikolaiviertel weiterhin als gute Wohnlage eingestuft, zulässig sind aber nur Mieten zwischen 4,88 und 6,32 Euro pro Quadratmeter.Bei den Mieterhöhungen macht die WBM keinen Unterschied, ob die in den 1980er-Jahren errichteten Wohnungen noch den DDR- Charme haben oder bereits modernisiert wurden. "Die Klage ist ein Unding. Die Fenster sind marode, das Bad haben wir wie viele andere Mieter selbst gefliest", sagt eine Mieterin. Auch die Heizung würde nicht richtig funktionieren. Trotzdem soll die Frau für ihre gut 60 Quadratmeter große Wohnung künftig 5,33 pro Quadratmeter zahlen. Zulässig sind höchstens 4,81 Euro. Sie lässt sich inzwischen von einem Rechtsanwalt vertreten, einige Mieter haben dafür aber kein Geld und haben der Mieterhöhung zugestimmt. Ein anderer Mieter spricht von "Frechheit der WBM", denn schon jetzt liege seine Miete über dem Höchstsatz. Das hat auch das Amtsgericht festgestellt und will der Gesellschaft mitteilen, dass "erhebliche Bedenken bestehen", ob die Darstellungen eines Gutachters für die Mieterhöhungen ausreichend sind.Der Mieterverein kritisiert, dass sich die WBM nicht an den Mietspiegel hält. "Wir gehen davon aus, dass die Richter der WBM eine entsprechende Antwort verpassen und den Erhöhungen nicht stattgeben", sagt Reiner Wild. Auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hält die Mietforderungen für überzogen.Die Wohnungsbaugesellschaft verteidigt die Erhöhungen. Der überwiegende Teil der Mieter habe zugestimmt, sagt Sprecherin Steffi Pianka. Das Gutachten stelle ein geeignetes Begründungsmittel für die Mieterhöhungen im Nikolaiviertel dar und sei auch branchenüblich.------------------------------Gute WohnlageDas Nikolaiviertel, 1981-1987 zur 750-Jahr-Feier Berlins gebaut, gilt als gute Wohnlage. Zogen Mieter aus, wurden Wohnungen saniert, Bäder gefliest, Küchen eingebaut.Die WBM hat die Mieten auch für unsanierte Wohnungen erhöht. Zur Begründung hatte ein Spandauer Büro ein Gutachten angefertigt, als Vergleichswohnungen wurden modernisierte Wohnungen herangezogen.Gutachten zur Begründung von Mieterhöhungen sind zulässig, die Wohnungen müssen aber tatsächlich vergleichbar sein.
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