Mit Sternchen, Schräg- oder Bindestrich, dem großen Binnen-I oder in Klammerform – für die einen ist es ein Zeichen von Respekt, für die anderen ein sprachlicher Irrweg, den man als Gesellschaft schleunigst verlassen sollte. Auch wenn das Gendern hierzulande noch nie einen leichten Stand hatte, hat es sich gerade in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Politikum entwickelt.
Doch wo wird mit den gewöhnungsbedürftigen Sprachformen am meisten gearbeitet? Der Datendienstleister Listflix hat in einer aktuellen Analyse untersucht, ob und wie viele Unternehmen in Deutschland gendern.
Wo der Sternchen-Himmel besonders hell leuchtet
Den ersten Platz nimmt dabei wenig überraschend die deutsche Hauptstadt ein. Rund 13,5 Prozent aller untersuchten Unternehmen verwenden hier auf ihren Webseiten genderkonforme Sprache und formulieren etwa das Wort Lehrer wie folgt: Lehrer*in, Lehrer/in, Lehrer/-in, Lehrer(in) oder mit dem Binnen-I im Plural – LehrerInnen. Knapp gefolgt wird Berlin von Bremen (13,3 Prozent), danach reihen sich Hamburg und Niedersachsen mit ebenfalls über zehn Prozent der Unternehmen ein, die gendern.
Für die Analyse hat das Portal 2,3 Millionen Unternehmenswebseiten untersucht und kann damit ein entsprechend repräsentatives Bild zeichnen. Dabei zeigt sich, dass Gendersprache in der deutschen Wirtschaft eher die Ausnahme als die Regel ist: Bloß 9,2 Prozent aller untersuchten Unternehmen gendern überhaupt, der Rest verzichtet.
Am wenigsten gegendert wird im Osten Deutschlands. So belegen die letzten drei der insgesamt 16 Plätze Sachsen (7,7 Prozent), Thüringen (6,8 Prozent) und als Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern mit 6,5 Prozent. Auch Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegen auf den hinteren Rängen.
Geht das Gender-Zeitalter langsam zu Ende?
Ein Blick auf die Branchenanalyse zeigt, dass vor allem im Bildungssektor gegendert wird: Ein Viertel aller Unternehmen (22,7 Prozent) greift hier für mehr Gleichberechtigung auf das Sternchen oder andere Satzzeichen zurück. Danach folgen der Einzelhandel und Gesundheitsunternehmen. Sehr niedrige Genderquoten hingegen haben das verarbeitende Gewerbe und die Kfz-Branche. Besonders wenig wird die Sprache in der Gastronomie angepasst, wo bloß drei Prozent aller Unternehmen gendern.
Über die branchenspezifische Analyse hinaus hat Listflix auch die Quoten einzelner Teilbranchen ausgewertet. Hier sind die Unterschiede besonders drastisch. So wird etwa in über zwei Dritteln aller Krankenhäuser gegendert – in Arztpraxen hingegen nur zu 15,6 Prozent. Hinter den Spitälern folgen Labore (60,6 Prozent), Berufsbildungseinrichtungen (50,7 Prozent) und Gymnasien (44,3 Prozent). Bei Immobilien- und Exportunternehmen gendern andererseits nur knapp über fünf Prozent der untersuchten Betriebe.
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Grundsätzlich scheint der Gendertrend bei Unternehmen abzuebben. Auch die Zustimmung zu gendergerechter Ansprache in Deutschland ist in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen. Laut einer repräsentativen Infratest-dimap-Umfrage befürworteten 2020 noch rund 35 Prozent eine genderneutrale Sprache in Medien und Öffentlichkeit, während 56 Prozent sie ablehnten. Ein Jahr später waren nur noch 26 Prozent dafür, 65 Prozent lehnten sie ab.
Noch deutlicher wurde die Ablehnung 2023: Laut einer Forsa-Umfrage für das RTL/ntv-Trendbarometer störten sich 73 Prozent an Genderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich, während lediglich 22 Prozent diese Form des Genderns gut fanden.
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