Der nordrhein-westfälische Wirtschafts- und Verkehrsminister Wolfgang Clement steht zum doppelten Sprung bereit: Der Architekt der rot-grünen Koalition ist bereit, die rot-grüne Koalition zu kippen. Genervt durch das Klein-Klein des Düsseldorfer Dauerstreites fürchtet Clement um den Erfolg ihres Projektes. Er will in "seinem" Land die Arbeitslosigkeit um die Hälfte reduzieren.Dafür braucht das Land intakte und wirkungsvolle Verkehrswege. "Ich habe keine Sucht, Nordrhein-Westfalen zu asphaltieren", verteidigte er sich am letzten Sonnabend vor den Delegierten des SPD-Landesparteitages. Und gestern ergänzte er böse: "Ich fliege nicht gern, fahre nicht Auto und bin kein Anhänger von Mobilitätsmitteln, die über das Fahrrad hinausgehen." Aber er weiß, daß moderne Industrien leistungsfähige Straßen brauchen.Daß der kleine Koalitionspartner jeden örtlichen Streitfall nutzt, um die Koalitionsfrage zu stellen, hat ihn zum Schluß wundgerieben. Wenn der hartnäckige Workaholic einmal die Geduld verliert, neigt er zu schnellen Entschlüssen. Das war schon so, als er seinen Job als Sprecher der SPD-Parteizentrale mitten im Wahlkampf niederlegte, weil der damalige Parteivorsitzende Willy Brandt 1987 am Erfolg des Kanzlerkandidaten Johannes Rau zweifelte. In solchen Situationen handelt er schnell und ohne Netz. Mit Brandt versöhnte er sich nie. Später unterstellten ihm Freunde, er sei früh genug ausgestiegen, um nicht in den Strudel der Rau-Niederlage gerissen zu werden. Auch wenn Clement spontan reagiert wird ihm leicht Kalkül unterstellt.So auch jetzt. Beim Scheitern der Rau-Regierung wird in Düsseldorf damit gerechnet, daß Rau nicht noch einmal als Ministerpräsident einer neuen Koalition antritt. Das wäre die Stunde von Wolfgang Clement. Der in Duisburg mit 84 Prozent gerade zum stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden gewählte Clement hat die besten Chancen, die Führung einer neuen Landesregierung zu übernehmen. Doch nur im Einvernehmen mit Johannes Rau. Und ihm wird zugetraut, sogar noch weiter zu springen: Der 1940 in Bochum geborene Clement, Jurist, Journalist, Parteisprecher, Politiker, Minister, ist jung genug, um den diversen Kanzlerkandidaten der SPD Konkurrenz zu machen. +++
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