Wowereit ehrt verdienstvolle Berliner - darunter auch seinen Amtsvorgänger

Orden für Diepgen

Christine Richter
3 Min

Die Linkspartei wird nur von ihrer Vize-Fraktionschefin Marion Seelig vertreten, die anderen sind zahlreich gekommen: Rund 300 Gäste erschienen gestern zur Verleihung des Landesordens im Roten Rathaus, den in diesem Jahr auch der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) erhielt. Zum Ärger der Linkspartei, die die Auszeichnung im Senat aber nicht verhinderte.Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) findet zwar in seiner jüngst erschienenen Autobiografie keine netten Worte über Diepgen, gestern dann aber schon. Er lobte Diepgen für seine Verdienste bei der Wiedervereinigung, für die Entscheidung, den Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters von Schöneberg nach Mitte zu verlegen ("ein starkes Symbol"), für die Lohnangleichung zwischen Ost und West. "Das war finanzpolitisch vielleicht nicht vernünftig, aber menschlich nachvollziehbar", sagte Wowereit. Diepgen habe sich in besonderer Weise um Berlin verdient gemacht. Und, so Wowereit, "wohl wissend, dass wir politisch nicht immer einer Meinung waren und sind, ich freue mich, Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin zu überreichen". Die CDU-Spendenaffäre und die Bankenkrise, die im Jahr 2001 zur Abwahl Diepgens und zur Wahl Wowereits geführt hatten, erwähnte der amtierende Regierende Bürgermeister mit keinem Wort.Diepgen übernahm eine knappe Stunde später - stellvertretend für alle elf Ausgezeichneten, darunter der Tierpfleger von Eisbär Knut, Thomas Dörflein, Ex-Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), Springer-Vorstand Mathias Döpfner, Grips-Theater-Leiter Volker Ludwig - die Dankesworte. "Sie sehen hier einen Rollenwechsel", sagte Diepgen. "Ich durfte den Orden viele Jahre verleihen, nun nehme ich ihn vom Senat entgegen." Doch der Rollenwechsel gelang Diepgen nicht, anfangs redete er noch nett und auch ein bisschen spitz gegen Wowereit. So wünschte er dem Regierenden Bürgermeister zu dessen 54. Geburtstag Besonnenheit und Einsicht und eine gute Hand beim Regieren - "schon aus egoistischen Gründen". Er bekam auch noch einige Lacher, als er sagte, dass der Orden, den er selbst zum ersten Mal vor 20 Jahren in Berlin verliehen hatte, in anderen Bundesländern dem Regierungschef qua Amt zu steht. "Dann hätten Sie sich viele Probleme in Ihrer Koalition erspart", sagte Diepgen zu Wowereit. Doch dann verlor er sich in seiner Ansprache, redete über soziale Gerechtigkeit ("Gerechtigkeit muss ein System gleicher Freiheiten sein"), sprach über die Bahn-Privatisierung und warum Kultur staatlich finanziert werden müsse, sinnierte über den 1. Oktober, den Tag der Berliner Verfassung, erwähnte die Image- und Marketing-Kampagne und wollte gar nicht mehr aufhören. Fast 20 Minuten dauerte seine Rede, laut Programm sollten es "Dankesworte" sein.Eins aber war Diepgen damit gelungen: Beim anschließenden Sekt-Empfang war sein Auftritt das Gesprächsthema Nummer eins. "Er hat eine Chance vertan", sagten die einen. "Lasst ihn doch, so ist er halt, unser Diepgen", die anderen.------------------------------Foto: Ausgezeichnet mit dem Landesorden: der ehemalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU, l.). Amtsnachfolger Klaus Wowereit gratuliert.

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