Geopolitik

Xi reist zu Kim Jong-un: China sucht wieder Nähe zu Nordkorea

Der chinesische Staatschef Xi Jinping reist kommende Woche nach Nordkorea. Der seltene Besuch erfolgt nach Kims Annäherung an Russland und wenige Wochen nach Trumps Reise nach Peking.

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Kim Jong-un und Xi Jinping bei einem früheren Treffen in Peking. Nach Jahren vergleichsweise kühler Beziehungen bauen China und Nordkorea ihre Kontakte wieder aus.

Kim Jong-un und Xi Jinping bei einem früheren Treffen in Peking. Nach Jahren vergleichsweise kühler Beziehungen bauen China und Nordkorea ihre Kontakte wieder aus.

© Huang Jingwen/XinHua/dpa

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping wird in der kommenden Woche zu einem seltenen Besuch nach Nordkorea reisen. Wie die chinesische Staatsagentur Xinhua und die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA mitteilten, wird Xi am Montag zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Pjöngjang erwartet. Dort soll er Machthaber Kim Jong-un treffen. Es ist Xis erster Besuch in Nordkorea seit 2019 und zugleich seine erste Auslandsreise in diesem Jahr.

Der Besuch unterstreicht die wachsende Bedeutung der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten. Nach Jahren der Abschottung und vergleichsweise kühler Kontakte haben Peking und Pjöngjang zuletzt mehrere Schritte zur Wiederannäherung eingeleitet.

Treffen nach Besuchen von Trump und Putin

Der Besuch erfolgt nur wenige Wochen, nachdem Xi in Peking sowohl US-Präsident Donald Trump als auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin empfangen hatte. Beobachter sehen darin einen weiteren Versuch Pekings, seinen Einfluss auf die geopolitischen Entwicklungen in Ostasien zu unterstreichen.

Xi und Kim waren zuletzt im September öffentlich zusammen aufgetreten. Damals nahm der nordkoreanische Machthaber an einer Militärparade in Peking teil, bei der auch Putin anwesend war.

China und Nordkorea durch Beistandspakt verbunden

China gilt als wichtigster wirtschaftlicher und diplomatischer Partner Nordkoreas. Beide Länder verbindet ein 1961 geschlossener Freundschafts- und Beistandsvertrag, der in diesem Jahr sein 65-jähriges Bestehen feiert. Es handelt sich um Chinas einziges formelles Verteidigungsabkommen mit einem anderen Staat.

Der Besuch fällt jedoch auch in eine Zeit, in der die Beziehungen zwischen Peking und Pjöngjang als weniger eng gelten als in früheren Jahren. Während der Corona-Pandemie hatte Nordkorea seine Grenzen weitgehend geschlossen. Zugleich intensivierte Kim Jong-un die Beziehungen zu Russland und unterstützt Moskau nach westlichen und südkoreanischen Angaben inzwischen auch militärisch im Krieg gegen die Ukraine.

Wiederaufnahme von Flug- und Bahnverbindungen

Der Besuch folgt auf mehrere Schritte zur Wiederbelebung der Beziehungen zwischen beiden Nachbarstaaten. Ende März nahm die staatliche Fluggesellschaft Air China erstmals seit Jahren wieder Direktflüge zwischen Peking und Pjöngjang auf. Wenige Tage zuvor hatten beide Länder bereits den grenzüberschreitenden Personenverkehr auf der Schiene wieder gestartet.

Die Verbindungen waren während der Corona-Pandemie über Jahre unterbrochen gewesen. Chinesische Diplomaten bezeichneten die Wiederaufnahme der Flüge als wichtigen Schritt für engere wirtschaftliche, kulturelle und politische Kontakte. China ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner Nordkoreas und gilt als dessen bedeutendster internationaler Unterstützer.

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Spekulationen über Vermittlerrolle

Für Aufmerksamkeit sorgt auch der Zeitpunkt des Besuchs. Trump hatte während seiner ersten Amtszeit mehrfach direkte Gespräche mit Kim geführt und zuletzt erneut Interesse an einer Wiederaufnahme des Dialogs signalisiert. Nach Angaben des Weißen Hauses sprachen Trump und Xi bei ihrem Treffen in Peking im Mai auch über die Lage auf der koreanischen Halbinsel. Beide Seiten hätten dabei das Ziel einer Denuklearisierung Nordkoreas bekräftigt.

Ob Xi bei seinem Besuch eine mögliche Vermittlerrolle zwischen Washington und Pjöngjang ausloten will, ist bislang offen. Die chinesische Regierung erklärte zuletzt lediglich, der Austausch zwischen China und Nordkorea diene den Interessen beider Länder sowie dem Frieden und der Stabilität in der Region.

Nordkorea baut Atomprogramm weiter aus

Nordkorea zeigt bislang keine Bereitschaft, sein Atomprogramm einzuschränken. Erst in dieser Woche besuchte Kim nach Angaben staatlicher Medien eine neue Anlage zur Herstellung waffenfähigen Nuklearmaterials. Dabei kündigte er an, die nuklearen Fähigkeiten seines Landes weiter auszubauen.

Kim hatte im vergangenen Jahr zwar erneut Gesprächsbereitschaft gegenüber Trump signalisiert. Voraussetzung sei jedoch, dass Washington seine Forderung nach einer vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas aufgebe.

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