Heimunterbringung

Zahl junger Menschen in Heimen und Pflegefamilien steigt erneut

Fremdunterbringung in Deutschland nimmt zum zweiten Mal in Folge zu. Eine Gruppe ist besonders betroffen.

2 Min
Mehr Kinder und Jugendliche leben in Deutschland in Heimen oder Pflegefamilien.

Mehr Kinder und Jugendliche leben in Deutschland in Heimen oder Pflegefamilien.

© Felix Kästle

In Deutschland leben immer mehr Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer eigenen Familie. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 221.000 junge Menschen in Heimen, betreuten Wohnformen oder Pflegefamilien betreut – rund 7000 mehr als im Vorjahr. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Nach fünf Jahren des Rückgangs ist es bereits der zweite Anstieg in Folge.

Maßgeblich verantwortlich für den erneuten Zuwachs ist laut den Statistikern die Unterbringung ehemals unbegleitet eingereister Minderjähriger. Nachdem Jugendämter diese zunächst vorübergehend in Obhut nehmen, werden sie anschließend häufig in Heimen oder betreuten Wohnformen untergebracht, seltener in Pflegefamilien. Gut zwei Drittel des gesamten Anstiegs – 69 Prozent beziehungsweise 4800 Fälle – gehen nach Angaben des Bundesamtes auf diese Gruppe zurück.

Mehr Jungen als Mädchen in Fremdunterbringung

Die Daten zeigen deutliche Unterschiede nach Geschlecht und Alter: Mit 57 Prozent wurden mehr Jungen als Mädchen (43 Prozent) außerhalb der eigenen Familie betreut. Etwa drei Viertel der Betroffenen waren noch minderjährig. Bis zum Alter von zehn Jahren wuchsen Kinder häufiger in Pflegefamilien auf, ab dem elften Lebensjahr überwog die Unterbringung in Heimen.

Auch die familiären Hintergründe der betroffenen Kinder schlüsselte das Statistische Bundesamt auf: In fast jedem zweiten Fall waren die Eltern alleinerziehend. Bei knapp einem Fünftel der Herkunftsfamilien handelte es sich um zusammenlebende Elternpaare, in weiteren 16 Prozent um Elternteile in einer neuen Partnerschaft. In 17 Prozent der Fälle war die Familiensituation ungeklärt – etwa weil die Minderjährigen als unbegleitete Flüchtlinge eingereist waren. In zwei Prozent der Fälle waren die Eltern verstorben.

Die durchschnittliche Dauer der Betreuung außerhalb der eigenen Familie lag bei 2,4 Jahren. Dabei zeigten sich erhebliche Unterschiede je nach Betreuungsform: In Heimen blieben Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Schnitt 1,8 Jahre, in Pflegefamilien dagegen deutlich länger – durchschnittlich 4,3 Jahre.

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