An der Aral-Tankstelle in Siegburg flattert rot-weißes Absperrband an den Zapfsäulen. Das Premiumbenzin Ultimate ist ausverkauft, am Wochenende wurden dort zeitweise auch Diesel und Super E10 knapp. Das berichtet der WDR.
In Rommerskirchen fehlten an Stationen von Aral und TotalEnergies ebenfalls einzelne Sorten. Beide Konzerne nennen gegenüber dem Sender dieselben Ursachen: das Niedrigwasser im Rhein und die hohe Nachfrage.
Für Berliner Autofahrer gibt es Entwarnung, die Hauptstadt bezieht ihren Sprit auf anderen Wegen. Wer aber in den Herbstferien Richtung Rhein fährt, sollte dort nicht erst auf Reserve tanken.
Warum am Rhein der Sprit knapp wird
Viele Tanklager entlang des Rheins werden per Tankschiff beliefert. Bei Niedrigwasser dürfen die Schiffe nur noch einen Bruchteil ihrer Ladung aufnehmen, die Vorräte an Land wachsen langsamer nach. Lastwagen und Güterzüge können das laut dem Mineralölverband en2x nur begrenzt auffangen.
Gleichzeitig wird mehr getankt. Seit dem 1. Oktober gilt der Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt bis Jahresende um 14,04 Cent je Liter, mit Mehrwertsteuer um bis zu 16,7 Cent. Der Tankstellen-Interessenverband sprach Anfang Oktober im Handelsblatt von einem spürbaren Nachfrageschub.
Leere Zapfsäulen bedeuten deshalb keinen Mangel an Benzin, sondern einen Stau auf dem Weg zur Tankstelle.
Pegel Kaub: so flach wie nie gemessen
Das Nadelöhr ist Kaub am Mittelrhein, zwischen Koblenz und Mainz. Dort fiel der Pegel am 1. Oktober auf minus sechs Zentimeter, den tiefsten Stand seit Messbeginn. Der Rekord aus dem Dürrejahr 2018 hatte bei 25 Zentimetern gelegen.
Am Montagabend zeigte Kaub 16 Zentimeter, Köln 54 und Bonn 71. Der Pegel ist ein Bezugswert, die Fahrrinne ist gut einen Meter tiefer. Voll beladene Frachter brauchen dort aber rund 1,50 Meter, also deutlich mehr.
Diese Städte waren schon betroffen
Anfang Oktober meldete der Verband zeitweise leere Zapfsäulen in Köln, Bonn, Koblenz, Mannheim, Heidelberg, Freiburg, Frankfurt und Aschaffenburg. Vor allem Diesel fehlte.
Aral spricht gegenüber dem Sender von vorübergehenden Einschränkungen, vor allem im Rheinland. Im bundesweiten Netz gebe es keine größeren Engpässe. Auch en2x sieht kein flächendeckendes Problem: „Die Versorgung bleibt gesichert.“ Einzelne Lieferungen könnten sich aber weiter verzögern.
Warum Berlin kaum betroffen ist
Tankstellen in Berlin und Brandenburg werden traditionell aus der Raffinerie PCK in Schwedt beliefert. Das Rohöl kommt per Pipeline, der fertige Sprit per Bahn und Lastwagen. Ein Tankschiff vom Rhein braucht es dafür nicht.
Das schlägt sich im Preis nieder. Schon im August, beim ersten Höhepunkt des Niedrigwassers, lag Berlin laut ADAC-Auswertung bei Super E10 unter den drei günstigsten Bundesländern. Am teuersten tankte man in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen.
Für die Herbstferien, die in Berlin noch bis 31. Oktober laufen, heißt das: am besten zu Hause volltanken. Auch Nordrhein-Westfalen hat gerade Ferien, im Westen sind also besonders viele Autos unterwegs.
Angsttanken leert die Tanks zusätzlich
Die Branche kennt das Muster aus 2018. Damals liefen entlang des Rheins ebenfalls Tankstellen leer, weil Autofahrer aus Sorge früher nachfüllten als nötig. Welche Station es trifft, sei nicht vorhersehbar, sagte damals der Bundesverband Freier Tankstellen und verglich das mit einem Gewitter, bei dem niemand weiß, wo der Blitz einschlägt.
Die Nervosität ist zurück. Die Pächterin einer Tankstelle in Königswinter erzählte dem Sender, dass Kunden vorher anrufen und fragen, ob überhaupt noch Sprit da ist. Ihre Station war vor zwei Wochen gerade einmal zwei Stunden lang ohne eine Sorte.
So tanken Sie jetzt am günstigsten
Wer am Rhein unterwegs ist, füllt besser schon bei halbvollem Tank nach. Kanister zu horten bringt nichts: Leere Stationen bekommen in der Regel nach einigen Stunden oder am nächsten Tag Nachschub.
Beim Preis zählt die Uhrzeit. Laut ADAC ist Sprit kurz vor 12 Uhr am billigsten, danach springt der Preis nach oben. Zuletzt kostete Super E10 im Bundesschnitt 2,151 Euro, Diesel 2,247 Euro (Stand 14. Oktober). Im Rekordmonat September waren es noch 2,266 und 2,386 Euro.
Wann der Rhein wieder steigt
Bis zum Wochenende bleibt der Fluss im Keller. Ab Freitag ziehen Herbststürme mit Regen heran. Die Wetterredaktion des Senders hält danach in Köln einen Anstieg auf 150 bis 175 Zentimeter für möglich.
Dann könnten die Tankschiffe wieder deutlich mehr laden. Wie viel Regen am Ende tatsächlich fällt, ist laut den Meteorologen allerdings noch offen.
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