Mobilität

Zehlendorf, Pankow, Reinickendorf: Wo das Berliner U-Bahn-Netz wächst

Während ihres Antrittsbesuchs bei der BVG erläutern Franziska Giffey und Manja Schreiner, wie es mit dem U-Bahn-Ausbau weitergeht. Tram und Bus kamen am Rande vor.

6 Min
Offizieller Antrittsbesuch bei der BVG: Mobilitätssenatorin Manja Schreiner (CDU, l.) und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) in der U-Bahn, die sie gleich steuern werden

Offizieller Antrittsbesuch bei der BVG: Mobilitätssenatorin Manja Schreiner (CDU, l.) und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) in der U-Bahn, die sie gleich steuern werden

© Fabian Sommer/dpa

Tempo, Tempo! Beim Ausbau des Berliner U-Bahn-Netzes will der Senat Dampf machen. Der erste Spatenstich für das nächste Projekt, die Verlängerung der U3 zum Mexikoplatz, soll früher als bisher geplant noch vor der kommenden Wahl zum Abgeordnetenhaus erfolgen. Das kündigte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), die dem Aufsichtsrat der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vorsitzt, am Mittwoch an. Manja Schreiner, die Mobilitätssenatorin, teilte mit, dass sie ein älteres Vorhaben neu auf die Agenda gesetzt hat: die U8 ins Märkische Viertel. In dem Gesamtkonzept, das die CDU-Politikerin ankündigte, sollen auch Verlängerungen der U2, U7 und U9 vorkommen.

Plötzlich fuhr Franziska Giffey der Schrecken in die Glieder. Ein übel meinender Algorithmus hatte dafür gesorgt, dass der Politikerin bei ihrer virtuellen Fahrt mit dem Straßenbahn-Fahrsimulator ein Linksabbieger plötzlich in die Quere kam. Sie konnte ihre Computer-Tram nicht mehr stoppen. „Du hast gerade ein Auto gerammt“, rief Manja Schreiner, die den Crash auf einem Bildschirm mitverfolgt hatte. Da hatte Franziska Giffey schon wieder ihre Coolness zurückgewonnen. „Das war ein unvermeidbarer Unfall“, sagte die Senatorin – und überließ Schreiner den Sitz im ADS 350 von Rheinmetall Defence, der sich auf dem Betriebshof Lichtenberg befindet.

Bei der BVG gibt es eine bewährte Strategie, wie man Politikerinnen und Politiker für sich gewinnen kann: Lass’ sie selbst fahren! Nachdem die BVG zugesagt hatte, dass Olaf Scholz einen Bus steuern darf, gelang es, den Bundeskanzler im April für einen Pressetermin auf den Betriebshof Indira-Gandhi-Straße zu locken. Am 7. September wird der SPD-Politiker erneut die BVG besuchen. Politiker ans Steuer: Angebote dieser Art hoben auch beim Antrittsbesuch der Senatorinnen am Mittwoch die Stimmung. Auf dem Gelände der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde brachte Manja Schreiner eine U-Bahn so schnell auf Tempo 60, dass sich ihre Mitfahrer gut festhalten mussten.

Gleich knallt es virtuell: Manja Schreiner (l.) schaut Franziska Giffey im Straßenbahn-Fahrsimulator zu.

Gleich knallt es virtuell: Manja Schreiner (l.) schaut Franziska Giffey im Straßenbahn-Fahrsimulator zu.

© Peter Neumann/Berliner Zeitung

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Das passte ganz gut zu der zentralen Botschaft, dass der neue schwarz-rote Senat mehr Geschwindigkeit beim U-Bahn-Ausbau an den Tag legen will als die rot-grün-roten Vorgänger. Erstes Neubauprojekt wird wie gesagt die rund 700 Meter lange Fortführung der U3 von der Krummen Lanke zum Mexikoplatz sein. Manja Schreiner sagte am Mittwoch, dass ihr Haus der BVG kürzlich zugesagt habe, die nächsten Planungsphasen mit 9,5 Millionen Euro zu finanzieren. Hieß es bislang, dass der erste Spatenstich als Auftakt zur fünfjährigen Bauzeit Ende 2026 gesetzt wird, soll diese Feier noch in dieser Legislaturperiode stattfinden, wie Giffey erklärte. Die Wahl ist für Herbst 2026 geplant.

U9 nach Pankow, U10 nach Weißensee

Wie berichtet treibt der Senat auch die Vorbereitungen für die geplanten Verlängerungen der U7 voran. Berlins längste U-Bahn-Strecke soll in beide Richtungen noch länger werden. Künftig soll sie zum Flughafen BER und nach Heerstraße Nord führen, vielleicht sogar nach Staaken. Die Mobilitätssenatorin bekräftigte zudem, dass die Verwaltung eine Machbarkeitsuntersuchung für die U10 vom Alexanderplatz nach Weißensee in Auftrag geben wird. Zu dem Konzept für den Nordosten, das sie bereits angekündigt hat, gehören mögliche Fortführungen der U2 nach Pankow Kirche sowie der U9 auf Pankower Gebiet.

Manja Schreiner und Franziska Giffey auf dem Busbetriebshof Lichtenberg der BVG. Rechts Rolf Erfurt.

Manja Schreiner und Franziska Giffey auf dem Busbetriebshof Lichtenberg der BVG. Rechts Rolf Erfurt.

© Fabian Sommer/dpa

Ein U-Bahn-Neubauprojekt, das bei einer Überprüfung der damals noch grün regierten Verkehrsverwaltung auf einen hinteren Rang abgesackt war, soll wieder nach oben geholt werden – das war eine neue Nachricht. „Wir wollen uns die Planungen für die Verlängerung der U8 von Wittenau ins Märkische Gebiet anschauen“, kündigte Schreiner an. „Ziel ist es, auch dieses Vorhaben so schnell wie möglich voranzutreiben“ – und eine möglichst günstige Lösung zu finden. Die könnte darin bestehen, den bestehenden Tunnel der U8 geradlinig zu verlängern. Zu prüfen sei auch, wie ein Umsteigen zur Heidekrautbahn Richtung Basdorf ermöglicht werden könnte, teilte die Senatorin mit.

BVG hält an Straßenbahnplanungen fest

Obwohl es an Plänen und Strategien keinen Mangel gibt, soll nun ein neues Gesamtkonzept für die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs erarbeitet werden.  „Berlin wird in absehbarer Zeit auf vier Millionen Menschen anwachsen“, sagte Franziska Giffey. „Vor allem in den Außenbezirken entstehen ganz neue Stadtquartiere, es siedeln sich immer mehr Unternehmen in unserer Stadt an.“ Es sei richtig, dass die BVG Anfang dieses Jahres mit dem U-Bahn-Ausbaukonzept „Expressmetropole Berlin“ bereits eine mutige Version für die Zukunft gezeichnet hat. „Unsere gemeinsame Aufgabe ist es nun, im Dialog mit Fachleuten konkrete Maßnahmen für einen Masterplan ÖPNV 2030 zu entwickeln, den die neue Landesregierung konsequent voranbringen wird“, kündigte die Wirtschaftssenatorin an.

Die Straßenbahn kam am Mittwoch nur am Rand vor. Doch der Ausbau des Tramnetzes  werde in dem vorgesehenen Masterplan ebenfalls Platz haben, hieß es. Allerdings bekräftigte die Mobilitätssenatorin auch, dass die in der Koalitionsvereinbarung angekündigte Überprüfung der Neubauvorhaben zum Potsdamer Platz, zum Hermannplatz und zum S-Bahnhof Blankenburg noch nicht begonnen hat. Ob er deshalb schlecht schlafe, wurde BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt gefragt. Nein, entgegnete er. „Wir glauben, dass diese Strecken wichtig und notwendig sind“, so der Manager.

Auf der Heerstraße im Westen Berlins sollen Busfahrgäste schneller ans Ziel

Rolf Erfurt brachte Manja Schreiner einen lang gehegten Wunsch nahe: Der stark frequentierte Busverkehr auf der Heerstraße in Spandau und Charlottenburg soll beschleunigt werden. Entweder wird ein Fahrstreifen zur Stoßzeit für Busse reserviert – morgens stadteinwärts, nachmittags stadtauswärts. Mit der Spurwechselanlage, die es seit Jahrzehnten auf der Heerstraße gibt, wäre das einfach möglich. Oder es werde auf den Nebenfahrbahnen Platz für die BVG geschaffen, sagt Erfurt. Er schlug ein Pilotprojekt vor, das sechs oder neun Monate dauert.

Die Buslinien auf der Heerstraße könnten auch zum ersten Einsatzgebiet der 24 Meter langen elektrischen Schubgelenkbusse werden, mit denen das Landesunternehmen BVG zusätzliche Kapazität schaffen will. „Zum Beispiel in Basel sind solche Doppelgelenkbusse bereits unterwegs“, sagte Rolf Erfurt. In Berlin könnten sie ab 2026 fahren.

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