Wissenschaft

„Zeigt großes Pech“: Forscher identifizieren Asteroiden, der die Dinosaurier auslöschte

Eine besonders seltene Meteoritenklasse wurde als Auslöser des Dinosaurier-Aussterbens identifiziert. Was das über bisherige Annahmen verrät.

4 Min
Der Asteroid, der die Dinosaurier auslöschte, war chemisch einem CO-Chondrit-Meteoriten ähnlich.

Der Asteroid, der die Dinosaurier auslöschte, war chemisch einem CO-Chondrit-Meteoriten ähnlich.

© Mark Stevenson/imago

Der Himmelskörper, der vor 66 Millionen Jahren zur Zeit der Dinosaurier rund drei Viertel aller Arten auf der Erde auslöschte, war einer neuen Studie zufolge ein besonders seltener Asteroid. Fachleute ordnen den sogenannten Chicxulub-Asteroiden der Meteoritengruppe der sogenannten CO-Chondrite zu.

Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam der University of British Columbia (UBC) sowie aus Paris, Brüssel und Wien in einer am Freitag im Fachjournal Science Advances veröffentlichten Untersuchung. Die Wissenschaftler analysierten dafür Nickel-Isotope in einer weltweit auftretenden dünnen Tonschicht, die sich nach dem Einschlag am Übergang von Kreide- zu Paläogen-Zeitalter gebildet hatte.

„Carbonhaltige Chondrite der Ornans-Klasse sind definitiv nicht wie die typischen Meteoriten in Museumssammlungen“, sagte der an der Studie beteiligte Gastprofessor Philippe Claeys von der UBC laut einer Mitteilung der Universität. CO-Chondrite enthielten deutlich weniger flüchtige Bestandteile wie Kohlenstoff, Zink, Wasser und insbesondere Schwefel als andere bislang bekannte Meteoritenklassen.

Feiner Staub statt Schwefel als Hauptursache

An der Grundannahme zur Ursache des Massenaussterbens ändere die Zuordnung nichts, erklärte Claeys. Es werde jedoch weniger wahrscheinlich, dass der im Einschlagkörper enthaltene Schwefel den entscheidenden Ausschlag gab.

Bisher galt ein Meteorit vom Typ CM-Chondrit als wahrscheinlichster Kandidat. Weil CM-Chondrite viel Schwefel enthalten, ging man davon aus, dass beim Einschlag freigesetztes Schwefeldioxid (SO₂) die Atmosphäre stark abkühlte und maßgeblich zum Massenaussterben beitrug. Vielmehr dürfte nach den neuen Erkenntnissen der feine, in die Atmosphäre geschleuderte Staub der wesentliche Faktor gewesen sein, so der Forscher.

Die Nickel-Isotopenmessungen des Teams um Georgy Makhatadze vom Institut de Physique du Globe in Paris grenzen die Herkunft nun auf CO-Chondrite oder eine verwandte, seltene Gruppe ein.

Kolumbianische Geologen entdeckten Proben des Chicxulub-Asteroiden, dessen Einschlag vor 66 Millionen Jahren ein weltweites Massenaussterben auslöste.

Kolumbianische Geologen entdeckten Proben des Chicxulub-Asteroiden, dessen Einschlag vor 66 Millionen Jahren ein weltweites Massenaussterben auslöste.

© imago

Seltener Einschlagkörper aus dem äußeren Sonnensystem

Nach Angaben der UBC machen carbonhaltige Chondrite lediglich rund fünf Prozent aller auf der Erde untersuchten Meteoriten aus. CO-Chondrite stellen davon nur einen kleinen Anteil und zählen zu den ursprünglichsten Materialien des Sonnensystems. Woher der Einschlagkörper genau stammte, ist laut Studie offen. Möglich seien die äußeren Bereiche des Asteroidengürtels nahe Jupiter oder noch fernere Regionen.

„Von einem so seltenen, weit entfernten Projektil getroffen zu werden, unterstreicht wirklich, wie viel Pech die Dinosaurier hatten“, sagte Claeys.

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Der Chicxulub-Asteroid und sein Einschlag

Der Asteroid traf vor rund 66  Millionen Jahren mit einem Durchmesser von schätzungsweise 10 bis 15 Kilometern die Erde. Er schlug mit einer Geschwindigkeit von etwa 64.000 Kilometern pro Stunde in einem flachen Meeresgebiet auf dem heutigen Gebiet der mexikanischen Halbinsel Yucatán ein und hinterließ einen Krater von rund 180 Kilometern Durchmesser.

Benannt ist der Einschlag nach dem nahegelegenen Ort Chicxulub; die Kraterstruktur liegt heute größtenteils unter Sedimenten und dem Meeresboden verborgen und wurde erst in den 1970er- und 1980er-Jahren durch geophysikalische Messungen entdeckt.

Die Folgen des Einschlags waren global. Durch die Wucht des Aufpralls wurden gewaltige Mengen an Gestein verdampft und feiner Staub sowie Ruß bis in die obere Atmosphäre geschleudert. In der Umgebung des Einschlags töteten Hitzewelle, Druckwelle und ein Megatsunami nahezu alles Leben. Weltweit blockierte der Staub monate- bis jahrelang das Sonnenlicht, die Temperaturen sanken drastisch, die Photosynthese kam vielerorts zum Erliegen.

In der Folge starben etwa 75 Prozent aller damaligen Arten aus, darunter sämtliche Nicht-Vogel-Dinosaurier, Flugsaurier und Ammoniten. Dieses Ereignis markiert die Grenze zwischen den Erdzeitaltern Kreide und Paläogen und gilt als eines der fünf großen Massenaussterben der Erdgeschichte.

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