Paläontologie

Zeitgenosse der Dinosaurier: „Großschwanz“ schwamm wie ein Otter und schluckte Stück für Stück

Das Tier paddelte mit den Vorderbeinen und steuerte mit den Hinterbeinen. Das 165 Millionen Jahre alte Fossil liefert einen frühen Beleg für aquatische Säugetiervorläufer.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Wie ein heutiger Biber besaß auch Megacauda sungei einen abgeflachten Schwanz.

Wie ein heutiger Biber besaß auch Megacauda sungei einen abgeflachten Schwanz.

© Mary Clay/imago

Ein in China entdeckter Säugetiervorläufer aus der Jurazeit besaß bereits einen Rachenaufbau, der dem heutiger Säugetiere ähnelt. Das berichtet ein internationales Forschungsteam im Fachjournal „Nature“.

Nach Angaben der beteiligten Universität von Chicago und der Universität Bonn stammt das rund 165 Millionen Jahre alte Fossil aus der Inneren Mongolei und wurde auf den Namen Megacauda sungei getauft, was so viel wie „Großschwanz“ bedeutet.

Das etwa einen halben Meter lange und ein bis zwei Kilogramm schwere Tier gehört zu den Docodonten, einer ausgestorbenen Gruppe früher Ursäuger. Nach Darstellung des Mitautors Zhe-Xi Luo von der University of Chicago zeigt der Fund die ältesten bislang bekannten knöchernen Strukturen des Rachens einschließlich sogenannter Zungenbeine.

Diese ermöglichen heutigen Säugetieren, zerkaute Nahrung Stück für Stück zu schlucken, statt sie wie etwa Krokodile im Ganzen hinunterzuwürgen. Auch das Säugen von Jungtieren wird durch solche Strukturen unterstützt.

Otterartige Kreatur lebte im Wasser

Der Paläontologe Thomas Martin von der Universität Bonn, einer der Autoren der Studie, bezeichnet den Fund als ältesten Nachweis einer aquatischen Lebensweise bei Säugetiervorläufern.

Dreidimensionale Rekonstruktionen aus Computertomografie-Aufnahmen deuten laut Universität Bonn darauf hin, dass das Tier mit den Vorderbeinen paddelte, mit dem abgeflachten Schwanz wellenförmige Bewegungen ausführte und die Hinterbeine zum Steuern einsetzte. Äußerlich erinnere es an einen Fischotter, Biber oder ein Schnabeltier.

Der Schädel wies kräftige Eckzähne und scherenartige Backenzähne auf, mit denen das Tier Fleisch zerteilen konnte. Die spezialisierten Eckzähne besaßen nach Angaben der Universität Bonn drei Wurzeln – eine anatomische Besonderheit. Megacauda sungei sei die größte bislang bekannte Säugetierform aus dem Jura, so Martin. Während die meisten Säugetiervorläufer dieser Zeit nur wenige Gramm wogen, habe der Jäger im Schatten der Dinosaurier eine außergewöhnliche Größe erreicht.

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Bedeutung für die Säugetierevolution

Laut der Studie handelt es sich beim Zungenbein-Apparat um eine entscheidende Entwicklung in der Säugetiergeschichte. Die Entwicklung des Schluckapparats habe zur Entstehung vielfältiger Ernährungsweisen beigetragen – von Fleisch- über Insekten- bis zu Pflanzenfressern.

Das Fossil wird nach Angaben der Universität von Chicago im Paläontologischen Museum von Liaoning in der nordostchinesischen Provinz Liaoning aufbewahrt.

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