Archäologie

Ziegelofen aus dem Mittelalter verzögert Straßenbau in Greifswald weiter

Die Straße An den Wurthen in Greifswald soll erst im dritten Quartal 2027 fertig werden. Im September rechnete die Stadt noch mit Frühjahr kommenden Jahres.

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Straßenbau in Greifswald: Archäologen legen an der Straße An den Wurthen einen mittelalterlichen Ziegelbrennofen frei.

Straßenbau in Greifswald: Archäologen legen an der Straße An den Wurthen einen mittelalterlichen Ziegelbrennofen frei.

© Pressestelle UHGW

In Greifswald verschiebt sich der Ausbau der Straße An den Wurthen deutlich: Statt wie ursprünglich geplant im Dezember 2026 soll die Straße voraussichtlich erst im dritten Quartal 2027 fertig werden, wie die Stadt Greifswald am Donnerstag mitteilte. Grund ist ein großer mittelalterlicher Ziegelbrennofen, der Mitte August bei den Bauarbeiten entdeckt wurde und nun vollständig freigelegt und dokumentiert wird.

Der Zeitplan hat sich damit innerhalb weniger Wochen erneut verändert. Im Bautagebuch zur Baustelle, das die Stadt im September in der 37. Kalenderwoche veröffentlichte, war noch von einer Fertigstellung voraussichtlich im Frühjahr 2027 die Rede. Dort heißt es auch, die Arbeiten ruhten, weil beim Ausheben eines Leitungsgrabens historisches Mauerwerk aus roten Backsteinen aus dem späten Mittelalter gefunden worden sei. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege bewerte den Fund demnach als Teil eines Bodendenkmals.

Mindestens sechs Brennböden nachgewiesen

Nach ersten Schätzungen stammt der Ofen vermutlich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert und könnte bis ins 18. Jahrhundert genutzt worden sein. Grabungsleiterin Janin Zorn vom Unternehmen AIM-V Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern erklärt, mehrere Ascheschichten und unterschiedlich stark beschädigte Ziegel belegten, dass der Ofen immer wieder erneuert worden sei. „Bislang konnten mindestens sechs Brennböden nachgewiesen werden. Möglicherweise wurden an dieser Stelle Backsteine für die Greifswalder Marienkirche und weitere Gebäude der Altstadt hergestellt.“ Die Größe der Anlage hebt sie besonders hervor: „Die Größe des Ofens ist besonders bemerkenswert. Solche Anlagen sind in unserer Region selten. Der Fund ist deshalb auch über Greifswald hinaus von Bedeutung.“

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Dass in der Nähe eine Ziegelei stand, war bereits bekannt: Unter dem heutigen Alten Friedhof lagen große Lehmgruben, aus denen das Material für die Ziegel gewonnen wurde. Der Ofen liefert nun erstmals den archäologischen Nachweis für den dazugehörigen Brennplatz. Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder: „Mit einem solchen Fund haben wir an dieser Stelle nicht gerechnet. Für die Greifswalder Stadtgeschichte ist das ein spannender Baustein. Er gibt uns neue Einblicke in die Ziegelproduktion vor den damaligen Toren der Stadt.“

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