Auf dem SPD-Sonderparteitag zum ersten rot-roten Koalitionsvertrag vor einer Woche war die Stimme schon etwas belegt. Ab und zu ein Hüsterchen. Auch bei seiner Vereidigung am Freitag war Matthias Platzeck der Stress der vergangenen Monate deutlich anzusehen. Anfang der Woche sagte der Ministerpräsident wegen einer fieberhaften Bronchitis bis auf Weiteres alle Termine ab - wieder einmal.In der SPD-Fraktion und der Potsdamer Staatskanzlei wunderte sich gestern kaum jemand. "Damit war ja fast zu rechnen", so ein Abgeordneter. Nach dem allein auf den SPD-Chef zugeschnittenen Wahlkampf, Nerven zehrenden Koalitionsverhandlungen, zahlreichen auch emotionsgeladenen Überzeugungsauftritten an der eigenen Parteibasis wirkte der 55-Jährige erschöpft. "Ich bin offenbar ein Typ, der die Dinge, die er macht, nur mit ganzer Kraft machen kann", diesen Satz hat Platzeck schon 2006 gesagt. Zuvor war er nach nur 143 Tagen im Frühjahr vom SPD-Bundesvorsitz zurückgetreten. Nach mehreren Hörstürzen, einem Kreislauf- und Nervenzusammenbruch.In diesem Herbst kam für den von höchsten Sympathiewerten verwöhnten Politiker eine ganz neue Erfahrung hinzu: Noch nie wurde Platzeck auch persönlich so hart angegriffen - wegen seines Wechsels zu Rot-Rot.Die zweite Kabinettssitzung der neuen Regierung musste gestern erstmals Vize-Regierungschef Helmuth Markov von der Linken leiten. Der Finanzminister sprang auch für den Abendtermin ein, der eigentlich auf die Person des Ministerpräsidenten zugeschnitten war: Das Bürgerfest zur Öffnung der Glienicker Brücke vor 20 Jahren.An diesen 10. November 1989 erinnert sich Platzeck noch gut. Denn zu den ersten Potsdamern, die sich damals Richtung Kudamm aufgemacht hatten, gehörte auch er. "Aber wir kamen nur bis Wannsee", erinnerte er sich vergangene Woche. "Es herrschte fast südländische Volksfeststimmung. Alle Türen waren offen." Die eigentlich Platzeck zugedachte Eröffnungsrede hielt gestern Abend allerdings nicht Markov, sondern SPD-Landtagspräsident Gunter Fritsch. (ab.)
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