Fußball

Zwischen Fehl- und Traumstart: So gehen die Ostklubs in die Länderspielpause

Die Profiligen in Deutschland verabschieden sich an diesem Wochenende in die Länderspielpause. Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

7 Min
Emmanuel Iyoha ist mit dem 1. FC Magdeburg in der 2. Bundesliga gut aus den Startlöchern gekommen.

Emmanuel Iyoha ist mit dem 1. FC Magdeburg in der 2. Bundesliga gut aus den Startlöchern gekommen.

© Christian Schroedter/imago

An diesem Wochenende verabschieden sich die drei Profiligen in Deutschland in eine XXL-Länderspielpause. Drei Wochen ruht der Ball, während der neue Nationaltrainer Jürgen Klopp mit der DFB-Elf in der Nations League an den Start geht. Weil auch alle anderen Nationen erstmals nach der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada die Kräfte messen, heißt es für die Vereine: durchatmen – und Dinge verbessern, die bislang nicht gut liefen. 

Der 1. FC Union Berlin in der Bundesliga, die Zweitligisten Magdeburg, Dresden und Cottbus sowie Drittligist Hansa Rostock haben mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, konnten in der Frühphase der laufenden Spielzeit aber auch schon das ein oder andere Ausrufezeichen setzen. Die OAZ gibt einen Überblick über das, was schon war, und das, was noch kommt.

1. FC Union Berlin

Rund um die Alte Försterei war in diesem Sommer Aufbruchstimmung zu spüren. Mauro Lustrinelli, sensationell Schweizer Meister mit Aufsteiger FC Thun, übernahm das Traineramt und sollte mit der Mannschaft endlich attraktiveren Fußball spielen als in den Vorjahren. Gerade die 15 Monate unter Steffen Baumgart hatten manchem Union-Fan die Illusion geraubt, die Köpenicker nochmal richtig brillieren zu sehen. Zu viel Kampf, aber vor allem zu viel Krampf hatten doch einige Nerven gekostet und die Verantwortlichen um Präsident Dirk Zingler und Manager Horst Heldt zum Handeln gezwungen. Perspektivisch wollte man vor allem die Chancen erhöhen, gegen Kontrahenten auf Augenhöhe regelmäßig zu punkten.

Unter Lustrinelli hat die Mannschaft bislang aber große Schwierigkeiten. Das spektakuläre 3:3 zum Saisonauftakt gegen Eintracht Frankfurt inklusive aufgeholtem Zwei-Tore-Rückstand überdeckte noch manche Schwäche. Die wurden aber spätestens eine Woche später bei der 0:4-Pleite in Leverkusen gnadenlos offengelegt. Union muss sich in der anstehenden Länderspielpause dringend etwas einfallen lassen, um nicht schon früh im Tabellenkeller festzusitzen. Beim nächsten Heimspiel gegen Aufsteiger SV Elversberg (10. Oktober, 15.30 Uhr) zählen für die Eisernen nur drei Punkte. Sonst wird es bald auch für Lustrinelli eng.

Das Lächeln lässt sich Mauro Lustrinelli trotz misslungenem Saisonstart noch nicht nehmen.

Das Lächeln lässt sich Mauro Lustrinelli trotz misslungenem Saisonstart noch nicht nehmen.

© Matthias Koch/imago

1. FC Magdeburg

Es ist schwer, schlechter in eine Saison zu starten als der 1. FC Magdeburg. Gleich am ersten Spieltag gingen die Blau-Weißen im eigenen Stadion mit 1:6 unter. Und das nicht etwa gegen ein Schwergewicht des deutschen Fußballs, sondern gegen Eintracht Braunschweig – einen Klub, der die Vorsaison in der 2. Bundesliga auf Platz 15 beendete. „Ich möchte mich für den heutigen Auftritt bei allen, die im Stadion waren, entschuldigen. So sollte sich der FCM nicht präsentieren“, hatte Trainer Petrik Sander nach dem Spiel gesagt.

Die bessere Entschuldigung sprachen seine Spieler in den folgenden Wochen auf dem Platz aus. Statt sich von dem katastrophalen Start verunsichern zu lassen, gewann der FCM die nächsten zwei Ligaspiele und souverän im DFB-Pokal. Auch eine Niederlage in Berlin gegen Hertha BSC warf den Klub aus Sachsen-Anhalt nicht aus der Bahn, denn auch darauf reagierte Magdeburg mit einem klaren Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Trotz der sechs Gegentore im ersten Spiel wies der FCM bereits nach fünf Spieltagen wieder eine positive Tordifferenz auf. Die anfangs so wacklige Defensive hat sich nach dem Braunschweig-Debakel nur noch zwei Tore eingefangen und blieb in drei Spielen ohne Gegentreffer. Vorne glänzt einmal mehr Baris Atik, der in fünf Spielen bereits vier Tore vorbereitet hat, aber auch Neuzugang Emmanuel Iyoha sowie Routinier Alexander Nollenberger, die beide schon bei drei Saisontoren stehen. Das größte sportliche Highlight der jüngeren Vereinsgeschichte wartet im Oktober mit dem Auswärtsspiel im DFB-Pokal beim FC Bayern.

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Dynamo Dresden

Nach der starken zweiten Saisonhälfte, die Dynamo Dresden Platz vier in der Rückrundentabelle bescherte, war die Erwartung an die Sachsen groß. Schließlich konnte die Stammelf der ersten Jahreshälfte in weiten Teilen zusammengehalten werden. In vielen Prognosen galt das Team von Trainer Thomas Stamm gar als Geheimfavorit auf den Aufstieg.

Diese vielleicht doch etwas zu hohe Einschätzung der Dresdner konnte die Mannschaft in den ersten Spielen der neuen Saison nicht bestätigen. Nach fünf Spielen mit nur einem Sieg steht Dynamo auf dem vorletzten Tabellenplatz.

Ein Grund für die Krise? Zu viele individuelle Fehler im Spielaufbau führten in den ersten Partien der Saison zu Gegentoren. Das System wollte Thomas Stamm trotzdem nicht anpassen. Eher haderte der Coach nach dem vierten Spieltag: „Wir spielen es momentan einfach nicht sauber.“

Das gleiche Problem gibt es auch in der Offensive. Ein Torjäger hat sich noch nicht herauskristallisiert, lediglich Rechtsverteidiger Jonas Sterner traf bislang mehr als einmal. „Bis zum gegnerischen Strafraum haben wir Lösungen. Aber dann fehlt uns oft die Präzision, der letzte Punch“, kritisierte Kapitän Niklas Hauptmann, nachdem Dresden bei Eintracht Braunschweig am fünften Spieltag immerhin wieder einen Punkt gewonnen hatte.

Gefahr nach vorne will Dynamo vermehrt durch Standardsituationen kreieren. „Das ist ein Thema, das wir sehr oft trainieren“, erklärte Hauptmann. Beim 2:2 in Braunschweig wurden die Übungen von Erfolg gekrönt: Beide Dresdner Tore resultierten aus Eckbällen.

Jonas Sterner traf beim bislang einzigen Dresdner Sieg gegen Darmstadt entscheidend für Dynamo.

Jonas Sterner traf beim bislang einzigen Dresdner Sieg gegen Darmstadt entscheidend für Dynamo.

© Markus Fischer/imago

Energie Cottbus

Der Kader vom FC Energie Cottbus war, wenn es nach Trainer Claus-Dieter Wollitz ging, nicht zweitligatauglich. Trotz zwölf Neuzugängen, darunter bekannte Namen wie Leonardo Bittencourt und Marcel Lotka, hatte ihm im Vorfeld der Spielzeit die Qualität in der Breite des Kaders gefehlt, weshalb er bis zum Ende der Transferperiode immer wieder Verstärkungen forderte.

Bekommen hat er nicht das, was er gerne gehabt hätte. Die sportliche Situation der Lausitzer sieht vor der Länderspielpause trotzdem erheblich besser aus, als es viele Experten noch vor ein paar Wochen vermutet hätten.

Gerade die großen Klubs konnte Cottbus ärgern. Gegen Hannover 96, den Vierten der Vorsaison, durfte Energie gleich zum Auftakt jubeln und gewann, auch weil die Gäste viele Chancen ungenutzt ließen, mit 3:1. Dem Topfavoriten auf den Aufstieg in dieser Saison, dem VfL Wolfsburg, trotzte der Aufsteiger ein 4:4 ab. Und im Pokal gegen den Bundesligisten FC Augsburg war Energie über weite Strecken die bessere Mannschaft, auch wenn Augsburg sich am Ende knapp durchsetzte.

Das schlechteste Saisonspiel war zweifellos das 0:3 bei Arminia Bielefeld. Demgegenüber stand aber in der Vorwoche ein überraschender 3:0-Sieg gegen den Karlsruher SC, nach dem sich Cottbus auf den siebten Platz der Tabelle hievte. Mehr hätten sich wohl auch die kühnsten Optimisten nicht träumen lassen.

Besonders hervor sticht der FCE durch seine Joker, die bereits fünf Tore erzielten. Kein anderer Zweitligist erzielte so viele Tore wie Cottbus durch Einwechselspieler. Für Wollitz keine Überraschung: „Ich sage seit Jahren, dass unsere Einwechselspieler wichtig sind, aber Sie (die Journalisten; Anm. d. Red.) hören ja nicht zu.“ Ein klassischer Seitenhieb des Trainers.

FC Hansa Rostock

Wohin führt der Weg des größten Klubs aus Mecklenburg-Vorpommern? Die ersten Spieltage haben darüber jedenfalls noch keinen Aufschluss gegeben. Ein starker 4:2-Auswärtssieg beim 1. FC Saarbrücken war genauso dabei wie eine 0:4-Klatsche bei Viktoria Köln. Letztere sorgte wohl dafür, dass Trainer Daniel Brinkmann schon nach fünf Spielen seinen Hut nehmen musste. Obwohl – und das ist die positive Nachricht – der Start nicht ganz so misslungen war wie in den Vorjahren. Da kam die Kogge jeweils noch schwerer aus dem Hafen, schlingerte über mehrere Monate, ehe Kurs auf die Aufstiegsplätze genommen werden konnte.

Zweimal war es in der Endabrechnung aber nur der fünfte Rang. Klar ist, dass die Verantwortlichen in dieser Saison mehr wollen. Dafür muss unter einem neuen Coach aber die Defensivleistung besser werden. Nicht nur bei der Niederlage in der Domstadt offenbarte Hansa im Abwehrverhalten massive Defizite.

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