Es ist eine eher unkonventionelle Marketingaktion, die am Donnerstag mitten in Mitte stattfinden soll. Insgesamt eintausend kostenlose Döner möchte das Fahrdienstvermittlungsunternehmen Bolt den Gästen von Kebap with Attitude spendieren. First come, first serve natürlich.
Das teilte das Unternehmen in einer Mitteilung mit – und versucht so, gezielt den Wahlkampf von SPD und Linke zu torpedieren. Denn so kurios die Aktion zunächst auch erscheinen mag, sie hat einen ernsten Hintergrund: Sowohl Sozialdemokraten als auch die Linke wollen in Berlin Mindestpreise für Fahrten mit Anbietern wie Uber oder Bolt einführen und könnten ihnen so ihr Geschäftsmodell erschweren.
Der Streit um Mindestpreise für Bolt und Uber
„Wir schützen das Taxigewerbe vor unlauterem Wettbewerb und führen ein Mindestbeförderungsentgelt für appvermittelte Mietwagen ein“, heißt es etwa im Wahlprogramm der SPD. Etwas allgemeiner formuliert es die Linke: Sie möchte „Mindestpreise für Mietwagen einführen“ und zugleich Vermittlungsplattformen wie Uber stärker regulieren.
Wie hoch der Mindestpreis für eine Fahrt ausfallen soll, ist noch offen und wird in beiden Wahlprogrammen nicht konkretisiert. Jedoch sind sich die beiden roten Parteien einig: Es müsse verhindert werden, dass Fahrdienstleister wie Bolt oder Uber das regulierte Taxigewerbe mit besonders niedrigen Preisen unterbieten. Die SPD spricht von einem „Unterbietungswettbewerb“, die Linke von „Sozialdumping“.
Berliner Taxiverbände beklagen seit Jahren die aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerbsbedingungen durch die niedrigen Preise der Konkurrenz. Bolt widerspricht und argumentiert, Mindestpreise würden weniger die Unternehmen teuer zu stehen kommen als zulasten der Fahrer und ihrer Kundschaft gehen.
Dabei beruft sich das estnische Mobilitätsunternehmen auf Zahlen aus anderen deutschen Großstädten. In Köln und München etwa gelten bereits solche Mindestpreise. Laut Bolt hat das bislang zu einer sinkenden Nachfrage nach Fahrten geführt – wodurch die Fahrer weniger verdienen. In der Rheinmetropole soll der durchschnittliche Stundenverdienst der Fahrer durch die Mindestpreise sogar um 42 Prozent zurückgegangen sein.
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In der Mitteilung des Unternehmens erklärt Christoph Hahn, General Manager von Bolt Deutschland, dass die Mindestpreise nicht nur für die eigenen Fahrer, sondern auch für ihre Fahrgäste negative Folgen haben könnten: „Berlin wird jeden Tag teurer. Umso wichtiger ist es, dass die Politik nicht zusätzlich dafür sorgt, dass Menschen für dieselbe Mobilitätsleistung mehr bezahlen müssen.“
Stattdessen setzt sich Bolt für gedeckelte Parkgebühren für Carsharing-Fahrzeuge, angemessene Gebühren für Mikromobilitätsangebote und einen Verzicht auf Mindestpreise für digital vermittelte Mietwagen ein. Um darauf aufmerksam zu machen, lädt das Unternehmen nun also zum Döner ein – am Donnerstag (17. September) ab 12 Uhr bei Kebap with Attitude am Gipsdreieck in Mitte.
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