Liebe Leser, mein Name ist Dirk Jehmlich, ich bin Geschäftsführer des Ostdeutschen Verlags, in dem die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung erscheint. Wenn Mitarbeiter unseres Hauses angegriffen, verleumdet oder diffamiert werden, ist es meine Aufgabe, einzuschreiten. Genau das tue ich hier. „Kontaktschuld – Görlitzer Waldorfschule: Warum eine gestandene Lehrerin gehen musste.“ So lautete die Überschrift eines Beitrags, der am 20. März 2026 in der OAZ erschien. Recherchiert und geschrieben von unserem Redakteur Alexander Capistran. Auf der Internetseite Volksverpetzer erschien zu diesem Artikel am 9. April 2026 eine Analyse, verfasst von Matthias Meisner und Oliver Rautenberg.
Diese Analyse ist aus meiner Sicht eine bösartige Verleumdung unseres Mitarbeiters, aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie Medien unter dem Deckmantel „Schutz der Demokratie“ mittlerweile täglich und wahllos Teile der Gesellschaft diskreditieren, deren Lebensstil oder Einstellung nicht in das Weltbild mancher Journalisten passt. Deshalb möchte ich diese Analyse einmal transparent reflektieren. Die Analyse auf Volksverpetzer beginnt mit dem Urteil „OAZ RELATIVIERT RECHTE ÖKO-SEKTE“ bzw. „Jetzt auch noch rechte Esoteriker: Ostdeutsche Allgemeine relativiert Kritik an Öko-Sekte.“ So startet die Analyse bereits etwas unentschieden. Geht es nun um die Relativierung von Kritik oder die Relativierung einer Öko-Sekte? Schauen wir mal, ob sich diese Unterschiede in den noch folgenden 41 Absätzen auflösen werden. Matthias Meisner ist seit Jahrzehnten Journalist, Oliver Rautenberg wurde für den Grimme Online Award nominiert. Sie beherrschen ihr Handwerk und kennen die beschriebenen Kontexte gut.
„Propagandablatt für rechte Esoteriker“
Volksverpetzer versteht sich selbst als faktenorientierte Plattform gegen Desinformation und demokratiefeindliche Tendenzen. Das klingt nach einer passenden Plattform, etwas über die Manipulation durch Medien zu lernen. Die Analyse beginnt. Und zwar mit dem dritten Urteil: „Mit demokratiefeindlichen Milieus kennt sich Holger Friedrichs Neugründung Ostdeutsche Allgemeine aus“, schreiben die Autoren. Ich verstehe die Intention der Aussage nicht. Diese gilt gleichermaßen für Matthias Meisner wie für den Verfassungsschutz – aber mal schauen: Rhetorische Mittel in einer Analyse haben sicher ihren Zweck. Entschuldigung, es geht doch noch nicht los: Urteil vier muss noch gesetzt werden: „Nun wird sie auch zum Propagandablatt für rechte Esoteriker.“ Aber nun wirklich …
Die ersten beiden Absätze ordnen unseren Redakteur Alexander Capistran ein. Er sei stolz auf seinen neuen Job bei Holger Friedrichs „ostidentitärem Blatt“. Meisner als Rechtsextremismus-Experte erweckt hier eine Assoziation zur „Identitären Bewegung“, die kein gutes Licht auf unseren Redakteur wirft. Wenn eine Analyse bereits im ersten Satz eine so urteilsleitende Behauptung aufstellt, zudem ohne Quelle – von denen es ansonsten viele gibt im Artikel –, dann bin ich skeptisch. Aber das sollte ich nicht sein. Herr Meisner schreibt Bücher zu diesem Thema und ist gern gesehener Gast bei der Friedrich-Ebert- und der Heinrich-Böll-Stiftung. Ich lese weiter.
Volksverpetzer schreibt, Capistran sei „mehr als zehn Jahre“ bei einem anthroposophischen Verlag tätig gewesen. In seinem Lebenslauf steht: seit 2020. Wenn eine Analyse mit vier Urteilen beginnt und der erste überprüfbare Fakt nicht stimmt, dann beginne ich daran zu zweifeln, ob Volksverpetzer seinen Claim „Keine Demokratie ohne Fakten“ ernst meint. Nun wird hervorgehoben, dass Capistran aus dem Westen in die Sächsische Schweiz umgesiedelt ist. Die Relevanz wird sich hoffentlich noch zeigen. Capistran kommt übrigens aus Potsdam und lebt schon seit Jahren in der Sächsischen Schweiz. Ich hoffe, die Analyse beginnt nun endlich!
Urteil, ohne den Sachverhalt zu beschreiben
Ich bleibe geduldig. Endlich geht es los mit der Zwischenüberschrift: „Ein Hort der Anastasia-Bewegung.“ Die folgenden beiden Absätze beginnen mit der Inhaltsangabe des Artikels. Leider schweifen die Autoren nach zwei Sätzen ab, ohne zu Ende zu beschreiben, worum es im Artikel geht, und springen direkt zum Urteil: „Die Entscheidung der Schule ist nachvollziehbar: Der Vorstand der Bildungsstätte hat rechtzeitig die Reißleine gezogen.“ Viele Dinge im Leben sind nachvollziehbar, aber deshalb nicht automatisch richtig. Die beiden Autoren kommen in ihrer Analyse zu einem Urteil, ohne den Sachverhalt zu beschreiben oder die Dimension des Urteils explizit zu machen. Ich lese mir den Artikel in der OAZ erst einmal selbst durch. Er schildert den Fall einer Waldorflehrerin in Görlitz, die nach medialem und politischem Druck ihren Job verlor, weil sie mit einer umstrittenen Veranstaltung und angeblichen Verbindungen zur „Anastasia“-Bewegung in Zusammenhang gebracht wurde – obwohl dafür keine klaren Belege vorliegen.
Im Kern geht es um die Frage, ob hier „Kontaktschuld“ und Image-Schutz zu einer vorschnellen Kündigung geführt haben und wie stark öffentliche Wahrnehmung, frühere Positionen (z. B. zu Corona) und institutionelle Angst Entscheidungen beeinflussen. Zugleich wird aus der Perspektive der Betroffenen erzählt, wie schnell solche Prozesse eskalieren können – und welche weitreichenden Folgen das für ihr berufliches und privates Leben hat. Aber zurück zur Analyse: Der Artikel des Volksverpetzers nimmt eine neue Richtung. Die Analyse über die Relativierung der OAZ einer rechten Öko-Sekte oder die Relativierung der Kritik an einer Öko-Sekte wird unterbrochen, um zunächst davon zu berichten, dass in der OAZ ein Porträt über AfD-Chef Tino Chrupalla und ein Interview mit Götz Kubitschek erschienen sind. Daraus schließen die Autoren, dass „die Offenheit für die extrem rechte Szene zum publizistischen Konzept“ gemacht wurde. Ob „extrem rechte“ bewusst gewählt wurde, um „rechtsextrem“ zu suggerieren, weiß ich nicht.
Warnung vor Extremismusgefahr
Auch die Auslassung der anderen 2998 Artikel – teils auch mit sehr gegenteiligen Positionen – bleibt unbeleuchtet. Ich glaube, dass ein journalistisches Medium, das über die Gegenwart berichtet, von Offenheit lebt – nach links, rechts, oben und unten. Das scheinen die beiden Autoren anders zu sehen. Nun findet die Analyse zurück zu Capistran. Er führe die Leser in eine weitere Sparte der verschwörungsideologischen und extrem rechten Szene. Die Gefahren würde er weitgehend unterschlagen. Das macht mich stutzig, denn ich hatte den Artikel gerade gelesen und nicht den Eindruck, dass die Gefahren der Anastasia-Bewegung unerwähnt blieben. Gleich im zweiten Absatz berichtet Capistran, dass die Bewegung ein rechtsextremer Verdachtsfall ist. Im Folgesatz verlinkt er den Blog, der die Angelegenheit ins Rollen gebracht hat.
Der Artikel warnt konkret vor der Extremismusgefahr, die von der Bewegung ausgeht, und verweist auf eine Kleine Anfrage einer Landtagsabgeordneten. Im weiteren Verlauf geht Capistran darauf ein, dass Veranstaltungsort und Schlosseigentümer immer wieder mit der Bewegung in Verbindung gebracht werden, und verlinkt dazu einen Artikel des Wochenmagazins Die Zeit. Später verweist er erneut auf die Einstufung durch den Verfassungsschutz und benennt die problematischen Seiten der Bewegung. In den folgenden zwei Absätzen stellen die Autoren fest, dass es sich bei dem Artikel um eine bemerkenswerte Parteinahme Capistrans handelt. Denn er schreibt aus der Sicht der betroffenen Lehrerin und lässt sie die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen – was durchaus Sinn ergibt, wenn man einen Artikel über die Folgen von vorauseilender Kontaktschuld schreibt.
Auch wenn es keine Belege dafür gibt, dass die Lehrerin Verbindungen zur Anastasia-Bewegung pflegt oder extremistisches Gedankengut propagiert, kommen die beiden Autoren zu dem Urteil, dass es eine bemerkenswerte Parteinahme sei, wenn er die Betroffene fordern lässt, dass „eine Erklärung, dass Fehler gemacht wurden, ein Anfang wäre“. So langsam bekomme ich den Eindruck, dass die beiden Autoren nicht verstanden haben, worum es im Artikel von Capistran geht. Es geht um die Gefahren und Folgen von Kontaktschuld. Es geht nicht darum, einen Artikel über die Anastasia-Bewegung oder Schloss Ober Neundorf zu schreiben.
Gegen staatliche Corona-Maßnahmen
Und ich glaube, dass es den beiden Autoren zudem schwerfällt, auszuhalten, dass Capistran nicht Deutungshoheit beansprucht, sondern Perspektivvielfalt nach vorn stellt. Nachdem die Autoren über die Schule, die Lehrerin und Capistran geurteilt haben, kommen sie zum Befund, dass die OAZ bestreiten würde, dass die „rechte Öko-Sekte“ rechts sei. Wie ich bereits erwähnt habe, hat Capistran sehr eindeutig und mehrfach auf die rechtsextremistischen Gefahren der Bewegung sowie auf die Verbindungen der Schlosseigentümer hingewiesen.
Die beiden Autoren setzen ihre Analyse fort, denn für sie war das offenbar nicht ausführlich genug. Es folgen elf Absätze, in denen nochmals aus verschiedenen Perspektiven erklärt wird, warum die Anastasia-Bewegung gefährlich ist und der Schlossherr einem rechten Milieu zuzuordnen sei. Dabei nutzen die Autoren teils dieselben Quellen, die Capistran bereits angeführt hat. Die nächsten vier Absätze widmen sich der Biografie der Lehrerin Runa Elisa L. sowie der betreffenden Waldorfschule. Die Lehrerin wird als „Querdenkerin“ eingeordnet und es wird darauf verwiesen, dass sie 2020 an Montagsspaziergängen gegen staatliche Corona-Maßnahmen teilgenommen habe. Man erfährt außerdem, dass Teile des Kollegiums und der Elternschaft im Querdenkerumfeld aufgefallen seien und dass Sachsen, insbesondere Görlitz, zwischenzeitlich hohe Inzidenzwerte gehabt habe. Was das mit Kontaktschuld, rechten Sekten oder der Relativierung von Kritik konkret zu tun hat, bleibt offen.
Stattdessen werden die Leser nun mit auf einen weiteren Exkurs genommen: 2022 habe die Geschäftsführerin der Waldorfschule die Institution verlassen, sie habe neun Kinder und sei bei den Grünen. Die Relevanz bleibt auch hier unbeantwortet. Es folgen weitere Absätze, die im Kern bereits Gesagtes wiederholen, ohne Mehrwert für die vermeintliche Analyse. Diese wechselt erneut den Fokus und baut nun eine Brücke von Anastasia über Schloss Ober Neundorf und Querdenker hin zur Anthroposophie – und schließlich zu unserem Redakteur Alexander Capistran. Sein Lebenslauf zeige eine „auffällige Verdichtung von Bezügen zu esoterischen und anthroposophischen Milieus“. Es folgt ein Exkurs über seine Kindheit – mit dem Urteil: Capistran wuchs in einem alternativen Milieu auf. Ich verstehe nicht, warum das Privatleben eines unserer Mitarbeiter in eine solche Analyse gehört. Reicht das aus, um von kompetenten Journalisten in ein umstrittenes Milieu eingeordnet zu werden?
Gentechnik-Verbot, Bio-Landwirtschaft, Kriegswaffen-Verbot
Ich bekomme den Eindruck, dass Volksverpetzer hier ungewollt vorführt, wie Zuschreibungen und Assoziationen funktionieren – wie man eine demokratische Gemeinschaft spaltet. Ich lese weiter …
Im Kern geht es darum, dass Capistran eine Nähe zur Anthroposophie hat. Ihm wird implizit vorgeworfen, sich in jungen Jahren für Themen wie bedingungsloses Grundeinkommen, Gentechnik-Verbot, Bio-Landwirtschaft, Kriegswaffen-Verbot oder Dialog zwischen Kriegsparteien engagiert zu haben – Punkte, die ich persönlich eher als gesellschaftlich legitim und wünschenswert empfinde. Die beiden Autoren nutzen zudem das studentische Engagement von Capistran im offiziellen Jugendnetzwerk des „Right Livelihood Awards“, um Capistran als Ideologen zwischen Anthroposophie und Esoterik zu verorten. Das ist so absurd, als wenn man sagen würde, dass die Porsche AG ein esoterisches Ideologieunternehmen sei, weil Ferdinand Porsche an einer Waldorfschule war.
In diesen Absätzen lerne ich mehr über die Haltung der Autoren als über Capistran. Die beiden Autoren berichten weiter, dass Capistran „im esoterischen Magazin OYA“ als Student Texte veröffentlicht hat, in denen er sich unter anderem auf den Anthroposophie-Gründer Rudolf Steiner bezieht. Ich kenne OYA nur als Ökologie-Magazin. Es folgt ein weiterer Exkurs zu Rudolf Steiner, in dem auf rassistische und antisemitische Elemente in Teilen seines Werkes verwiesen wird. Zugleich wird die Anthroposophie als größte esoterische Strömung Europas beschrieben – „mit deutlichem Sektendrift“. In diesem Zusammenhang werden auch Demeter-Landwirtschaft, Waldorfpädagogik und anthroposophische Medizin genannt und als mögliche Keimzellen für Querdenkertum, Wissenschaftsleugnung und Staatsfeindlichkeit dargestellt.
Die Autoren finden den Weg zurück und postulieren: „Alexander Capistrans Leidenschaft für Rudolf Steiner, den ,Ersten Querdenker’, wird ihm eine Karriere in der sektiererischen Anthroposophie-Bewegung bescheren.“ Die unterstellte Leidenschaft konnte ich als Leser bisher nicht erkennen. Nun bin ich gespannt, mehr über seine „sektiererische Karriere“ zu erfahren. Die Autoren berichten, dass Capistran Philosophie studiert habe, unter anderem an der Universität Witten/Herdecke, die als Ort zahlreicher Esoterik-Skandale dargestellt wird. Das war mir neu. Ich hatte diese Universität als Eliteschmiede statt als anthroposophische Universität abgespeichert. Eine Hochschule, an der Dr. Eckart von Hirschhausen, der Medizinethiker Giovanni Maio oder Jens Spahn Vorträge halten. Prof. Dr. Petra Thürmann, die Vizepräsidentin der Universität, ist zum Beispiel seit März 2024 Mitglied des Expertenrats „Gesundheit und Resilienz“ des Bundeskanzleramts, dem Nachfolgegremium des Corona-Expertenrats.
Weniger analysiert als vielmehr diffamiert
Die Autoren setzen ihren Bericht über Capistrans Werdegang fort. Er habe an der Organisation des „Kongress Soziale Zukunft“ mitgewirkt, einer Veranstaltung, die als Teil der „Rudolf-Steiner-Sekte“ beschrieben wird. Von einer solchen „Sekte“ habe ich seitens des Verfassungsschutzes bislang nichts gehört. Correctiv und taz kennen hingegen den „Kongress Soziale Zukunft“ – sie waren Medienpartner und die Böll-Stiftung NRW Mitausrichter. Es entsteht der Eindruck, dass hier weniger analysiert als vielmehr diffamiert werden soll. Dass Capistran Organisationsentwickler ist und auch an der FU Berlin sowie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung studiert hat und mit einem Bachelor und Master of Arts in Philosophie abgeschlossen hat, bleibt unerwähnt, ebenso wie seine laufende philosophische Dissertation an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. Die beiden Autoren fassen es mit „selbsternannter Philosoph, Faktenleugner und Steiner-Verehrer“ zusammen.
Liebe Leser, die Analyse der Herren Meisner und Rautenberg nähert sich dem Ende – auch wenn bislang eher Urteile formuliert als eine Analyse vorgenommen wurde. Die letzten vier Absätze stehen unter der Überschrift „Mindset eines Sektenfunktionärs“. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich klingt das wie der Vorwurf, unser Mitarbeiter Alexander Capistran sei Funktionär einer Sekte. Ist das Verleumdung? Die Analyse schließt mit der aus der Luft gegriffenen Erkenntnis, Capistran nutze seine Rolle bei der OAZ, um die lebensrettende Impfung zur Todesspritze zu erklären und das Leugnen von Fakten als „Selberdenken“ darzustellen. Ende der Analyse. Ohne Analyse, aber mit vielen Urteilen und einer aggressiven, durchgängigen Diffamierung eines Kollegen.
Was mache ich nun als Geschäftsführer? Unseren Anwalt anrufen? Wissen Sie, die Pressefreiheit lässt auch harte Diskreditierungen zu und duldet auch Verzerrungen, die Leser manipulieren. Okay, Alexander Capistran als Sekten-Funktionär zu bezeichnen, dürfte dem Tatbestand der Verleumdung entsprechen und muss geahndet werden. Aber unsere Gerichte haben schon genug zu tun. Mitarbeiter einer Zeitung persönlich zu attackieren, ist nicht nur eine Frage des Rechts. Wer die Pressefreiheit für sich in Anspruch nimmt, muss sich auch ihrer Verantwortung bewusst sein. Und mit dieser wird hier grob fahrlässig umgegangen. Was wir als Verlag erwarten: Volksverpetzer muss alle Falschaussagen im Artikel korrigieren.
Subtile Hetze gegen Anthroposophen
Denn was der Artikel tut, ist nicht nur eine Verleumdung unseres Mitarbeiters, sondern auch subtile Hetze gegen Anthroposophen, die gleichberechtigter Teil unserer demokratischen Gesellschaft sind. Volksverpetzer will gegen Hetzer antreten, fordert Fakten und beschäftigt Analysten. Und dann erscheint so ein Beitrag. Das ist doch kein Unfall oder Inkompetenz. Es wirkt wie Vorsatz, womit diese Plattform für mich jegliche Legitimität verloren hat. „Durch mutiges Auftreten und das Beschreiten neuer Wege, gepaart mit hoher Seriosität und Glaubwürdigkeit, hat der Volksverpetzer sich zu einer wichtigen Institution und Informationsquelle, insbesondere für junge Menschen, entwickelt.“
So hieß es bei der Preisverleihung des Marion-Samuel-Preises an Volksverpetzer. Und jetzt stellen Sie sich vor, dass Leser glauben, was da steht. Nur dass wir uns richtig verstehen: Wenn man verstehen möchte, welche Kernbotschaft Volksverpetzer und die Autoren Matthias Meisner und Oliver Rautenberg mit ihrer Analyse transportieren wollen, lohnt sich ein Blick in die hinterlegten Meta-Daten der Website: Dort wird die Aussage in verdichteter Form formuliert – einmal kurz („Die Ostdeutsche Allgemeine verteidigt jetzt auch noch eine rechte Öko-Sekte und öffnet sich gefährlicher Esoterik.“) und einmal erweitert („… mit Schnittstellen zu Antisemitismus und Verschwörungsglauben“) – und so ausgespielt, dass sie von Social Media, Google und KI-Systemen weitergetragen werden kann. Dieses Fazit konnte ich der Analyse gar nicht entnehmen. Aber Volksverpetzer propagiert das an alle digitalen Multiplikatoren.
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Gleichzeitig zeigt sich im Artikel selbst eine auffällige Breite der Problematisierung: Nicht nur einzelne Aspekte werden kritisiert, sondern alle Akteure werden wiederholt in einen gemeinsamen, stark negativ konnotierten Deutungsrahmen gestellt. Diese Wirkung wird durch eine suchmaschinenoptimierte Struktur verstärkt: zahlreiche Wiederholungen zentraler Zuschreibungen, eine dichte interne und externe Verlinkung sowie eine Textanlage, die weniger auf Lesefluss als auf algorithmische Anschlussfähigkeit ausgerichtet ist. Das Perfide daran ist, dass selbst eine nachträgliche Richtigstellung im Text kaum noch Einfluss darauf hat, was die Algorithmen von Volksverpetzer über unseren Mitarbeiter, unseren Verlag und all die anderen lernen, die hier herabgewürdigt werden.
Volksverpetzer als Verbreiter von Falschinformationen
So wird Volksverpetzer selbst zum Verbreiter von Falschinformationen, um eine systematische Delegitimierung zu praktizieren, und das unter dem Vorwand von Demokratie und Faktentreue. Volksverpetzer – schämt euch! Die beiden Autoren werden sich auf die Pressefreiheit berufen. Eine Schande für all die Journalisten, die jeden Tag gegen das Vorurteil der Lügenpresse anschreiben. Aber wissen Sie, hier geht es nicht um Juristerei, hier geht es um Anstand. Das Mindeste wäre eine aufrichtige Entschuldigung bei Alexander Capistran. Oliver Rautenberg oder seine Familie hat selbst vor vielen Jahren auf Anthroposophie vertraut und wurde enttäuscht. Deshalb schreibt er darüber und klärt auf. Aber einen jungen Redakteur einer Zeitung deshalb zum Sekten-Funktionär zu erklären? Haben Sie gar keinen Anstand?
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Matthias Meisner hat seinen Anstand irgendwann verloren. Nachdem ich nun viele seiner Beiträge gelesen habe, scheint er selbst zum Feind der Demokratie zu werden. Er spaltet vorsätzlich unsere Gesellschaft, denn bei ihm verläuft die Brandmauer zwischen ihm und allem, was rechts davon ist, statt Demokratie so zu verstehen, dass das gesamte Spektrum von links bis rechts ein wichtiger Bestandteil einer intakten Demokratie ist. Er ist ein Meister der Worte, der Menschen subtil von „offen“ über „rechtsoffen“ zu „rechts“ und „extrem rechts“ verschiebt, um sie in der Öffentlichkeit „rechtsextrem“ wirken zu lassen.
Es gibt nur eine Brandmauer
Man muss kein Historiker sein, um zu wissen, dass Demokratien immer scheitern, wenn sie außer Balance geraten. Es ist doch offensichtlich, dass es nur eine Brandmauer gibt, und zwar die zwischen Demokraten und Extremisten, egal ob Links-, Rechts-, Öko- oder religiöser Extremismus. Von Herrn Meisner ist eine ehrlich gemeinte Entschuldigung nicht zu erwarten. Er nennt fehlenden Anstand Renitenz. Aber wenn ich mir die Institutionen anschaue – Dietz Verlag, Herder Verlag, Heinrich-Böll-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bundeszentrale für politische Bildung, Zentrum Liberale Moderne, ver.di, campact oder die taz – die mit ihm arbeiten oder ihn unterstützen, dann wünsche ich mir von denen einen ehrlichen Blick in den Spiegel, um zu erkennen, dass das, was vielleicht in guter Absicht startete, gerade ins Gegenteil kippt. Wie stehen diese Institutionen dazu?
Demokratie lebt davon, dass man Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenbringt, statt Andersdenkende auszugrenzen. Aber vielleicht geht es hier gar nicht um Demokratie. Was würden Sie empfinden, würde man Sie so behandeln? In diesem Sinne: Bleiben Sie fair.
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