Die Konflikte im Nahen Osten schlagen sich zunehmend in den Bilanzen sächsischer Unternehmen nieder. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) hervor, an der sich im Frühjahr 2026 rund 1.500 Betriebe beteiligt haben. Steigende Kosten, brüchige Lieferketten und eine zurückhaltende Kundschaft belasten die Firmen quer durch alle Branchen.
84 Prozent der befragten Unternehmen spüren bereits höhere Energie- und Transportkosten oder rechnen damit. Knapp 40 Prozent verzeichnen rückläufige Aufträge oder eine sinkende Nachfrage, rund 29 Prozent berichten von Unterbrechungen oder Umwegen in ihren Lieferketten. Etwa 36 Prozent stufen die Geschäftsrisiken bei einem andauernden Konflikt als hoch oder sehr hoch ein, weitere gut 26 Prozent rechnen mit moderaten, aber noch handhabbaren Risiken.
Nahostkonflikt belastet Brandenburgs Wirtschaft – IHKs verlangen rasches Handeln
Besonders deutlich treffen die Auswirkungen die Industrie, das Verkehrsgewerbe sowie die Gastronomie und den Tourismus. Neben dem Zwang zu strategischen Anpassungen halten einige Betriebe sogar eine Existenzgefährdung für denkbar. Nur etwa zehn Prozent der befragten Unternehmen sehen derzeit keine spürbaren Folgen für ihr Geschäft, ein Viertel kann die Auswirkungen noch nicht einschätzen.
IHKs fordern grundlegende Reformen
Die offenen Antworten zeichnen ein einheitliches Bild: Preissteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Vorleistungen, wachsende Planungsunsicherheit und eine spürbare Kaufzurückhaltung der Kunden setzen den Firmen zu. Viele Unternehmen berichten von verschobenen Investitionen, abgebrochenen Projekten und Verunsicherung auf Seiten von Verbrauchern und Auftraggebern.
Ost-IHK-Chef redet Klartext: Der Staat behandelt Betriebe wie Verdächtige
Die sächsischen IHKs sehen kurzfristige Entlastungen – etwa an der Tankstelle – zwar als mögliche Soforthilfe, halten sie für die strukturellen Probleme der Wirtschaft jedoch für unzureichend. Gefordert werden grundlegende Reformen der Sozialversicherungssysteme, um die Lohnnebenkosten dauerhaft zu senken, mehr Arbeitsanreize im Steuer- und Sozialsystem, eine breite und dauerhafte Senkung der Stromsteuer sowie eine umfassende Modernisierung des Staates, die Verfahren beschleunigt und Investitionen erleichtert.
Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Sächsischen Industrie- und Handelskammern, brachte den Handlungsbedarf auf eine knappe Formel:
„Die Zapfsäule ist kein Wirtschaftsprogramm. Wenn wir Betriebe in Sachsen entlasten wollen, brauchen wir Strukturreformen bei Sozialabgaben, Steuern und Energiepreisen – und keine Symbolpolitik.“
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