Nahost

Bitcoin statt Banken: Iran baut neues System für Schiffe in der Straße von Hormus

Teheran will mit dem Projekt „Hormuz Safe“ eine bitcoinbasierte Versicherung für Schiffe in der Straße von Hormus einführen. Das System soll Milliarden bringen und westliche Sanktionen umgehen.

4 Min
Schiffe in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Süden Irans.

Schiffe in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas im Süden Irans.

© kyodo/dpa

Der Iran arbeitet laut mehreren Berichten an einem bitcoinbasierten Versicherungssystem für Schiffe in der Straße von Hormus. Das Projekt mit dem Namen „Hormuz Safe“ soll Reedereien und Frachtunternehmen Absicherungen für Fahrten durch die Meerenge anbieten. Darüber berichteten die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars sowie Bloomberg unter Berufung auf Dokumente aus dem iranischen Wirtschaftsministerium.

Demnach sollen Versicherungsprämien in Bitcoin und anderen Kryptowährungen bezahlt werden. Nach Angaben von Fars würden die Policen „kryptografisch verifizierbar“ sein. Zahlungen sollten damit außerhalb klassischer Bankensysteme abgewickelt werden. Eine unabhängig überprüfbare technische Dokumentation oder eine öffentlich erreichbare Plattform gibt es bislang allerdings nicht.

Bloomberg berichtete, die iranische Regierung verspreche sich Einnahmen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar durch das Projekt. Wie genau diese Summe berechnet wurde, blieb offen. Die Website hormuzsafe.ir zeigte zuletzt lediglich eine „Coming Soon“-Seite oder war außerhalb des Iran nicht erreichbar. In sozialen Netzwerken kursierten allerdings Screenshots der Plattform.

Straße von Hormus als geopolitischer Hebel

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Rund ein Fünftel des globalen Ölhandels läuft über die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

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Seit den Angriffen Israels und der USA auf den Iran Ende Februar hat sich die Lage dort massiv verschärft. Der Iran kontrolliert den Zugang inzwischen deutlich stärker. Laut Bloomberg sollen iranische Stellen und die Revolutionsgarden bereits Gebühren und Sonderzahlungen von Schiffen verlangt haben, die die Route passieren wollten. Teilweise sei von Summen bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Tanker die Rede.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg schrieb zudem, mehr als 1500 Handelsschiffe hätten Anfang Mai im Persischen Golf festgesessen. Ölproduzenten in der Region mussten ihre Förderung demnach teils reduzieren, weil Lagerkapazitäten knapp wurden.

Iran will westliche Finanzsysteme umgehen

Mehrere Medien sehen in „Hormuz Safe“ einen weiteren Versuch des Iran, internationale Sanktionen zu umgehen und Handel außerhalb westlicher Finanzsysteme abzuwickeln. Yahoo Finance schrieb, das Projekt solle Transaktionen ohne das internationale Bankenkommunikationssystem Swift ermöglichen. Demnach könnten Versicherungen, Gebühren und Schiffsabfertigungen direkt über Blockchain-Netzwerke abgewickelt werden. Der Iran setzt seit Jahren verstärkt auf Kryptowährungen, um trotz US-Sanktionen internationalen Handel zu ermöglichen.

Die Plattform werde von iranischen Staatsmedien laut Bitcoin News ausdrücklich als „souveränes Instrument“ dargestellt, mit dem Teheran seine Kontrolle über einen der wichtigsten Engpässe des weltweiten Öltransports ausbauen wolle.

Zweifel an Umsetzbarkeit wachsen

Unklar ist allerdings, ob ein Versicherungsmodell auf Basis von Bitcoin überhaupt praktikabel wäre. Anders als sogenannte Stablecoins wie Tether schwankt der Bitcoin-Kurs stark. Gerade im internationalen Versicherungsgeschäft gilt das als erhebliches Risiko. Hinzu kommt die Sanktionsproblematik. Westliche Compliance-Experten warnen laut Bitcoin News seit langem davor, dass Zahlungen an iranische Einrichtungen gegen US-Sanktionen des Office of Foreign Assets Control (OFAC) verstoßen könnten.

Viele internationale Reedereien dürften deshalb befürchten, sich mit einer Nutzung des Systems angreifbar zu machen. Yahoo Finance berichtete zudem unter Berufung auf Sicherheitsfirmen, dass bereits Betrüger versuchen sollen, mit gefälschten Zahlungsaufforderungen in Bitcoin oder Tether Geld von Reedereien zu erlangen.

Verbindungen zu iranischen Machtzirkeln

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Nähe des Projekts zu Babak Sandschani. Der iranische Unternehmer, der früher wegen milliardenschwerer Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit iranischen Ölgeschäften verurteilt worden war, hatte das Projekt früh in sozialen Netzwerken beworben. Seine Todesstrafe war im vergangenen Jahr aufgehoben worden.

Der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Azizi, kündigte zudem ein neues System zur Kontrolle des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus an. Der Iran habe einen „professionellen Mechanismus“ vorbereitet, um den Verkehr entlang einer festgelegten Route zu steuern, schrieb Azizi auf der Plattform X. „Nur Handelsschiffe und Parteien, die mit dem Iran kooperieren, werden davon profitieren.“ Für die Nutzung sollten Gebühren erhoben werden. Die Route bleibe für Betreiber des sogenannten „Freiheitsprojekts“ geschlossen, erklärte Azizi weiter.

Viele zentrale Angaben zu „Hormuz Safe“ lassen sich derzeit allerdings nicht unabhängig überprüfen. Weder internationale Versicherer noch große Reedereien haben bislang öffentlich bestätigt, das System nutzen zu wollen.

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