Nahost

Checkpoints auf Inseln und Sonderdeals: Iran baut Macht über Straße von Hormus aus

Der Iran baut seine Kontrolle über die Straße von Hormus offenbar massiv aus. Einem Medienbericht zufolge müssen Schiffe inzwischen Sonderrouten, Kontrollen und teils Gebühren akzeptieren.

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Ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden begleitet das Frachtschiff „Epaminondas“ in der Straße von Hormus.

Ein Schnellboot der iranischen Revolutionsgarden begleitet das Frachtschiff „Epaminondas“ in der Straße von Hormus.

© Meysam Mirzadeh/Tasnim/AP

Der Iran kontrolliert die strategisch wichtige Straße von Hormus nach Informationen von Reuters inzwischen faktisch mit einem mehrstufigen System aus Militärkontrollen, diplomatischen Sonderabkommen und teilweise hohen Gebühren. Das geht aus einer umfangreichen Recherche der Nachrichtenagentur hervor, für die nach eigenen Angaben 20 Personen aus Schifffahrt, Regierungen und Sicherheitskreisen befragt wurden.

Demnach entscheidet Teheran inzwischen weitgehend darüber, welche Schiffe die Meerenge passieren dürfen. Die Route zählt zu den wichtigsten Engpässen des globalen Energiemarkts. Vor dem Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran lief rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports durch die Wasserstraße.

Iranische Revolutionsgarden kontrollieren Durchfahrten

Im Zentrum des Systems stehen laut Reuters die iranischen Revolutionsgarden. Reedereien oder Regierungen müssen demnach detaillierte Informationen zu Schiffen, Ladung und Besatzung übermitteln, bevor eine Passage genehmigt wird.

Überprüft würden unter anderem:

  • Eigentümerstruktur der Schiffe
  • Nationalitäten der Besatzungen
  • Herkunft und Ziel der Ladung
  • mögliche Verbindungen zu den USA oder Israel
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Reuters beruft sich dabei auf interne iranische Dokumente sowie mehrere europäische und iranische Quellen. Schiffe erhalten demnach genaue Fahrtrouten entlang der iranischen Küste und müssen teilweise ihre Ortungssysteme abschalten. Mehrere Kapitäne seien angewiesen worden, nur vorgegebene Korridore zu nutzen und auf iranische Marineeinheiten zu hören.

Einige Staaten erhalten Sonderbehandlung

Laut Reuters bevorzugt Teheran Schiffe aus Staaten mit guten Beziehungen zum Iran, darunter China und Russland. Auch Indien und Pakistan würden bevorzugt behandelt.

Für andere Länder seien teils direkte Regierungsabkommen notwendig. Reuters beschreibt etwa den Fall des Tankers „Agios Fanourios I“, der mit irakischem Rohöl nach Vietnam unterwegs war. Demnach soll der irakische Ministerpräsident Mohammed Schia al-Sudani persönlich an einer Vereinbarung mit dem Iran beteiligt gewesen sein, damit das Schiff die Meerenge passieren konnte.

Der Tanker wurde laut Reuters trotz vorheriger Genehmigung später nahe der Insel Hormus von Schnellbooten der Revolutionsgarden gestoppt und kontrolliert. Aus einer normalerweise etwa fünfstündigen Passage sei dadurch eine zweitägige Fahrt geworden.

Reedereien zahlen offenbar hohe Summen

Besonders brisant sind Reuters zufolge Hinweise auf mögliche Zahlungen für sichere Durchfahrten. Zwei europäische Schifffahrtsquellen erklärten demnach, manche Schiffe zahlten dem Iran mehr als 150.000 US-Dollar für eine Passage durch die Meerenge. Iranische Funktionäre sprachen laut Reuters von „Sicherheits- und Navigationsgebühren“. Unklar blieb jedoch, welche Stellen das Geld erhalten und wie verbreitet das System inzwischen ist.

Bloomberg und die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars hatten bereits zuvor über ein iranisches Projekt namens „Hormuz Safe“ berichtet. Das System soll Gebühren, Versicherungen und Schiffsabfertigungen teilweise über Kryptowährungen wie Bitcoin abwickeln und damit westliche Sanktionen sowie klassische Bankensysteme umgehen.

Die USA warnen seit Wochen ausdrücklich davor, Zahlungen an iranische Stellen zu leisten. Das US-Finanzministerium erklärte laut Reuters Anfang Mai, Unternehmen könnten wegen möglicher Verstöße gegen Iran-Sanktionen selbst Ziel amerikanischer Strafmaßnahmen werden. Experten warnen zudem, dass Zahlungen an Einrichtungen der Revolutionsgarden internationale Versicherungen ungültig machen könnten.

Schiffsverkehr drastisch eingebrochen

Die Straße von Hormus ist seit Beginn des Kriegs zwischen Israel, den USA und dem Iran Ende Februar massiv beeinträchtigt. Reuters zufolge saßen Anfang Mai zeitweise rund 1500 Schiffe mit etwa 22.500 Seeleuten im Persischen Golf fest. Zwischen dem 18. April und dem 6. Mai hätten laut Daten der US-Firma SynMax Intelligence weniger als 60 Schiffe die Meerenge passiert. Vor dem Krieg waren es normalerweise 120 bis 140 Schiffe pro Tag.

Erst in den vergangenen Tagen hatten sich Hinweise auf eine vorsichtige Wiederaufnahme größerer Öltransporte verdichtet. Reuters berichtete am Mittwoch, mehrere voll beladene Supertanker hätten gleichzeitig die Straße von Hormus verlassen. Beobachter sehen darin erste Anzeichen einer begrenzten Stabilisierung – allerdings weiterhin unter iranischer Kontrolle.

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