Korea

Samsung: Milliarden-Bonusdeal stoppt größten Streik der Firmengeschichte

Samsung wendet den größten Arbeitskampf seiner Geschichte in letzter Minute ab. Der Preis: Rekordboni für 48.000 Chip-Mitarbeiter, finanziert aus den KI-Gewinnen.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
4 Min
Yeo Myeong-gu (l), Abteilungsleiter und Choi Seung-ho, Gewerkschaftsvorsitzender bei Samsung nach der Einigung in Suwon.

Yeo Myeong-gu (l), Abteilungsleiter und Choi Seung-ho, Gewerkschaftsvorsitzender bei Samsung nach der Einigung in Suwon.

© Yonhab/dpa

Weniger als eine Stunde vor Beginn eines geplanten 18-tägigen Streiks haben sich Samsung Electronics und die Gewerkschaft des südkoreanischen Technologiekonzerns am Mittwochabend auf ein Lohnpaket geeinigt, wie die koreanische Zeitung The Korea Herald berichtet. Damit wurde laut CNN der größte Arbeitskampf in der Unternehmensgeschichte abgewendet, der mehr als 48.000 Beschäftigte – knapp 40 Prozent der koreanischen Belegschaft – betroffen hätte.

Kern der vorläufigen Vereinbarung, die laut der Korea Herald noch von den Gewerkschaftsmitgliedern bestätigt werden muss, ist ein Sonderbonus für die Halbleitersparte Device Solutions. Samsung wird künftig 10,5 Prozent eines gemeinsam definierten Geschäftsergebnisses als Bonus ausschütten. Die bisherige Deckelung auf 50 Prozent des Jahresgehalts entfällt, wie CNN berichtet. Ausgezahlt wird die Prämie über zehn Jahre vollständig in Unternehmensaktien, gebunden an Gewinnziele: 200 Billionen Won jährlich zwischen 2026 und 2028, danach 100 Billionen Won bis 2035.

Laut Unternehmensangaben sollen die Boni 2026 im Schnitt rund 509 Millionen Won (umgerechnet etwa 291.000 Euro) pro Person betragen, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Beschäftigte im Speicherchipgeschäft mit einem Jahresgehalt von rund 100 Millionen Won könnten laut Berechnungen der Korea Herald bis zu 600 Millionen Won vor Steuern erhalten. Selbst Mitarbeitende in den verlustreichen Foundry- und System-LSI-Sparten sollen mindestens 160 Millionen Won bekommen.

Vergleich mit SK Hynix befeuerte den Konflikt

Die Gewerkschaft hatte laut CNN ursprünglich gefordert, 15 Prozent des operativen Gewinns für Boni bereitzustellen. Auslöser des Konflikts war der Vergleich mit dem Konkurrenten SK Hynix, der dem Bericht zufolge im September 2025 seine Bonusobergrenze abgeschafft und einen Anteil von 10 Prozent des operativen Gewinns für Mitarbeiterprämien festgelegt hatte. Bei SK Hynix erreichen einzelne Boni 2025 bis zu 3000 Prozent des Grundgehalts.

Samsung erklärte in einer Stellungnahme, die Einigung sei „später gekommen als erwartet“. Man wolle künftig „eine reifere und konstruktivere Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern aufbauen“.

Der südkoreanische Premierminister Kim Min-seok hatte am Sonntag laut CNN vor „tiefen Narben für die nationale Wirtschaft“ gewarnt. Samsung steht für mehr als zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes und ist neben SK Hynix und Micron einer der drei dominierenden Hersteller von Speicherchips, die für KI-Hardware von Nvidia und AMD unverzichtbar sind. Das Forschungsunternehmen SemiAnalysis erwartet, dass sich die Preise für Speicherchips bis Jahresende gegenüber 2025 mehr als verdoppeln, so CNN.

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Sorge vor Kettenreaktion bei Lohnverhandlungen

Analysten warnen laut Korea Herald, das Modell könnte zum Maßstab für weitere Branchen werden. Die Gewerkschaften von Hyundai Motor und Kia fordern Boni in Höhe von 30 Prozent des Nettogewinns, jene bei HD Hyundai Heavy Industries mindestens 30 Prozent des operativen Gewinns. Auch Beschäftigte bei Hanwha Ocean, LG Uplus, Kakao und Samsung Biologics verlangen gewinnabhängige Vergütungen, wie die Korea Herald berichtet.

Die Korea Enterprises Federation kritisierte laut Korea Herald, die Einigung spiegele „die besondere Situation von Samsung Electronics“ wider und dürfe nicht als allgemeines Vorbild dienen. Kim Dae-jong, Wirtschaftsprofessor an der Sejong University, warnte vor einer Verschärfung der Lohnungleichheit: Kleine und mittlere Unternehmen könnten finanziell nicht mithalten, was zu Personalabwanderung und einer Vertiefung der Spaltung des Arbeitsmarkts führe. Zudem bestehe das Risiko, dass kurzfristige Gewinnorientierung langfristige Forschungsinvestitionen in Halbleitern und Batterien zurückdränge.

Jo Geun-jun von der Arbeitsforschungsgruppe Anyoneunion wird bei CNN mit den Worten zitiert, der KI-Boom habe „eine extreme Form der Hyperpolarisierung“ geschaffen: Während Stammbelegschaften großer Konzerne von Rekordboni profitierten, wachse die Zahl prekär Beschäftigter ohne Schutz weiter. Ray Wang von SemiAnalysis sagte, ein Streik bei einem der großen Speicherchiphersteller hätte den Engpass weiter verschärft und Preissteigerungen beschleunigt, wie CNN berichtet.

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