Die anhaltenden Störungen in der Straße von Hormus verändern den globalen Ölmarkt immer stärker. Indien, einer der größten Energieimporteure der Welt, kauft inzwischen verstärkt Rohöl aus Afrika und Lateinamerika – weil Lieferungen aus dem Nahen Osten ausfallen oder unsicher geworden sind.
Wie Reuters unter Berufung auf Handels- und Schiffsdaten berichtet, erhöhten indische Raffinerien zuletzt ihre Importe aus Venezuela, Brasilien, Angola und Nigeria. Hintergrund sind die Folgen des US-amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran und die wochenlangen Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus.
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Vor Beginn des Kriegs bezog Indien den Großteil seines Rohöls aus dem Nahen Osten. Besonders die Lieferungen aus dem Irak brachen zuletzt jedoch zeitweise vollständig weg. Im April und Mai reagierten indische Raffinerien deshalb mit einer massiven Umstellung ihrer Einkaufsstrategie. Nach vorläufigen Daten des Analyseunternehmens Kpler blieb Russland zwar wichtigster Lieferant. Gleichzeitig stiegen die Importe aus Venezuela und Brasilien deutlich an. Venezuela könnte laut Kpler im Mai sogar zum viertgrößten Öllieferanten Indiens aufsteigen.
Auch afrikanische Produzenten wie Angola und Nigeria gewinnen an Bedeutung. Reuters berichtet, dass indische Raffinerien verstärkt nach alternativen Lieferwegen suchen, um Risiken rund um die Meerenge zu umgehen.
Straße von Hormus verändert globale Ölströme
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Energie-Handelsrouten der Welt. Vor dem Krieg liefen dort rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen durch. Seit Beginn des Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran kommt es immer wieder zu Blockaden, Angriffen und massiven Störungen des Schiffsverkehrs.
Besonders verwundbar ist Indien, weil das Land stark von Energieimporten abhängig ist. Bereits Anfang März hatten Analysten Reuters gesagt, Indien sei deutlich anfälliger für längere Ausfälle im Nahen Osten als etwa China, das größere strategische Ölreserven besitzt.
Nach Angaben von Reuters importierte Indien im April täglich rund 4,57 Millionen Barrel Rohöl. Das lag zwar etwa auf dem Niveau des Vormonats, jedoch deutlich unter dem Vorjahreswert.
Russland bleibt wichtig – Iran liefert wieder Öl
Trotz der neuen Lieferanten bleibt Russland Indiens größter Öllieferant. Die russischen Exporte nach Indien waren im März zwar zeitweise um fast 30 Prozent gesunken, sollen laut Kpler im Mai aber wieder deutlich steigen.
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Zugleich erhielt Indien zuletzt erstmals seit sieben Jahren wieder iranisches Öl. Möglich wurde dies durch eine vorübergehende Ausnahmegenehmigung aus Washington, mit der die globalen Ölpreise stabilisiert werden sollten.
Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien konnten ihre Lieferungen ebenfalls teilweise stabil halten, weil beide Länder Pipelines nutzen, die die Straße von Hormus umgehen. Andere Golfstaaten wie Irak, Katar oder Bahrain sind dagegen weiter stark auf die Meerenge angewiesen.
USA und Iran erzielen offenbar Fortschritte
Während wieder mehr Tanker die Straße von Hormus passieren, verhandeln Washington und Teheran weiter über eine mögliche Öffnung der Meerenge. Beide Seiten dämpfen inzwischen jedoch die Erwartungen an einen schnellen Durchbruch. US-Außenminister Marco Rubio sagte am Montag in Neu-Delhi laut Reuters, Washington werde der Diplomatie „jede Chance“ geben, bevor andere Optionen geprüft würden. Zugleich warnte er, die USA würden entweder eine „gute Vereinbarung“ mit dem Iran erreichen oder „auf andere Weise“ handeln.
Rubio sprach dennoch von einem „ziemlich soliden“ Vorschlag. Dieser sehe vor, die Straße von Hormus wieder zu öffnen und anschließend in „echte, bedeutende, zeitlich begrenzte“ Verhandlungen über das iranische Atomprogramm einzutreten. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, die US-Blockade gegen iranische Schiffe bleibe bestehen, bis ein Abkommen vollständig ausgehandelt und unterzeichnet sei.
Auch Teheran bestätigte Gespräche, trat aber ebenfalls auf die Bremse. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, sagte laut Reuters, man verhandle derzeit über ein Ende des Kriegs, nicht aber über Atomfragen. Zwar habe man bei vielen Punkten Fortschritte erzielt. Von einem unmittelbar bevorstehenden Abkommen könne jedoch keine Rede sein.
Hoffnung auf Iran-Deal drückt Ölpreise
Nach Angaben hochrangiger US-Regierungsvertreter könnte der Iran grundsätzlich bereit sein, die Straße von Hormus wieder zu öffnen und seinen Bestand an hochangereichertem Uran aufzugeben. Im Gegenzug würden die USA ihre Seeblockade lockern. Zu den schwierigsten Streitpunkten gehören weiterhin Sanktionen, eingefrorene iranische Öleinnahmen sowie der Umgang mit Teherans Uranprogramm.
Die Hoffnung auf eine Entspannung ließ die Ölpreise zum Wochenstart deutlich sinken. Die Nordseesorte Brent fiel zeitweise um rund fünf Prozent auf den niedrigsten Stand seit zwei Wochen. Anleger setzen darauf, dass sich die globale Energieversorgung stabilisieren könnte, falls die Straße von Hormus wieder regelmäßiger passierbar wird.
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