Unerwartetes Treffen auf Kuba: Erstmals seit Jahren hat ein Kommandeur des US Southern Command Gespräche mit hochrangigen Vertretern der kubanischen Streitkräfte geführt. Nach Angaben des US-Militärs sprach General Francis Donovan, Kommandeur des für Lateinamerika zuständigen Southern Command, am Freitag mit einer Delegation der kubanischen Streitkräfte.
Nach Angaben beider Seiten ging es um Sicherheitsfragen rund um den US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay. Die kubanische Delegation wurde von General Roberto Legra Sotolongo angeführt, dem ersten Stellvertreter des Generalstabschefs der Streitkräfte.
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Kuba und USA: Erstes Treffen dieser Art seit Jahren
Nach Angaben des Southern Command führte Donovan zudem eine umfassende Sicherheitsüberprüfung des US-Stützpunkts durch. Dabei habe er mit Verantwortlichen über Objektschutz, Einsatzbereitschaft und die Sicherheit von Soldaten und deren Familien gesprochen. Das Kommando bezeichnete Guantánamo Bay als wichtigen militärischen und logistischen Knotenpunkt für US-Operationen in der Region.
Reuters zufolge handelt es sich um das erste bekannte Treffen eines Southern-Command-Chefs mit hochrangigen kubanischen Militärvertretern seit vielen Jahren. Die kubanischen Streitkräfte bestätigten die Gespräche. Beide Seiten hätten Fragen der Sicherheit entlang der Trennlinie des Stützpunkts erörtert und vereinbart, den Kontakt zwischen den Militärführungen fortzusetzen.
Bereits Anfang Mai hatte CIA-Direktor John Ratcliffe überraschend Havanna besucht. Das neue Treffen deutet darauf hin, dass trotz der politischen Spannungen weiterhin direkte Kommunikationskanäle zwischen beiden Staaten bestehen.
Kuba zwischen Sanktionen und Russland-Kurs
Das Treffen erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Trump-Regierung den Druck auf Kuba deutlich erhöht hat. Seit Januar blockieren die USA Treibstofflieferungen für Kuba. Das führte zu anhaltenden Stromausfällen und verschärfte die ohnehin schwere Wirtschaftskrise. Die letzte Öllieferung war laut Reuters Ende März an Bord eines russischen Tankers in einem kubanischen Hafen eingetroffen. Das Schiff „Anatoly Kolodkin“ brachte 100.000 Tonnen Öl zur Insel. Ein weiterer Tanker wurde von Moskau angekündigt, ist bisher aber nicht eingetroffen.
Zugleich hat sich Kuba zuletzt wieder stärker Russland angenähert. Erst in dieser Woche vereinbarte Havanna einen neuen Kooperationsplan mit der von Moskau geführten Eurasischen Wirtschaftsunion.
Sorge vor militärischer Eskalation
Für Unruhe in Havanna sorgten zuletzt auch Äußerungen führender Vertreter der US-Regierung. Außenminister Marco Rubio warnte wiederholt vor den Sicherheitsrisiken eines „gescheiterten Staates“ nur 145 Kilometer vor der Küste Floridas. Erst vor wenigen Wochen hatte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel die USA vor einem möglichen militärischen Eingreifen gewarnt. Ein Angriff würde ein „Blutbad mit unkalkulierbaren Folgen“ auslösen, erklärte Díaz-Canel damals. Die kubanische Regierung weist zugleich Vorwürfe zurück, sie bereite Angriffe auf US-Ziele vor.
Die Beziehungen wurden zuletzt zusätzlich belastet, nachdem die US-Justiz Anklage gegen den früheren kubanischen Staatschef Raúl Castro erhoben hatte. Dem 94-Jährigen werden vier Fälle von Mord im Zusammenhang mit dem Abschuss zweier Flugzeuge der Exilorganisation „Brothers to the Rescue“ im Februar 1996 vorgeworfen. Havanna weist die Vorwürfe zurück und sieht den Schritt als weitere Eskalation Washingtons.
Vor diesem Hintergrund werten Beobachter das Treffen in Guantánamo als bemerkenswertes Signal. Während der politische Ton zwischen Washington und Havanna zuletzt deutlich schärfer geworden ist, halten die Streitkräfte beider Länder offenbar weiterhin direkte Kontakte aufrecht.
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