Was im Sport im Allgemeinen und im Fußball im Speziellen möglich ist, wenn eine Region, ein Verein und seine Anhänger zusammenhalten, hat der FC Energie Cottbus in der abgelaufenen Saison in der 3. Liga eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mindestens 6000 Fans hatten ihre Mannschaft zum letzten Saisonspiel nach Regensburg begleitet, in Cottbus selbst saß gefühlt jeder vor dem Fernseher oder beim Public Viewing und fieberte mit. Am Ende waren es nicht nur die Spieler von Trainer Claus-Dieter Wollitz, die nach zwölf Jahren Abstinenz als Tabellenzweiter die Rückkehr in die 2. Bundesliga feierten, sondern gefühlt die gesamte Lausitz.
Energie Cottbus wird von den Fans getragen
Der Trainer weiß, wie wichtig die Anhänger auf diesem Weg gewesen sind. „Die Unterstützung unserer Fans ist außergewöhnlich und absolut zweitligareif. Sie spüren, dass hier ehrliche Arbeit geleistet wird, und tragen die Mannschaft auch durch schwierige Phasen. Ohne diese Wand im Stadion wäre dieser Weg überhaupt nicht möglich gewesen“, sagte er in einer Medienrunde mit Blick auf die eigenen Fans.
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Dieses Gemeinschaftsgefühl ist ein wichtiger Faktor und vielleicht das Erfolgsrezept für den gelungenen Zweitligaaufstieg gewesen. Und offensichtlich auch eine Vorlage für Hansa Rostock. Nur knapp hatte die Kogge den Sprung auf den Relegationsplatz und damit die Chance auf den Zweitliga-Aufstieg verpasst. Nach der Saison, die man als Fünfter abgeschlossen hat, ist aber auch an der Ostseeküste Zuversicht zu spüren – auch wenn man abermals in der 3. Liga antreten wird und dort der einzige Ostklub sein wird. Unter dem Titel „Angreifen. Klarer Kurs. Klare Mission“ hat sich der Verein nun mit einer wichtigen Botschaft an seine treuen Fans gewendet.
Die neue Saison sei eine mit „neuen Chancen, neuen Herausforderungen und der Möglichkeit, gemeinsam mehr zu erreichen“, ist auf der Homepage des Drittligisten zu lesen. Weiter heißt es: „Wir wissen, woher wir kommen. Die vergangenen Monate haben uns gefordert. Sie haben uns gezeigt, dass Erfolg nicht selbstverständlich ist und dass Rückschläge zum Fußball dazugehören. Vor allem aber haben sie gezeigt, was unseren Verein trägt: Zusammenhalt, Leidenschaft und die Bereitschaft, immer wieder aufzustehen.“
Claus-Dieter Wollitz feierte mit Energie Cottbus die Rückkehr in die 2. Bundesliga.
© Fotostand/Weiland/Imago
Was bei Energie Cottbus so hervorragend funktioniert hat und auch ein Markenzeichen der Rostocker ist, soll nun noch stärker in den Fokus gerückt werden. Der Verein weiß um die Kraft seiner Anhänger und möchte diese nutzen, um nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga in der Saison 2022/23 die 3. Liga wieder nach oben zu verlassen. Dort würde es nach jetzigem Stand zu packenden Ost-Duellen mit Dynamo Dresden, dem 1. FC Magdeburg, Energie Cottbus sowie Vergleichen mit Hertha BSC kommen – kürzere Anreisen als in der kommenden Drittligasaison und dazu eine höhere sportliche Brisanz.
Das Verpassen dieser Chance in der abgelaufenen Saison ist abgehakt. „Jetzt richtet sich unser Blick nach vorn. Mit einer klaren Richtung. Mit neuem Antrieb. Mit dem festen Glauben an unsere gemeinsame Stärke“, schreibt der Verein. „Wir gehen mit Überzeugung, Energie und dem festen Willen in die neue Spielzeit, unsere Ziele entschlossen anzugehen. Wir vertrauen auf die Qualität unserer Mannschaft, auf die Menschen in unserem Verein und auf die Kraft, die entsteht, wenn Mannschaft, Fans und Umfeld zusammenstehen.“
Und weiter: „Unser Weg ist klar. Nicht, weil Erfolg versprochen werden kann. Sondern weil wir wissen, was notwendig ist, um ihn gemeinsam zu erarbeiten: harte Arbeit, Mut, Leidenschaft und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht es jeden Einzelnen. Auf dem Platz. Auf den Rängen. In Rostock und überall dort, wo Hansa gelebt wird. Große Momente können nur entstehen, wenn wir zusammenstehen, füreinander einstehen und gemeinsam nach vorn gehen.“
Personell hat der Verein mit Yannic Stein (vom Bundesligisten 1. FC Union Berlin) und Luca Unbehaun (vom niederländischen Zweitligisten FC Emmen) bereits zwei neue Torhüter verpflichten können. Von der U21 des 1. FC Köln kommt zudem Bernie Lennemann nach Rostock. Am Freitag hat Hansa außerdem bekanntgegeben, dass Emil Holten auch in der neuen Saison das Trikot der Rostocker tragen wird.
Der 29-jährige Schwede hat nach seiner Leihe vom schwedischen Erstligisten IF Elfsborg in 33 Ligaspielen für Hansa 15 Tore in Liga drei erzielt und drei weitere vorbereitet. Zudem zeigte er sich im Landespokal, über den sich der Drittligist für den DFB-Pokal qualifizieren konnte, mit elf Toren in fünf Spielen treffsicher.
Bei den Fans kommen die Verpflichtungen zunächst gut an, die am Wochenende formulierte Botschaft hätten einige jedoch noch klarer formuliert gesehen. „Klare Richtung, dann sprecht es auch klar aus. Aufstieg 2027 muss das klare, offensiv formulierte Ziel sein. Unser Verein mit diesen Strukturen und diesen Fans gehört nicht in diese Liga. Legt ein ordentliches Transferfenster hin, mit mutigen, hungrigen Spielern, die für den Verein brennen. Dieses lustlose Gekicke zum Ende der Saison hat deutlich gezeigt, dass da bereits einige Spieler wussten, dass ihre Verträge nicht verlängert werden oder sie nicht bleiben wollten“, lautet ein Kommentar auf Instagram.
Rostock-Fans wünschen sich deutlichere Zielsetzung
Ein weiterer Fan schlägt eine ähnliche Tonalität an: „Hätte man das Kind beim Namen genannt, wäre es noch schöner! Klarer Kurs Aufstieg – wir wollen alle wieder zurück nach ganz oben!“ Auch ein weiterer Anhänger hätte sich noch etwas mehr Mut gewünscht: „Klarer Kurs? Wieso ist der nicht klar formuliert?“
Das klingt jetzt noch nicht nach hundertprozentigem Zusammenhalt. Spätestens dann aber, wenn die Saison wieder begonnen hat, die Mannschaft das erste Spiel gewonnen hat und der Botschaft auch sportliche Taten folgen lässt, wird die Region hinter den Rostockern stehen. Denn am Ende des Tages eint Verein und Fans die Sehnsucht nach Fußball in der Bundesliga. Was man gemeinsam erreichen kann, hat Energie Cottbus eindrucksvoll gezeigt.
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