Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela wächst die Sorge vor einer der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte des Landes. Nach Angaben der Vereinten Nationen werden inzwischen mehr als 50.000 Menschen vermisst. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg nach Regierungsangaben auf 920, fast 3300 Menschen wurden verletzt. Das berichten unter anderem die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters.
Auf der inoffiziellen Seite können Angehörige und Bekannte Fotos der vermissten Personen mit Informationen hochladen. Die Daten lassen sich jedoch nicht verifizieren. Noch immer werden jedoch sehr viele Menschen unter Trümmern vermutet.
„Die Suche in den Trümmern ist eine kolossale Aufgabe“, sagte UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher der Nachrichtenagentur AFP in Genf. Es handele sich um „eine extrem komplexe Rettungsaktion“.
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Internationale Hilfe trifft ein
Unterdessen trafen erste internationale Rettungsteams in Venezuela ein. Nach Angaben von Reuters entsandten unter anderem Mexiko, Spanien, Kolumbien, Indien, die Schweiz, El Salvador und die Dominikanische Republik Such- und Bergungskräfte. Auch die USA kündigten Hilfen in Höhe von 150 Millionen US-Dollar an und lockerten dafür vorübergehend langjährige Sanktionen gegen das südamerikanische Land. Das US-Militär schickte zudem Schiffe sowie Hubschrauber und Flugzeuge zur Unterstützung der Rettungsarbeiten.
Besonders schwer betroffen ist die Küstenstadt La Guaira westlich von Caracas. Dort stürzten nach Behördenangaben mindestens 100 Gebäude ein oder wurden zerstört. Viele Bewohner suchen weiterhin mit bloßen Händen nach Angehörigen. „Er liegt unter den Betonplatten, aber es gibt keine Maschinen, um ihn herauszuholen“, sagte die Einwohnerin Yamileth Jiménez Reuters über ihren 19-jährigen Sohn.
Ein niederländisches Rettungsteam startet vom Luftwaffenstützpunkt Eindhoven nach Venezuela, um nach den Erdbeben Hilfe zu leisten.
© Rob Engerlaar/imago
Tausende Menschen suchen Angehörige
Die Regierung geht davon aus, dass sich weiterhin Hunderte Menschen unter den Trümmern befinden. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Vermisstenmeldungen auf einem eigens eingerichteten Online-Portal bis Freitagmorgen auf mehr als 50.000 Einträge. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) könnten insgesamt rund sieben Millionen Menschen von den Folgen der Erdbeben betroffen sein.
Das Doppel-Erdbeben hatte Venezuela am Mittwochabend erschüttert. Die beiden Erdstöße erreichten nach Behördenangaben Magnituden von 7,2 und 7,5 und lagen nur 39 Sekunden auseinander. Dutzende Nachbeben folgten.
Der US Geological Survey (USGS) hält deutlich höhere Opferzahlen für möglich. Die Behörde schätzt, dass die Zahl der Todesopfer am Ende über 10.000 liegen könnte. Damit wäre das Beben eines der folgenschwersten in Lateinamerika innerhalb der vergangenen hundert Jahre.
Venezuela bereits vor Katastrophe schwer belastet
Die Naturkatastrophe trifft Venezuela in einer ohnehin schwierigen Lage. Das Land leidet seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise, Millionen Menschen haben das Land verlassen. Reuters zufolge erschweren beschädigte Infrastruktur, Stromausfälle und Versorgungsengpässe nun zusätzlich die Rettungsarbeiten. Viele Menschen verbrachten auch die zweite Nacht nach dem Beben im Freien, weil ihre Häuser unbewohnbar sind oder weitere Nachbeben befürchtet werden.
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