Im Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern brennen Hunderte Hektar Wald. Das Feuer breitet sich immer weiter aus – doch die Feuerwehr darf nicht näher als 1000 Meter an die Flammen heran. Der Grund liegt im Boden.
Das Bundesland gehört zu den am stärksten munitionsbelasteten Regionen Deutschlands. Die Munition stammt aus mehreren Jahrzehnten militärischer Nutzung. Bereits ab 1935 richtete die Wehrmacht Truppenübungsplätze ein, etwa bei Lübtheen im Südwesten des Landes. Später baute die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR diese Plätze weiter aus.
Waldbrand im Müritz-Nationalpark: „Viel Rauch und Glut“ – Keine Entwarnung
155.000 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern sind munitionsbelastet
Hinzu kommt Munition, die die Wehrmacht 1945 auf der Flucht vor der sowjetischen Armee in Wäldern zurückließ oder entsorgte. Nach Kriegsende stationierte die Rote Armee allein in und um Neustrelitz rund 20.000 Soldaten. Über Jahrzehnte nutzten sowjetische Truppen die dünn besiedelten, waldreichen Gebiete für Manöver und Schießübungen. Das Ergebnis: Bomben, Minen, Granaten und Munitionsreste unterschiedlichster Herkunft liegen teils dicht unter der Oberfläche.
In Mecklenburg-Vorpommern gelten laut dem Projekt THOR der Landesforst insgesamt 155.000 Hektar als kampfmittelbelastet. Davon fallen rund 28.000 Hektar Wald in die höchste Belastungskategorie 4 – das bedeutet: Die Munition stellt eine akute Gefährdung dar und muss beseitigt werden. Diese Flächen verteilen sich auf Landeswald (11.500 Hektar), Bundeswald (11.000 Hektar), Privatwald (3000 Hektar) und Körperschaftswald (2000 Hektar).
Auf munitionsbelasteten Flächen dürfen Einsatzkräfte einen Sicherheitsabstand von rund 1000 Metern nicht unterschreiten. Ein direktes Vorgehen gegen die Flammen ist damit ausgeschlossen. Die Feuerwehr kann den Brand nur von außen mit Kreisregnern eindämmen. Immer wieder detoniert bei Bränden verborgene Munition, darunter auch größere Kaliber wie Panzersprenggranaten. Zusätzlich können giftige Gase wie Phosphor freigesetzt werden. ABC-Erkunder des Katastrophenschutzes müssen deshalb die Luft überwachen.
Im Müritz-Nationalpark ist ein Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz auf mehr als 318 Hektar angewachsen. Rund 375 Einsatzkräfte sind vor Ort, unterstützt von Feuerwehren aus Bayern, Brandenburg, Sachsen, Baden-Württemberg und Niedersachsen sowie dem Technischen Hilfswerk. Die Ortschaft Granzin mit rund 100 Einwohnern wurde evakuiert. Die Feuerfront lag zuletzt etwa 1,4 Kilometer vom Ort entfernt. Nach Einschätzung der Einsatzleitung werden die Löscharbeiten noch mehrere Tage andauern.
1000 Hektar Wald verbrannten 2019 in Mecklenburg-Vorpommern
Der bislang schwerste Fall ereignete sich 2019 auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen: Fast 1000 Hektar Wald verbrannten. Der Brand offenbarte drastisch, welche Probleme entstehen, wenn es auf munitionsbelasteten Flächen brennt. Ende Juni 2026 brannte es zudem auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Neustrelitz.
Seit September 2025 erprobt der Munitionsbergungsdienst am ehemaligen Militärflugplatz bei Lärz die einzige mobile Munitionsvernichtungsanlage Deutschlands. Rund 70 Tonnen Kampfmittel wurden seither vernichtet. Kernstück ist ein sprengsicherer Verbrennungsofen, der Explosivstoffe bei bis zu 650 Grad Celsius thermisch zersetzt. Ein mehrstufiges Filtersystem hält Schadstoffe zurück. Die Anlage soll demnächst nach Lübtheen umziehen, wo in den kommenden zehn Jahren geschätzte 2.700 Tonnen Kampfmittel geräumt werden sollen.
„Wir brauchen Verfahren, die sicher, wirtschaftlich und umweltverträglich sind. Die mobile Vernichtungsanlage erfüllt genau diese Anforderungen“, so Till Backhaus (SPD), der Umweltminister Mecklenburg-Vorpommern.
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