Taiwan hat im Juni einen deutlichen Anstieg der Aktivitäten chinesischer Küstenwachen- und Forschungsschiffe rund um die Insel verzeichnet. Die Regierung in Taipeh plant nach eigenen Angaben nun Übungen für den Fall einer möglichen Blockade durch Peking.
Nach Daten der taiwanischen Küstenwache wurden im Juni 55 chinesische Regierungsschiffe rund um die Hauptinsel gesichtet, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag berichtete. Das seien 83 Prozent mehr als im Mai und 120 Prozent mehr als im Juni des Vorjahres.
Bezieht man die vorgelagerten Inseln mit ein, stieg die Gesamtzahl chinesischer Schiffe nach Angaben des Fachportals The Defense Post von 200 im Mai auf 263 im Juni. Kriegsschiffe sind in diesen Zahlen nicht enthalten.
Sorge um pazifische Versorgungswege
Ein ranghoher Vertreter der taiwanischen Küstenwache, der anonym bleiben wollte, sprach von einem „bedeutenden Anstieg“ bei Art und Zahl der beteiligten Schiffe. Taiwan befürchtet laut Reuters, dass Peking den Ernstfall probe, um Taiwans Versorgungswege im Pazifik zu unterbrechen. „Sollte sich die Lage zu einer Blockade zuspitzen – was bereits einem Quasi-Krieg gleichkäme – haben wir Pläne, gemeinsam mit der Marine die lebenswichtigen Seewege Taiwans zu schützen“, sagte der Beamte.
Ein zweiter Regierungsvertreter erklärte laut The Defense Post, China wolle mit „quarantäneähnlichen Maßnahmen“ eine „Anaconda-Strategie“ gegen Taiwan umsetzen. Ziel sei es demnach, kommerzielle Schiffe am Anlaufen taiwanischer Häfen zu hindern und die Versorgung der Insel abzuschnüren. Chinesische Küstenwachenschiffe hätten in diesem Zuge erstmals Frachter per Funk zu Besatzung und Zielhäfen befragt. Taiwan habe die Schiffe aufgefordert, die Aufforderungen zu ignorieren und den Kurs beizubehalten.
Ein Mitglied der taiwanischen Küstenwache beobachtet ein Boot der chinesischen Küstenwache, das an der Küste der Matsu-Inseln in Taiwan vorbeifährt.
© Taiwanische Küstenwache
Umgebaute Kriegsschiffe im Einsatz
Nach Angaben der Küstenwache handelt es sich bei neueren chinesischen Küstenwachenschiffen um doppelwandige Einheiten militärischer Bauart, die von der Marine übernommen und umlackiert worden seien. Sie operierten häufig paarweise knapp außerhalb der taiwanischen Wirtschaftszone im Pazifik.
Parallel dazu meldete Taiwans Verteidigungsministerium laut Taiwan News zwischen Sonntag- und Montagmorgen zwei chinesische Militärflugzeuge, sieben Kriegsschiffe und ein Regierungsschiff rund um die Insel. Die beiden Flugzeuge hätten die Mittellinie der Taiwanstraße überquert. Taiwan setzte demnach eigene Flugzeuge, Schiffe und landgestützte Raketensysteme zur Überwachung ein.
Taiwans Präsident Lai Ching-te rief seine Partei am Sonntag laut The Defense News dazu auf, sich Chinas „rotem Terror“ entgegenzustellen und die „demokratische und freie Lebensweise“ der Insel zu verteidigen. China beansprucht Taiwan als Teil seines Staatsgebiets, was Taipeh zurückweist.
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