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Iran-Krieg erklärt: Wie alles begann, warum die Waffenruhe scheiterte – und was jetzt droht

Die USA bombardieren wieder den Iran, Öltanker brennen in der Straße von Hormus – und eine zweite Meerenge droht zur Krisenzone zu werden. Was man zum aktuellen Stand des Krieges wissen sollte.

8 Min
Explosionen in Teheran. Der Krieg begann am 28. Februar mit gemeinsamen Angriffen aus Israel und den USA.

Explosionen in Teheran. Der Krieg begann am 28. Februar mit gemeinsamen Angriffen aus Israel und den USA.

© Saleh/imago

Ende Februar 2026 griffen die USA und Israel den Iran an. Was als gezielte Militäroperation begann, wuchs zu einem Krieg mit Tausenden Toten, gescheiterten Verhandlungen und massiven Folgen für die Weltwirtschaft. Zuletzt ist eine fragile Rahmenvereinbarung zwischen Washington und Teheran zusammengebrochen – beide Seiten sprechen wieder von offenem Krieg.

Die wichtigsten Fragen und Zusammenhänge im Überblick:


Wie hat der Iran-Krieg begonnen?

Am 28. Februar 2026 griffen die USA und Israel gemeinsam Iran an. Getroffen wurden militärische Ziele, Atomanlagen und eine Regierungseinrichtung in Teheran. Dabei wurde Irans Oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet, der das Land seit 1989 geführt hatte. Auch weitere hochrangige Militär- und Geheimdienstführer kamen ums Leben. Am 8. März wurde sein Sohn Mojtaba Chamenei als Nachfolger eingesetzt. Israel bezeichnete die Angriffe als „präemptiv“, um Bedrohungen zu beseitigen. US-Außenminister Rubio sagte, die USA wussten von der geplanten israelischen Aktion und mussten deshalb vorbeugend handeln, weil sie mit iranischen Angriffen auf US-Truppen rechneten. 

US-Präsident Donald Trump begründete den Militäreinsatz in einer Rede kurz nach den Angriffen ebenfalls mit der Abwehr einer unmittelbaren Bedrohung für die USA und ihre Verbündeten sowie dem Ziel, Iran am Erwerb einer Atomwaffe zu hindern. Zugleich rief er die iranische Bevölkerung auf, die Regierung zu übernehmen.

Beide Länder hatten bereits im Juni 2025 iranische Atom- und Militäranlagen in einem zwölftägigen Krieg angegriffen.

Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf US-Stützpunkte in mehreren Golfstaaten und übernahm die Kontrolle über die Straße von Hormus. Am 2. März trat zudem die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon in den Krieg ein, Israel marschierte daraufhin in den Südlibanon ein.

Eine Trauernde hält während eines Trauerzuges für den älteren Chamenei im Imam-Ali-Schrein in Nadschaf ein Porträt hoch, das den obersten Führer des Iran, Mojtaba Chamenei (oben), und dessen verstorbenen Vater, Ajatollah Ali Chamenei, zeigt.

Eine Trauernde hält während eines Trauerzuges für den älteren Chamenei im Imam-Ali-Schrein in Nadschaf ein Porträt hoch, das den obersten Führer des Iran, Mojtaba Chamenei (oben), und dessen verstorbenen Vater, Ajatollah Ali Chamenei, zeigt.

© Hadi Mizban/AP

Wie verliefen die Verhandlungen zwischen den USA und Iran?

Am 7. April einigten sich beide Seiten auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand, den Pakistan vermittelt hatte. Historische direkte Gespräche am 11. und 12. April in Islamabad – unter anderem mit US-Vizepräsident JD Vance – endeten allerdings ohne Ergebnis. Am 13. April verhängten die USA eine Seeblockade gegen iranische Häfen. Trump verlängerte den Waffenstillstand am 21. April auf unbestimmte Zeit.

Nach Wochen schwieriger Diplomatie unterzeichneten beide Seiten am 17. Juni eine Rahmenvereinbarung – ein sogenanntes Memorandum of Understanding. Es sah vor: eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, die Wiedereröffnung der Straße von Hormus, die Aufhebung der US-Seeblockade sowie Sanktionserleichterungen für iranische Ölexporte.

Die schwierigsten Fragen – Irans Atomprogramm und endgültige Sanktionsaufhebung – sollten in einem Zeitraum von 60 Tagen in einem endgültigen Abkommen geklärt werden.

Warum ist die Rahmenvereinbarung gescheitert?

Der zentrale Streitpunkt war die Kontrolle über die Straße von Hormus. Iran interpretierte eine Klausel so, dass es das Recht habe, den Schiffsverkehr zu verwalten und nach 60 Tagen Gebühren zu erheben. Die USA und andere Staaten wiesen das zurück – die Meerenge müsse als internationale Wasserstraße frei passierbar bleiben.

Die USA richteten eine alternative Schiffsroute entlang der omanischen Küste ein. Iran griff Schiffe an, die diese Route nutzten. Am 7. Juli wurden etwa drei Schiffe in der Meerenge attackiert. Die USA reagierten mit Luftangriffen und setzten die Sanktionen gegen iranische Ölexporte wieder in Kraft. Am 8. Juli erklärte Trump den Waffenstillstand schließlich für beendet. Teheran erklärte die Rahmenvereinbarung seinerseits für hinfällig. Irans Präsident Massud Peseschkian sprach von einem „vollumfänglichen Krieg“ mit den USA.

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Wo wird derzeit gekämpft und wie viele Opfer gibt es?

Seit der Wiederaufnahme der Kämpfe hat das US-Zentralkommando Centcom zehn Nächte in Folge Angriffe auf Iran geflogen – den Angaben zufolge gegen Kommandozentralen, Raketenstellungen, Drohnenabschussanlagen und Luftabwehrsysteme. Iran greift seinerseits US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien an. Die Revolutionsgarden meldeten zudem Raketenangriffe auf den jordanischen Flughafen Akaba und Stellungen in Syrien.

Jedes Mal, wenn der Iran einen amerikanischen Soldaten tötet, wird er dafür ein Vielfaches bezahlen.

Donald Trump auf Truth Social

Laut neuen Angaben des Pentagons wurden seit dem 7. Juli fast 100 US-Soldaten verletzt, 96 Prozent seien in den Dienst zurückgekehrt. Die meisten Verletzungen seien leichte Gehirnerschütterungen gewesen. Seit Kriegsbeginn sind laut Pentagon-Daten 17 US-Militärangehörige getötet worden.

In Iran dokumentierte die US-basierte Menschenrechtsgruppe HRANA bis Anfang April 3636 Todesopfer, darunter 1701 Zivilisten und mindestens 254 Kinder. Im Libanon meldete das Gesundheitsministerium bis Mitte April 2294 Tote. Die tatsächlichen Zahlen dürften nach drei weiteren Monaten intensiver Kampfhandlungen deutlich höher liegen. Zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon hält eine separat vereinbarte Waffenruhe bislang weitgehend.

Was passiert an der Straße von Hormus?

Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist einer der wichtigsten Energiekorridore der Welt. Laut der US-Energieinformationsbehörde EIA passierten dort vor Beginn des Krieges täglich rund 20,3 Millionen Barrel Erdöl – etwa 25 Prozent des weltweiten Seehandels mit Öl. Ein Großteil dieser Exporte gingen nach Asien, vor allem nach China und Indien.

Der Schiffsverkehr ist seit Kriegsausbruch dramatisch eingebrochen. Vor dem Krieg durchfuhren täglich mehr als 100 Schiffe die Meerenge. Am vergangenen Wochenende waren es laut dem Marktdatenanbieter Kpler nur noch 30.

Beide Seiten beanspruchen derzeit die Kontrolle. Der Iran hat inzwischen den zentralen Teil der Meerenge vermint und verlangt, dass Schiffe eine Route nahe der iranischen Küste nutzen und sich bei der neu geschaffenen „Persian Gulf Strait Authority“ registrieren.

Trump erklärte derweil die USA zum „Guardian of the Hormuz Strait“ („Wächter der Straße von Hormus“) und kündigte kurzzeitig einen Zoll von 20 Prozent auf durchgeleitete Fracht an, der jedoch wieder zurückgenommen wurde. Der Iran hatte Gebühren von bis zu zwei Millionen Dollar pro Schiff ins Spiel gebracht.

Nach dem UN-Seerechtsübereinkommen von 1982 hat jedoch kein Staat das Recht, internationale Gewässer für sich zu beanspruchen. Laut Marc Weller, Direktor des Völkerrechtsprogramms an der Universität Cambridge, den AP zitiert, gilt das als universelles Gewohnheitsrecht – auch für Staaten wie die USA und Iran, die das Abkommen nicht ratifiziert haben.

Im Golf von Oman, entlang der Schifffahrtsrouten zwischen der Straße von Hormus und dem Arabischen Meer Tanker und Frachtschiffe zu sehen.

Im Golf von Oman, entlang der Schifffahrtsrouten zwischen der Straße von Hormus und dem Arabischen Meer Tanker und Frachtschiffe zu sehen.

© Uncredited/AP

Welche Rolle spielen die Huthi-Milizen und die Meerenge Bab al-Mandab?

Eine neue Eskalation droht derweil an einer zweiten Meerenge. Am 20. Juli erklärten die mit Iran verbündeten Huthi-Milizen im Jemen eine „maritime Blockade“ gegen Saudi-Arabien – mit sofortiger Wirkung. Die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer soll demnach geschlossen werden.

Das wäre folgenschwer. Denn Saudi-Arabien hat seit der weitgehenden Schließung der Straße von Hormus Millionen Barrel Öl pro Tag über eine Pipeline zu einem Exportterminal am Roten Meer umgeleitet. Diese Route dient als wichtiges Sicherheitsventil für den globalen Ölmarkt. Eine Blockade der Bab al-Mandab würde die weltweite Ölversorgung laut Reuters um weitere sieben Prozent verringern – zusätzlich zu den bereits bestehenden Ausfällen.

Die saudi-geführte Koalition im Jemen kündigte eine militärische Antwort an und leitete Schutzmaßnahmen für ihre Schiffe ein.

Welche Auswirkungen hat der Krieg auf Ölpreis und Weltwirtschaft?

Die Folgen sind bereits gravierend. Der Ölpreis der Sorte Brent überschritt am 20. Juli erneut die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel – erstmals seit über einem Monat. Zu Beginn des Krieges im Frühjahr waren die Preise zeitweise auf fast 120 Dollar gestiegen. Der Krieg hat zudem die globalen Öllieferungen bereits um rund zehn Prozent des weltweiten Angebots verringert.

Die Preiseffekte wirken global: Steigt der Ölpreis, steigen auch in Deutschland und Europa Energiekosten, Spritpreise und Produktionskosten. Der Krieg gehört damit neben den bestehenden geopolitischen Krisen zu den größten Belastungsfaktoren für die Weltwirtschaft.

Wie könnte es weitergehen?

Katar und Pakistan bemühen sich derzeit als Vermittler um einen zehntägigen Waffenstillstand. Irans Außenministerium bestätigte, dass Vermittler „Vorschläge“ vorgelegt hätten, nannte aber keine Details. Irans Innenminister reiste für Gespräche nach Pakistan.

Gleichzeitig bleibt die Atomfrage ungelöst. Iran weigert sich, Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA Zugang zu bombardierten Atomanlagen zu gewähren, unter denen hoch angereichertes Uran vermutet wird. Der ursprünglich im Memorandum vorgesehene 60-Tage-Zeitrahmen für eine Einigung deutet auf Mitte August als Frist hin.

Was denken Analysten?

Clemens Chay vom Observer Research Foundation beschrieb die aktuelle Lage gegenüber dem Sender CNBC als „eingehegten, aber sich ausweitenden Eskalationszyklus“. Washington habe derzeit „keine guten Optionen“: Die USA müssten entweder einen iranischen Zermürbungskrieg aushalten, trotz regionalen Widerstands eskalieren oder Zugeständnisse machen. Iran behalte seinen Hebel über Hormus „wie einen Schalter, den es an- und ausknipsen kann“. Eine gleichzeitige Störung von Hormus und Bab al-Mandab wäre laut Chay „katastrophal für die Weltwirtschaft“.

Amrita Sen von Energy Aspects warnte, die Öl-Lagerbestände seien stark geschrumpft. Bei anhaltender Störung bis August könne die Golfproduktion sinken und der Ölpreis dreistellig werden. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Axios bereitet sich auch Israel auf eine mögliche Ausweitung des Krieges innerhalb weniger Tage vor.

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