Testfall

Bab al-Mandab-Meerenge: Zwei chinesische Öl-Tanker fordern Huthi-Blockade heraus

Zwei chinesische Supertanker mit vier Millionen Barrel Saudi-Öl an Bord halten Kurs auf die Bab-al-Mandab. Ihre Durchfahrt wird zum Testfall: Wie ernst meinen es die Huthis mit ihrer Seeblockade?

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Die jemenitische Küste. Davor liegt die Meerenge Bab al-Mandab

Die jemenitische Küste. Davor liegt die Meerenge Bab al-Mandab

© Serg73/imago-images.de

Zwei chinesische Supertanker steuern derzeit offenbar auf die Bab-al-Mandab-Meerenge zu – und werden damit zum Prüffall für die neue Huthi-Seeblockade im Roten Meer. Wie Schiffsdaten des Datendienstleisters LSEG zeigen, transportieren die beiden „Very Large Crude Carrier“ zusammen rund vier Millionen Barrel saudisches Rohöl. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ihr Ziel: die Ausfahrt aus dem Roten Meer und der Weg nach China.

Der Zeitpunkt ist heikel. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hatte am Montag eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verkündet. Am Donnerstag griff sie nach eigenen Angaben bereits zwei saudische Tanker mit Drohnen und Raketen an. Die Fahrt der beiden chinesischen Schiffe könnte zeigen, wie konsequent die Miliz ihre Blockade durchsetzen will.

Welche Schiffe fahren – und für wen?

Es handelt sich laut Reuters um die unter singapurischer Flagge fahrende „Xin Long Yang“ und die chinesisch geflaggte „Cosnew Lake“. Beide hatten Anfang der Woche im saudischen Hafen Yanbu Öl geladen.

Die „Xin Long Yang“ hatte am Dienstag mitten im Roten Meer gewendet und eine Pause eingelegt. Spät am Mittwoch nahm sie ihre Fahrt nach Süden wieder auf – mit Ziel Qinzhou in Südchina. Die „Cosnew Lake“ folgte und meldete den Hafen Huizhou in der Provinz Guangdong als Ziel.

Beide Tanker werden laut den Daten von Unipec gechartert, dem Handelsarm des Raffineriekonzerns Sinopec. Verwaltet werden sie von Cosco Shipping. Weder Cosco noch Sinopec reagierten laut Reuters zunächst auf Anfragen.

Warum die Durchfahrt zum Testfall wird

Die Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer ist seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus zu einer entscheidenden Alternative für Saudi-Arabiens Ölexporte geworden. Das Königreich leitet Millionen Barrel pro Tag über eine Pipeline zu einem Exportterminal am Roten Meer um.

Genau diese Route bedrohen die Huthis nun. Nach Angaben von Reuters könnte eine Störung der Durchfahrt die globale Ölversorgung um bis zu fünf Millionen Barrel pro Tag beeinträchtigen. Ob die chinesischen Tanker unbehelligt passieren, gilt daher als Signal für die gesamte Schifffahrt.

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Angriffe und brennender Tanker

Kurz vor der Durchfahrt der chinesischen Schiffe eskalierte die Lage weiter. Die Huthis erklärten am Donnerstag, sie hätten zwei saudische Öltanker angegriffen, die gegen die Blockade verstoßen hätten. Die saudische Nachrichtenagentur SPA meldete laut Reuters, das saudische Schiff „Encelia“ sei getroffen worden und stehe in Flammen – die Besatzung sei aber in Sicherheit.

Nach eigenen, zunächt nicht überprüfbaren Angaben zwangen die Huthis zudem rund zehn Schiffe zur Umkehr. Die britische Behörde UKMTO meldete einen Vorfall rund 70 Seemeilen südwestlich der saudischen Hafenstadt Al Shuqaiq. Demnach meldete der Kapitän eines Tankers, sein Schiff sei von einem Geschoss getroffen worden. An Bord sei ein Brand ausgebrochen. Verletzte oder Umweltschäden gab es demnach nicht.

Der Schiffsverkehr bricht ein

Die Krise trifft zwei zentrale Meerengen zugleich. Der Verkehr durch die Bab al-Mandab ging deutlich zurück: 27 Schiffe passierten die Meerenge am Mittwoch, darunter fünf Öltanker – nach 38 am Vortag, wie LSEG-Daten zeigen.

Noch drastischer ist die Lage an der Straße von Hormus. Dort durchfuhren am Mittwoch nur drei Schiffe die Meerenge, nach vier am Vortag und 18 am Mittwoch der Vorwoche. Das meldet der Datenanbieter Kpler.

Die Folgen zeigen sich auch bereits an der Börse: Laut Reuters stiegen die Ölpreise am Donnerstag auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Wochen. Brent-Rohöl verteuerte sich zeitweise um 2,3 Prozent auf 96,27 US-Dollar.

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