Wahlkampf

„Kriegsminister-Lied“ auf CDU-Bühne: Hallervorden kritisiert Merz und Pistorius

Der Komiker singt gegen die Aufrüstung und zeigt ein „Völkermord“-Banner auf der Bühne. Die Parteispitze distanziert sich, der Ministerpräsident hält trotzdem an ihm fest.

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Sven Schulze (CDU, r), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und der Schauspieler Dieter Hallervorden stehen gemeinsam auf der Bühne.

Sven Schulze (CDU, r), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, und der Schauspieler Dieter Hallervorden stehen gemeinsam auf der Bühne.

© Hendrik Schmidt/dpa

Der Schauspieler Dieter Hallervorden mischt den CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf – und sorgt dabei in der Partei für Ärger. Der 90-jährige Schauspieler unterstützt Ministerpräsident Sven Schulze im Landtagswahlkampf, weil er nach eigenen Worten eine absolute Mehrheit der AfD verhindern will.

Bei den gemeinsamen Auftritten singt Hallervorden gegen die Aufrüstung der Bundesregierung und zeigte in einem Video ein Banner mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord in Gaza“. Während die neue CDU-Generalsekretärin öffentlich widerspricht, verteidigt Schulze die Auftritte – und geht bei einzelnen Themen zugleich klar auf Distanz.

Was Hallervorden auf der CDU-Bühne singt und sagt

Am Montagabend kehrte Hallervorden in seine Geburtsstadt Dessau zurück. Der Hugo-Junkers-Saal war seit Tagen ausgebucht, an der Tür wurden Menschen abgewiesen. Am Ende waren rund 750 Menschen im Saal.

Auf der Bühne stimmt Hallervorden sein Lied gegen die Rüstungspolitik der Bundesregierung an. Darin bezeichnet er Verteidigungsminister Boris Pistorius als „Kriegsminister“ und vergleicht die aktuelle Aufrüstung mit dem Kriegskurs der Nationalsozialisten. „Am Ende geht's um Kohle, das ist der größte Treiber“, singt er – und erntet Applaus.

Die Veranstaltungsreihe trägt den Titel „Kunst braucht Freiheit“. Hallervorden nennt die Kunstfreiheit einen „verlässlichen Gradmesser für den Zustand einer liberalen Demokratie“.

Warum die CDU-Spitze rebelliert

Die gemeinsamen Auftritte lösten öffentliche Kritik aus – auch in der CDU selbst. Auslöser: das eingeblendete „Völkermord“-Banner und der Vorwurf, die Bundesregierung sei ein Kriegstreiber.

Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann stellte die Parteilinie klar: „Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine gegen den Terror und Aggression“. Die CDU stehe zwar zur Meinungs- und Kunstfreiheit. „Doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben“.

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Hallervorden ließ sich davon nicht beeindrucken. Er empfahl Hoppermann beim Thema Völkerrecht „Nachhilfe“ und lobte Schulze für dessen „Rückgrat“.

„Sie hat nicht damit gerechnet, dass ein Ministerpräsident namens Sven Schulze so viel Rückgrat hat, zu sagen: Wir lassen uns von denen in Berlin nicht vorschreiben, wie wir in Sachsen-Anhalt Wahlkampf zu machen haben“, so Hallervorden

Wie Schulze den Spagat erklärt

Schulze macht die Unterschiede zu Hallervorden bewusst deutlich. Das Existenzrecht Israels sei für ihn „nicht diskutabel“, betont er. „Auch beim Thema Völkermord habe ich eine ganz andere Auffassung“. Zudem wolle er die Bundesregierung und Generalsekretärin Hoppermann unterstützen.

Zur Kritik Hallervordens an den Rüstungsausgaben und dem Vorwurf der Kriegstreiberei äußert sich Schulze hingegen nicht. Stattdessen lobt er Hallervorden dafür, dass er für die Meinungsfreiheit einstehe – das „wichtigste Gut“. Es sei „vielleicht auch ein Fehler der CDU in den vergangenen Jahren, dass man Debatten nicht kontrovers genug diskutiert hat“. Das Thema Meinungsfreiheit dürfe man nicht der AfD überlassen.

Zwischen FDP, Wagenknecht und Israel-Bekenntnis

Hallervorden hat sich immer wieder parteipolitisch positioniert. Er sprach sich mehrfach für die FDP aus und lieferte Helmut Schmidt Pointen für dessen Reden. Zuletzt trat er aber auch mit BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht auf und schrieb mit dem früheren Linkspartei-Politiker Diether Dehm ein Gedicht mit dem Titel „Gaza Gaza“. In Dessau bekennt sich Hallervorden klar zum Existenzrecht Israels. Seine Kritik beziehe sich allein auf die Kriegsführung in Gaza. Er warnt gleichzeitig vor der AfD und vor einer „Sprachpolizei“ durch „Wokeness“.

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