Iran-Krieg

Großes Zugeständnis an Teheran: Iran soll Zufahrt zum Persischen Golf kontrollieren

Teheran könnte aus dem Krieg mit deutlich mehr Macht über die wichtigste Ölroute der Welt hervorgehen. Doch Gebühren und Befugnisse sind noch nicht abschließend geklärt.

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Schiffe vor Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Ein geplanter Deal könnte dem Iran mehr Kontrolle über die wichtigste Ölroute der Welt geben.

Schiffe vor Bandar Abbas in der Straße von Hormus. Ein geplanter Deal könnte dem Iran mehr Kontrolle über die wichtigste Ölroute der Welt geben.

© kyodo/dpa

Der Iran könnte im Zuge einer Vereinbarung zur Straße von Hormus die Kontrolle über Schiffe erhalten, die in den Persischen Golf einlaufen. Das sieht nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ein Entwurf vor, über den der Iran und Oman derzeit verhandeln. Eine hochrangige iranische Quelle und zwei Vertreter aus der Region sprachen von einem der bislang größten Zugeständnisse an Teheran.

Vor dem Iran-Krieg konnten Handelsschiffe die Meerenge ohne Gebühren passieren. Eine Vereinbarung, die dem Iran Befugnisse über den einlaufenden Verkehr überträgt, würde die Machtverhältnisse am Persischen Golf erheblich zugunsten Teherans verschieben. Der Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen.

Hormus-Entwurf sieht iranische Kontrolle über einlaufende Schiffe vor

Bereits am Mittwoch hatte das iranische Außenministerium erklärt, der Iran und Oman hätten sich auf die geografischen Koordinaten einer neuen Schifffahrtsroute verständigt. Eine gemeinsame Erklärung werde vorbereitet. Nach den Reuters nun vorliegenden Informationen soll Teheran auf dieser Route die Kontrolle über Schiffe erhalten, die durch die Straße von Hormus in den Persischen Golf fahren.

„Das Zugeständnis zu einer Form der Kontrolle über Hormus ist bereits gemacht worden“, sagte einer der Vertreter aus der Region der Nachrichtenagentur. Was genau unter „Kontrolle“ zu verstehen ist, sei allerdings noch nicht geklärt.

Die Golfstaaten drängen dem Bericht zufolge darauf, dass Vertreter aus der Region mögliche Inspektionen von Schiffen überwachen. Zahlungen für die Durchfahrt sollen aus ihrer Sicht freiwillig bleiben. Washington hatte wiederholt erklärt, weder eine iranische Kontrolle der Meerenge noch verpflichtende Gebühren akzeptieren zu wollen. Eine Stellungnahme der US-Regierung zu dem aktuellen Entwurf lag zunächst nicht vor.

Strittig ist zudem, welche Befugnisse der Iran bei Schiffen erhalten soll, die den Persischen Golf verlassen. Der vorliegende Text sieht laut einer hochrangigen iranischen Quelle bereits die iranische Kontrolle über den einlaufenden Verkehr vor. Die Regelung für die entgegengesetzte Richtung zählt demnach zu den wichtigsten verbliebenen Streitpunkten.

Iran fordert bis zu sieben Prozent des Ladungswerts

Besonders weit liegen die Positionen bei möglichen Gebühren auseinander. Der Iran fordert nach Angaben der iranischen Quelle zwischen fünf und sieben Prozent des Werts der beförderten Ladung. Oman spricht über eine Abgabe von rund drei Prozent. Die USA lehnen Gebühren grundsätzlich ab.

Bei einer Tankerladung im Wert von 100 Millionen US-Dollar könnte die iranische Forderung damit einer Zahlung von fünf bis sieben Millionen US-Dollar entsprechen. Ob solche Abgaben verpflichtend wären und wer sie einziehen würde, ist bislang nicht vereinbart.

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Der stellvertretende iranische Außenminister Kasem Gharibabadi sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna, die geplante Route sei so gestaltet, dass Handelsschiffe „sowohl auf der einlaufenden als auch auf der auslaufenden Strecke durch iranische Hoheitsgewässer fahren“ würden.

Die Verhandlungen mit Oman hätten zu „grundlegenden Verständigungen“ geführt, erklärte Gharibabadi. „Dieser Fortschritt steht kurz vor dem Abschluss.“ Direkte Gespräche zwischen dem Iran und den USA habe es in den vergangenen Tagen allerdings nicht gegeben.

Nach Gharibabadis Darstellung erhielt Teheran Botschaften aus Washington, wonach die USA zur Rückkehr zu ihren Verpflichtungen aus einer Mitte Juni geschlossenen Absichtserklärung bereit seien. Diese sah eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen vor. Der Iran macht die Umsetzung dieser Vereinbarung zur Bedingung für eine Wiederöffnung der Straße von Hormus.

Trump: „Ich will keine Menschen töten“

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt mehrfach erklärt, eine Einigung stehe unmittelbar bevor. Die von Reuters befragten Vertreter aus dem Iran und der Region widersprachen dieser Darstellung. Wesentliche Fragen seien weiterhin ungeklärt.

Bei einem Auftritt in Las Vegas warb Trump dennoch für eine diplomatische Lösung. „Ich würde lieber einen Deal machen, weil ich keine Menschen töten will“, sagte der US-Präsident. „Ich will keine Menschen töten, aber irgendwann werden wir es tun.“

Trump steht innenpolitisch unter wachsendem Druck, den seit fünf Monaten dauernden Krieg zu beenden. Nach Angaben von Reuters lehnen US-Wähler den Konflikt im Verhältnis von etwa zwei zu eins ab. Im November finden in den USA wichtige Zwischenwahlen statt.

Auch militärisch ist es den USA bislang nicht gelungen, die iranische Kontrolle über die Meerenge zu brechen. US-Kommandeure warnten Trump im Juli laut Reuters vor Engpässen bei bestimmter Munition. Das US-Heer soll nahezu alle verfügbaren Langstreckenpräzisionsraketen eingesetzt haben.

Iran droht mit Angriffen auf Energieanlagen der Golfstaaten

Parallel zu den Verhandlungen erhöht Teheran den Druck auf die mit Washington verbündeten Golfstaaten. Der Iran habe sie davor gewarnt, dass ein neuer US-Angriff Vergeltungsschläge gegen Energieanlagen und andere Ziele in der Region auslösen werde, berichtete Reuters unter Berufung auf fünf Quellen.

„Die iranische Warnung war unmissverständlich: Wenn Amerika die iranische Infrastruktur angreift, werden sie mit Angriffen auf Energieanlagen am Golf und andere regionale Ziele reagieren“, sagte eine Quelle aus einem Golfstaat.

Seit Kriegsbeginn greift der Iran US-Verbündete in der Region mit Raketen und Drohnen an. Zudem attackierte Teheran Handelsschiffe, die die Straße von Hormus ohne iranische Erlaubnis durchfahren wollten. Nach iranischen Angaben wurden seit Beginn der Angriffe der USA und Israels mehr als 3400 Menschen getötet. Die USA meldeten bislang den Tod von 18 Militärangehörigen.

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