Verwechslung

Mord-Ermittlung in Australien floppt nach 20 Stunden: Falsche Leiche hält Polizei in Atem

Ein Koffer am Straßenrand, darin scheinbar eine Frauenleiche. Die Polizei startet eine Mordermittlung. Erst viele Stunden später kommt die Wende. Wie konnten die Ermittler sich so täuschen?

4 Min
Polizei und Forensik im Einsatz nach einem Leichenfund in New South Wales

Polizei und Forensik im Einsatz nach einem Leichenfund in New South Wales

© Dean Lewins/imago

Eine vermeintliche Leiche im Koffer hat in Australien einen groß angelegten Polizeieinsatz ausgelöst – der überraschend endete.

Zwei Männer entdeckten den herrenlosen Koffer am Sonntagnachmittag an einem Feldweg nahe der Kleinstadt Oallen im Bundesstaat New South Wales, rund 185 Kilometer südwestlich von Sydney. Sie öffneten das Gepäckstück und stießen auf etwas, das sie für menschliche Überreste hielten.

Die Ermittler richteten einen Tatort ein und behandelten den Fund über 20 Stunden lang als möglichen Tötungsdelikt. Am Montagmorgen kam dann die Auflösung: Bei dem vermeintlichen Opfer handelte es sich um eine lebensechte Puppe. Das teilte die Polizei von New South Wales laut dem australischen Sender ABC mit.

Wie es zu der Verwechslung kam

Die beiden Männer waren nach Angaben der Polizei auf einem Wochenendausflug unterwegs, als sie an der Wolgon Road eine Pause einlegten. Dabei entdeckten sie den Koffer. Gegen 12.50 Uhr Ortszeit ging bei der Polizei die Meldung ein, dass ein Leichnam gefunden worden sei.

Die Beamten rückten an den abgelegenen Fundort aus und sicherten den Tatort. Den Inhalt des Koffers untersuchten sie zunächst bewusst nicht im Detail.

Superintendent Linda Bradbury, Kommandeurin des Polizeibezirks Hume, begründete das Vorgehen gegenüber Reportern. Man wolle Überreste am Fundort möglichst wenig bewegen, um die Integrität der Ermittlung zu wahren – zumal schlechtes Wetter die Arbeit erschwert habe.

Auf einem Screenshot aus einem Video von ABC News ist zu sehen, wie die Polizei in Oallen arbeitet, wo eine vermeintliche Leiche in einem Koffer gefunden wurde.

Auf einem Screenshot aus einem Video von ABC News ist zu sehen, wie die Polizei in Oallen arbeitet, wo eine vermeintliche Leiche in einem Koffer gefunden wurde.

© Abc/ABC/AAP/dpa

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Warum die Puppe so echt wirkte

Die Puppe war so realistisch gestaltet, dass sie problemlos für einen menschlichen Körper gehalten werden konnte. Nach den forensischen Untersuchungen listete die Polizei die Merkmale auf: Die Figur trug Kleidung, hatte Haare und ein Nasenpiercing.

Hinzu kamen Markierungen, die wie Blutergüsse und Schürfwunden aussahen. Genau diese Details verstärkten den Eindruck, es könne sich um das Opfer eines Verbrechens handeln.

„Sie waren sehr realistisch, was das Aussehen menschlicher Überreste angeht“, sagte Bradbury laut der Zeitung The Guardian, die sich auf eine Pressekonferenz bezog. In einer früheren Einschätzung hatte sie gegenüber dem Fernsehsender Channel Nine sogar von weiblichen Überresten in einem Zustand der Verwesung gesprochen.

Polizei verteidigt ihr Vorgehen

Superintendent Bradbury stellte sich nun hinter die eingesetzten Beamten. Man habe die korrekten Abläufe eingehalten, sagte sie dem Sender ABC.

„Ich habe überhaupt keine Bedenken“, so Bradbury laut ABC. Der Grundgedanke sei, einen Tatort so wenig wie möglich zu stören. Erst nach der Sicherstellung und der Untersuchung durch die Forensik habe sich herausgestellt, dass die Überreste nicht menschlich seien.

Auch das Verhalten der beiden Finder lobte die Polizei. Sie hätten die richtige Entscheidung getroffen, den Fund zu melden. Für die Männer sei die Entdeckung ein Schock gewesen. Die Behörde kündigte an, die beiden über das Ergebnis der Untersuchung zu informieren.

Von der Mordermittlung zur eingestellten Untersuchung

Nach den forensischen Untersuchungen am Montagmorgen erklärte die Polizei den Fall für beendet. Es liege kein verdächtiger Todesfall eines Menschen vor.

Laut ABC handelt es sich bei der Puppe vermutlich um eine Sexpuppe. Die offizielle Mitteilung der Polizei sprach von einer lebensechten Puppe, ohne diese Einordnung selbst zu treffen.

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