Neun Liter pro Quadratmeter. So viel Regen ist im August bisher deutschlandweit gefallen, gut zehn Prozent des Solls – gefallen an einem einzigen Tag.
Jetzt steht der Regen endlich in der amtlichen Vorhersage. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für Montag von Westen her schauerartigen Regen, der bis zum Abend auch den Norden erreicht.
Nur wird er die Dürre nicht beenden. Sie steckt inzwischen zwei Meter tief im Boden – und schauerartig ist genau die Sorte Regen, die ausgetrocknete Böden kaum aufnehmen.
Wetter in Deutschland: die Prognose für die nächsten Tage
Dienstag: In der Nordhälfte hält sich die Kaltluft, dort liegen die Höchstwerte bei 18 bis 25 Grad. Weiter südlich werden 25 bis 32 Grad erreicht, im Südwesten bis 33 Grad. Lediglich an den Alpen sind einzelne kräftige Gewitter möglich, sonst bleibt es trocken. Genau das ist für die ausgetrockneten Böden das Problem.
Mittwoch: Im Norden und Nordosten heiter, sonst vielfach sonnig und trocken, nur an den Alpen bilden sich im Verlauf Quellwolken. Im Norden 20 bis 26 Grad, sonst 28 bis 35 Grad mit den höchsten Werten im Südwesten. Damit herrschen fast überall gute Bedingungen für die partielle Sonnenfinsternis am Abend.
Donnerstag: Im Norden zunächst Wolkenfelder, sonst sonnig. Von Nordost nach Südwest erwärmt es sich auf 28 bis 37 Grad. In der Nacht zum Freitag kühlt es im äußersten Westen auf etwa 18 Grad ab, im Osten und Südosten auf etwa 10 Grad. In den Ballungsräumen im Westen und Südwesten bleibt es über 20 Grad.
Freitag: Der heißeste Tag der Woche. Viel Sonne, im südlichen Bergland und im Nordwesten später einzelne Gewitter, sonst trocken. Die Höchstwerte liegen bei 30 bis 38 Grad, nur an der Nordsee darunter. Die Nacht bringt im Südwesten erneut Werte über 20 Grad – die zweite Tropennacht in Folge.
Samstag: In der Nordwesthälfte Schauer und Gewitter, lokal mit Unwettergefahr. Die Südosthälfte bleibt heiter und meist niederschlagsfrei. Noch einmal 27 bis 35 Grad bei mäßigem Nordwestwind.
Sonntag: Schauer und Gewitter ziehen quer über das Land nach Südosten, wieder lokal mit Unwettergefahr. Im Norden 21 bis 26 Grad, sonst 26 bis 33 Grad.
Montag: Von Westen und Südwesten breitet sich schauerartiger Regen aus, teils gewittrig verstärkt, gegen Abend erreicht er auch den Norden. 22 bis 29 Grad. In der Nacht zum Dienstag regnet es gebietsweise weiter.
Damit endet die Hitze – aber das Muster des Sommers bleibt: Schauer und Gewitter statt breitem Landregen. Für die Böden ist dieser Unterschied entscheidend.
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DWD: Bodenfeuchte wie in den Dürrejahren 2018 und 2022
Der Deutsche Wetterdienst hat die Lage Anfang August in einer Analyse zur Trockenheit beschrieben. Das Ergebnis: Die Böden sind in Teilen des Landes ungewöhnlich stark ausgetrocknet, der Verlauf der Bodenfeuchte ähnelt dem der Dürrejahre 2018 und 2022.
Seit März liegen die Niederschlagsmengen in fast ganz Deutschland unter dem Mittel. Besonders wenig kam von der Pfalz bis Unterfranken zusammen, dort verbreitet weniger als 150 Liter pro Quadratmeter in fünf Monaten.
Der Schwerpunkt liegt in der Südhälfte. Dort war die Bodenfeuchte zeitweise sogar geringer als 2018 und 2022. Unterhalb von 30 Prozent nutzbarer Feldkapazität stehen Pflanzen unter deutlichem Trockenstress – diese Marke wird vielerorts unterschritten.
Die Bodenfeuchtevorhersage des DWD reicht bis Anfang September. Sie zeigt eine klare Tendenz zu noch trockeneren Verhältnissen als im Mittel der vergangenen zwanzig Jahre.
Warum Starkregen der Dürre nicht hilft
Der Oberboden, die oberen 25 Zentimeter, reagiert schnell. Zwanzig bis vierzig Liter pro Quadratmeter würden ihn spürbar erholen lassen, sagte der Meteorologe Dominik Jung t-online – vorausgesetzt, das Wasser kommt als ruhiger Landregen über mehrere Tage.
Auf verkrusteten Böden prallt kurzer Starkregen dagegen ab. Ein erheblicher Teil fließt oberflächlich ab, statt zu versickern. Selbst ein kräftiges Gewitter mit 30 Litern in kurzer Zeit bringt der Dürrelage deshalb wenig.
Schwieriger ist die Lage in der Tiefe. Bis knapp zwei Meter hat sich über Monate ein Defizit aufgebaut, das nur mehrere Wochen bis Monate mit überdurchschnittlichem Niederschlag ausgleichen können. Realistisch wird das erst im Herbst- und Winterhalbjahr. Jungs Fazit dazu ist kurz: „Ein Regentag heilt keinen Dürresommer.“
Rhein-Pegel Kaub: 16 Zentimeter – und das Anfang August
Am deutlichsten zeigt sich die Dürre am Rhein. Der Pegel Kaub an der Engstelle bei der Loreley lag zuletzt bei rund 16 Zentimetern. Am 4. August waren es 24 Zentimeter – schon das unterbot den bisherigen Tiefstwert vom 22. Oktober 2018.
Wichtig für die Einordnung: Der Pegelstand ist nicht die Wassertiefe, sondern der Abstand zu einem festgelegten Nullpunkt. Der Rhein ist bei Kaub gut einen Meter tiefer, als die Anzeige vermuten lässt. Von einem trockengefallenen Fluss kann keine Rede sein.
Für die Schifffahrt ist die Lage trotzdem ernst. Frachter können auf Europas wichtigster Wasserstraße oft nur noch etwa ein Fünftel ihrer üblichen Ladung transportieren. Das treibt die Transportkosten und trifft die Chemie- und Stahlindustrie entlang des Flusses.
Bemerkenswert ist vor allem der Zeitpunkt. In den bisherigen Rekordjahren fielen die Tiefstände Ende September (2003), Ende Oktober (2018) und Mitte August (2022). 2026 unterbietet sie schon Anfang August.
Für einen nachhaltigen Anstieg bräuchte es laut Jung 100 bis 200 Liter in der Fläche des gesamten Einzugsgebiets – in den Alpen, der Schweiz, im Schwarzwald und an Main, Neckar und Mosel, verteilt auf mehrere Tiefdruckgebiete innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Rhein droht wegen Trockenheit unpassierbar zu werden
Berlin und Brandenburg: Waldbrandstufe 4, Spree im Niedrigwasser
In Brandenburg gilt in mehreren Landkreisen die Waldbrandgefahrenstufe 4 von 5, darunter Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße. Kiefernwälder, Sandböden und ausbleibender Regen machen das Land bundesweit zum Waldbrand-Hotspot.
Die Zahlen dazu sind deutlich: Bundesweit wurde in diesem Jahr bis Anfang August im Schnitt an rund 22 Tagen mindestens Stufe 4 erreicht. Im Klimamittel 1991 bis 2020 sind es zu diesem Zeitpunkt etwa zehn Tage. Zuletzt brannte es bei Jüterbog auf 308 Hektar.
Auch die Spree führt Niedrigwasser, ebenso Mulde, Weiße Elster und Neiße. In Sachsen wurde zuletzt an mehr als 80 Prozent der ausgewerteten Pegel Niedrigwasser gemessen.
Elbe: Die Hungersteine tauchen auf
Die Elbe führte in Dresden zuletzt gut 50 Zentimeter, rund einen Meter unter dem langjährigen Mittel. Ausflugsschiffe fahren nur noch eingeschränkt, Güterschiffe dürften nach Behördeneinschätzung erst ab September wieder verkehren.
Bei Pirna-Oberposta ragt der bekannteste sächsische Hungerstein aus dem Wasser, mit mehr als 20 eingemeißelten Jahreszahlen bis zurück ins Jahr 1707. Der berühmteste Stein flussaufwärts im tschechischen Děčín trägt den Satz: „Wenn du mich siehst, dann weine.“
Frühere Generationen meißelten diese Marken als Warnung an die Nachwelt. Sie tauchen jetzt früher im Jahr auf als in den Rekordsommern zuvor.
Hitze 2026: 11.900 Sterbefälle, fünffach erhöhtes Dürrerisiko
Juni und Juli waren in Westeuropa die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen, die Durchschnittstemperatur lag nach Berechnung des EU-Klimawandeldienstes Copernicus bei 21,62 Grad.
Die Folgen sind messbar. Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle für 2026 auf rund 11.900, allein 9.600 davon in der Extremwoche vom 22. bis 28. Juni. Das ist mehr als in jedem einzelnen Gesamtjahr seit 2016. Es handelt sich um Modellschätzungen, nicht um gezählte Todesfälle.
Und die Dürre hat eine Ursache, die eine internationale Attributionsstudie unter Beteiligung des DWD beziffert hat: Landwirtschaftliche Dürren sind in Westeuropa etwa fünfmal, in Osteuropa sogar elfmal wahrscheinlicher als in einer Welt ohne menschengemachten Klimawandel.
Der Regen um den 18. August wird die Böden anfeuchten. Die Steine im Flussbett verschwinden davon nicht.
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