Wahlkampf

Egeln: Freiwillige Feuerwehr posiert mit AfD-Spitzenkandidat – Bürgermeister prüft Konsequenzen

Feuerwehrleute besuchen AfD-Infostand von Ulrich Siegmund in Einsatzkleidung. Der Bürgermeister ist „fassungslos“.

3 Min
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, auf einer Kundgebung seiner Partei.

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, auf einer Kundgebung seiner Partei.

© Hendrik Schmidt/dpa

In der Kleinstadt Egeln im Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt) sorgt ein Besuch von Angehörigen der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr an einem AfD-Wahlkampfstand für Diskussionen. Mehrere Kameraden waren in Einsatzkleidung und mit einem Dienstfahrzeug auf dem Marktplatz vorgefahren, wo der AfD-Spitzenkandidat für die kommende Landtagswahl, Ulrich Siegmund, mit einem Infostand vertreten war.

Die Szene wurde unter anderem vom rechten YouTube-Kanal „Weichreite TV“ dokumentiert. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Siegmund die Feuerwehrleute per Handschlag begrüßt und ihnen zuruft: „Jungs, macht Feierabend, habt ihr euch verdient. Danke für euren Einsatz.“ Einer der Kameraden erklärte auf Siegmunds Nachfrage, man habe sich „mal persönlich treffen“ wollen. Anschließend posierte die Gruppe für Foto- und Videoaufnahmen vor dem Einsatzfahrzeug. Der YouTuber kommentierte aus dem Off: „Ulrich Siegmund hat überall seine Freunde.“

Nach Angaben des Verbandsgemeindebürgermeisters Michael Stöhr (Unabhängige Wählergemeinschaft Egeln) kamen die Kameraden direkt von einem Einsatz. Stöhr, der das Amt seit 16 Jahren ausübt, zeigte sich in einem Facebook-Beitrag „fassungslos“ über den Vorgang und machte diesen dort selbst öffentlich.

Bürgermeister kündigt Konsequenzen an

„Einige Mitglieder unserer Ortsfeuerwehr Egeln besuchten nach einem Einsatz in Einsatzkleidung und mit den Einsatzfahrzeugen eine AfD-Infoveranstaltung und ließen sich auch noch filmen und fotografieren“, schrieb Stöhr. Als Dienstherr der Freiwilligen Feuerwehr stellte er klar, ein solches Verhalten könne „nicht hingenommen werden“. Wer als Feuerwehrangehöriger durch Einsatzkleidung oder Fahrzeuge erkennbar sei, habe sich politisch neutral zu verhalten.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Stöhr kündigte an, den Vorfall intern aufzuarbeiten und Konsequenzen zu ziehen. Privat könne selbstverständlich jedes Feuerwehrmitglied die Partei seiner Wahl unterstützen, dem Ehrenamt sei jedoch erheblicher Schaden zugefügt worden. Er entschuldigte sich ausdrücklich bei allen ehrenamtlichen Helfern der Verbandsgemeinde Egelner Mulde und versicherte, ein solcher Vorgang werde sich nicht wiederholen.

Auch ein Ausschluss der beteiligten Kameraden aus der Freiwilligen Feuerwehr erscheint nach Stöhrs Äußerungen als Option. „Unsere Bevölkerung muss sich darauf verlassen können, dass unsere Feuerwehr im Notfall unabhängig von der politischen Einstellung, Religion oder Herkunft Hilfe leistet“, so der Bürgermeister. Werde dies auch nur ansatzweise infrage gestellt, hätten die Betroffenen „nichts mehr in der Feuerwehr zu suchen“.

Kritik an Stöhrs Wortwahl in Kommentaren

Unter dem Facebook-Beitrag entwickelte sich eine kontroverse Debatte. Zahlreiche Nutzer warfen Stöhr vor, die betroffenen Feuerwehrleute öffentlich an den Pranger zu stellen und ihnen implizit zu unterstellen, ihre politische Haltung könne die Einsatzbereitschaft beeinflussen. Ein Kommentator schrieb, dass Einsatzkleidung und Dienstfahrzeuge bei politischen Veranstaltungen nichts zu suchen hätten, sei unstrittig. Stöhrs Formulierung, wonach schon „ansatzweise“ Zweifel zum Ausschluss führen könnten, sei jedoch „eine pauschale Infragestellung von Menschen, die ihre Freizeit opfern, um anderen Menschen zu helfen“.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner